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Preview: So-ra-no-wo-to

2009-09-07

Kanata

So-ra-no-wo-to. Oder so ähnlich zumindest. Sora no Woto hieße jedenfalls „Der Klang des Himmels“, aber der Titel wird auch im Japanischen in der Silbenschrift Katakana geschrieben und heißt ソ・ラ・ノ・ヲ・ト – sogar der Genitiv-Partikel wird mit dem rein phonetischen, ohne semantische Bedeutung konnotierten ノ an Stelle des eigentlich üblichen Hiragana-Zeichens の verwandt. Katakana werden dabei gemeinhin nur genutzt, um fremdsprachliche Ausdrücke zu transkribieren, obwohl der Titel eindeutig auch im Japanischen Bedeutung trägt. Wenn man also die Möglichkeiten der japanischen Sprache derart nutzen kann, beweist das, dass in diesem Anime möglicherweise mehr steckt, als der erste Blick offenbart.

Aber von vorne. So-ra-no-wo-to ist ein Anime, der in der Winter Season 2010 als erster Titel die Reihe Anime no Chikara („Die Kraft der Anime“) eröffnen wird. Dieses Projekt des Senders TV Tokyo und des Publishers Aniplex soll nach eigener Aussage inspirierten Kreativen die Möglichkeit bieten, ihre eigenen Geschichten umzusetzen – womit man davon ausgehen kann, dass die AnC-Anime etwas experimenteller ausfallen werden als der übliche Kram. Zuständiges Animationsstudio ist A1, das hauseigene Studio von Aniplex. Überhaupt, viel mehr ist im Grunde genommen nicht bekannt. Ein recht kurzer Trailer wurde veröffentlicht, die Hauptfigur erhielt einen Namen – Kanata -, vor allem aber benannte man die Köpfe hinter So-ra-no-wo-to. Das aber reicht völlig aus, um mich mehr als nur hellhörig werden zu lassen.

Zunächst fällt einem der Name Michiru Ôshima ins Auge (und ihre Musik ins Ohr), deren Werk ich, das muss ich zugeben, nur sehr eingeschränkt kenne. Das jedoch, was ich kenne, gefällt mir außerordentlich. Der kürzlich veröffentlichte Soundtrack zur Bones-Serie Bounen no Xamdou (oder auch Xam’d: Lost Memories) könnte einer der besten dieses Jahres sein, analog zum Anime. Nicht mehr im Ohr habe ich ihre Kompositionen zur ersten Fullmetal Alchemist-Adaption, aber immerhin weiß ich noch, dass sie mir gut gefielen. Natürlich ist es gewagt, von einem eineinhalbminütigen Fitzelchen auf den gesamten Score zu schließen – aber die Musik im Trailer zu So-ra-no-wo-to ist wunderschön. Ein ebenso naiv wie mythisch klingendes Stück mit Marimba-Rhythmus, das zusammen mit zwei Gitarren und dezenten Streichern behutsam und langsam eine sehr eigene Stimmung aufzieht.

Noch interessanter wird es bei den zentralen Besetzungen für Regie und – ganz besonders wichtig bei einer Story, die nicht auf einem Manga oder einem Buch basiert – Drehbuch. Und dort finden wir Mamoru Kanbe und Hiroyuki Yoshino, die bereits bei einem gemeinsamen Projekt ihre Qualitäten bewiesen haben: Denpa teki na Kanojo. Schon mal reichlich interessant. Diese beiden Macher, jeder für sich teils auch an Baccano!, Darker than Black S2, Macross Frontier oder Elfen Lied mitwirkten, dürfen nun über die talentierten Animatoren von A1 verfügen. Deren Reportoire ist zwar von gemischter Qualität – Kannagi, Valkyria Chronicles, aber immerhin auch die beiden fantastisch animierten Birdy-Staffeln -, animieren können sie allerdings auf jeden Fall. Knifflig wird es aber beim Design, für das sich einige Kannagi-Designer verantwortlichen zeichnen. Die Charaktere im Trailer schlagen auch ganz offensichtlich in eine ganz ähnliche Kerbe und erinnern bisweilen sogar an K-ON!.

Die Inhaltsangabe ist knapp bemessen: irgendwo und irgendwann, nach langen Kriegswirren wird eine junge Soldatin als Verteidigerin zu einer Festung entsandt, die über einem entvölkerten Land thront. Das ist alles. Aus dem Trailer aber lässt sich mehr lesen: das Setting scheint, und damit kommen wir zurück zum eigentümlichen Namen, in einem unbestimmten, europäisch anmutenden Land angesiedelt zu sein, bei dem es sich mehr oder weniger um das Spanien der Zweiten Republik handeln könnte – zumal das Produktionsteam sich den Namen Paradores gab. Zumindest aber die Anklänge sind da. Und vielleicht gehe ich auch schon zu weit oder vielleicht lasse ich mich an dieser Stelle von meinem Wunschdenken leiten, aber ich werde das Gefühl nicht los, das uns in So-ra-no-wo-to eine tragische Geschichte bevorstehen könnte:

Natürlich ist das Charakter-Design beliebig und unpassend in seiner opportunistischen Anbiederei an den momentan angesagtesten Stil. Natürlich müssen es wieder fünf minderjährige Mädchen sein, die die Hauptfiguren liefern. Aber womöglich steckt unter dieser Oberfläche eine poetischere und berührendere Geschichte, als uns die Grobdaten erwarten lassen. Darauf lässt mich der Trailer hoffen, der mit seiner melancholischen musikalischen Untermalung die größtenteils eher fröhlichen Bilder kontrastiert – aber auch gegen Ende einige düsterere Momente offenbart. Darauf lässt mich das Setting hoffen, das – wenn ich die Verknüpfung zum Spanischen Bürgerkrieg richtig gelegt habe – an eine der tragischsten Episoden in der Zwischenkriegszeit erinnert.

Und darauf lässt mich der Rahmen der Produktion hoffen, der den Machern womöglich erlaubt, den einen entscheidenden Schritt weiterzugehen und mutig zu werden. Die Geschichte könnte ins Tragische, ins Bewegende sinken, ganz gegen jegliche Erwartungen. Am Ende könnten es die Mädchen sein, denen die Stunde geschlagen hat – und damit So-ra-no-wo-to aus dem Einerlei der Anime herausheben. Schön wäre es.

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