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Sondermann: echt jetzt?

2009-09-12

Vorgestern so in der Frankfurter Rundschau: Beilage zum Sondermann-Preis, hinter dem immerhin die Frankfurter Buchmesse und das Comicforum stecken.  Ich muss zugeben, die Nominierten in den Kategorien Comic International und Comic National sagen mir nicht viel. Das liegt nicht daran, dass ich qua Neigung Manga als überlegen ansehe, denn das tue ich nicht. Ich kenne einfach nur zu wenige Comics. Aber die genannten Titel sehen spannend aus, vor allem Reinhard Kleists Havanna, das ich definitiv im Hinterkopf behalten werde.

Mal weitergeblättert zu Manga International. Örks.

Naruto, One Piece, Vampire Knight. Im Ernst? Das sollen die besten Manga des Jahres sein? Den Blick auf die nächste Seite konnte ich dann kaum noch wagen… aber was erwartet man schon von allenfalls rechtlich volljährigen, ansonsten aber irritierend planlosen Mädchen, die glauben, sie könnten eine Story erzählen. Was sie aber nicht können. Gar nicht.

Andernorts, etwa in Angoulême oder in Erlangen, werden profilierte Mangaka, Meister ihres Fachs, für ihre durchdachten, reifen, bewegenden Werke geehrt. Allein in diesem Jahr erschien bei Schreiber und Leser und bei Carlsen je ein Manga von Jiro Taniguchi – Bis in den Himmel und der legendäre Spazierende Mann -, von einem der besten Mangaka aller Zeiten, der sogar in den Feuilletons und in der Literaturkritik reichlich verdiente Lobgesänge einfuhr. Aber das deutsche Publikum schubbert sich lieber wieder einen auf die zigtausendste Powerlevel-Scheiße oder kruden gothic yaoi bullshit runter.

Mich ärgert es maßlos, dass das mit Abstand Beste, was der Markt zu bieten hat, fast ausschließlich von beleseneren Kreisen rezipiert wird, während die Unterschicht mit billig produzierter, geistloser Stangenware gemästet wird – und Preise wie der Sondermann-Publikumspreis das Missverhältnis auch noch zementieren. (Mich ärgert es sogar noch mehr, dass ich gerade feststellen musste, dass der von mir verhasste Begriff der „Unterschicht“ sogar tatsächlich passt.) Klar, das ist ein Publikumspreis, und die tun auch nichts anderes, als den Publikumsgeschmack abzubilden. Scheiße nur, dass Popularität gemeinhin als Qualitätskriterium erachtet wird und sinnfreie Veranstaltungen wie diese affirmativ wirken. Nein, es macht nicht Spaß, als einer von wenigen Taniguchi genießen zu können. Nein, das gibt mir kein Gefühl der Erhabenheit gegenüber denjenigen, die es nicht tun. Es geht mir auf den Sack. Für’n Arsch, das alles.

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3 Kommentare leave one →
  1. 2009-09-12 13:02

    Naruto is doch geil, den hab ische a mol uf RTL2 gsehe. Voll die Action, hehe. Spazierende Mann un so sacht mer jetzt nix. Bestimmt soen Müll, wo bei dem ma net im Kiosk kaafe kann.

  2. 2009-11-26 22:55

    Halli Hallo,
    ich war bei der Verleihung vor Ort und ich muss sagen das ich deinen Unmut verstehen kann. Aber man kann die Qualitäten von One Piece und Naruto nicht unter den Tisch fallen lassen. Besonders One Piece hat mich in Sachen Wendungen und Einfallsreichtum sehr überrascht.
    Nein ich lese auch Taniguchi und One-Shots en masse. Es ist aber wie im Musikgewerbe, der Massentaugliche finanziert die künstlerischen Ladenhüter mit. Was würde ich gerne DoLL z.B. kaufen können. Es handelt sich natürlich um Massenware, aber dann doch wenigstens um eigenständige und intelligente. Kein Yu-Gi-Oh, Digimon, Bayblade etc. One Piece übrigens hat mich wieder für Piraten begeistert, und wenn Mangas begeistern können freut mich das, es bedarf ja keines künstlerischen Anspruchs =)

    lg kai

    p.s. super blog! ich stimm‘ dir nicht überall zu, aber es gibt tolles zum stöbern, viel glück weiterhin (und fettes hintergrundwissen, puh puh =) )

  3. escapistolero permalink*
    2009-12-01 16:37

    Danke artig für das Lob!

    Ehrlich gesagt, den Artikel musste ich einfach aus meinem System kriegen. Ich musste mich mal auskotzen. Völlig klar, dass die eher massenkompatiblen Titel oft genug meine Lieblingsmanga durchfinanzieren. Panini und EMA haben ja recht offen kommuniziert, dass 20th Century Boys und Monster nur dank der Verkäufe populärerer Titel und einer entsprechenden Querfinanzierung veröffentlicht werden können.

    Was mich überhaupt am meisten ärgerte, war, dass die Titel, die sich eh schon der besten Verkäufe erfreuen – zumindest im Mangasektor -, durch die Aktion auch noch beworben werden. Während zum Beispiel Taniguchi in den Regalen bleibt. Wie gesagt, da spricht kein elitärer Standesdünkel aus mir. Mich würde es wirklich nur freuen, wenn mehr Menschen daran Spaß hätten.

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