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Review: CANAAN

2009-10-02

CANAAN

Type-Moon war nicht der Grund, wieso ich CANAAN seit Ende letzten Jahres auf dem Radar hatte. Sondern P.A. Works. 2008 erschien das erste eigenständige Werk des jungen Studios aus der Provinz, irgendwo am Japanischen Meer: True Tears. Und True Tears war klasse. Über die Story, die Charaktere, die Konzeption konnte man streiten – ich selber mochte sie sehr -, aber die Produktion war undiskutierbar top fucking notch. Großartige Designs, feinste Animation, guter Soundtrack, prima Scripting und Regie. Und sowohl Mari Okada als Autorin wie auch Kanami Sekiguchi als Charakterdesignerin waren beim neuen Projekt wieder an Bord; kein Wunder also, dass ich 428 the animation, wie das Projekt damals noch hieß, unter Beobachtung setzte. Der C75-Trailer bestätigte meine Vorfreude. Da ging was.

So ganz egal war mir dann aber auch nicht, dass Kinoko Nasu seine Goldfingerchen im Spiel haben sollte. Der schreibt nämlich herrlich abstrus-abgefahrene Stories, die sich mit ausreichend „willentliche[r] Aussetzung der Ungläubigkeit“ (ugh) wunderbar genießen lassen. Ich erwartete a priori kein zweites Kara no Kyoukai, dafür sprach nichts – sondern einen richtig gut gemachten Action-Anime mit massig Gun fu, ordentlich Zug und dem gewissen Etwas, wofür Nasu dann sorgen sollte. Und damit beste Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger. Das ist wichtig, mit einer falschen Erwartungshaltung kann man sich diesen Anime nämlich mächtig versauen.

FUCK YEAH

Bin ich also zufrieden? Bin ich, mit nur ganz wenigen Abstrichen. Die Animationsqualität bewegt sich zwischen richtig gut und atemberaubend, letztere vor allem in den spektakulären, dynamisch choreographierten Kampfszenen, die man sich immer und immer wieder zu Gemüte führen kann. Canaans Kampf über den Dächern von Shanghai in der ersten Folge, Alphards Flucht vor der CIA in der zweiten, der Terrorangriff auf die Sicherheitskonferenz, das grande finale. Für einen TV-Anime richtig fein gemacht, fast wie bei Dennou Coil und Bounen no Xamdou. Und das Ganze wäre nur halb so gut ohne die wunderschönen Charakter-Designs, die erstens das Bestmögliche aus Takeshi Takeuchis Vorlagen machen (zugegeben, der hat sich im Laufe der Jahre auch gemausert…) und zwotens genau meinen Nerv treffen. Auch wenn sie mir im Einzelnen in True Tears besser gefielen (Hiromi!), der Stil ist und bleibt toll.

Das ist zwar schon mal ein ziemliches Pfund, aber damit muss man auch wuchern können. Nur Schauwerte bringen nichts. CANAAN macht das allerdings ganz gut. Nasus Einfluss nimmt sicher überraschenderweise ziemlich moderat aus angesichts der eher konventionellen Thriller-Story, mit allem, was das Genre so hergibt (und einigem mehr): CIA und NSA, Bioterrorismus, Viren, Black Hawks, menschliche Experimente, Paramilitärs, Cruise Missiles, B-2s, Geheimorganisationen, Supersoldaten, Waffenporno, Regierungsagenten, Top-Politiker, der POTUS… ein ziemlich reichhaltiges Potpourri.

Holy shit!

Damit wird aber auch klar: das ist eine Geschichte, die in erster Linie funktionieren soll und kaum bis keine wirklich bemerkenswerten Aussagen aufbietet. Aber wenn sie funktioniert, dann unterhält sie, und das ist dann auch schon alles, was sie will. Klappt das? Ja, tut es, wenngleich mit ein paar Einschränkungen. Das pacing ist nicht ideal, weil sich CANAAN manchmal ein wenig übernimmt. Dann muss der Anime immer erstmal mühselig die losen Fäden wieder aufnehmen und zusammenknüpfen, was sich bisweilen langwierig ausnimmt. Klassischer Fall von zuviel gewollt.

Und auch die Charaktere sind nicht alle so gut angelegt, wie sie sein könnten. Da sind leider in erster Linie Canaan und Maria zu nennen, leider deswegen, weil ihre Beziehung auf eine reichlich herkömmliche und dick aufgetragene Beziehungskiste reduziert wird: ich glaube an dich, du glaubst an mich. Ich vertraue dir, du vertraust mir. Ich lebe für dich, du lebst für mich. Das ist irgendwo schon okay, schließlich ist das immer noch ein Anime und kein Weltliteratur, aber sonderlich ausgefallen oder originell ist dieses Motiv trotzdem nicht.

Allerdings: das war es diesbezüglich schon fast an Kritik. Ein großer Teil der Charaktere und vor allem der Charakterkonstellationen ist ziemlich gut geraten, wenn auch alles andere als brillant. Da wäre etwa Mino, der Fotograf, der unvermittelt in die Geschichte gerät und bisweilen über sich hinauswächst – aber nicht, ohne zu wissen, dass er zum Helden nicht taugt („She had such a nice ass!“). Oder Hakko und Santana, die das Schicksal und ihre geteilten Qualen zusammengebracht haben, aber erst am Ende, ganz am Ende, auch wirklich zueinander finden. Oder Liang Qi, dieses laszive, bösartige, hoffnungslos durchgeknallte und am Schluss ins Wahnsinnige changierende Biest. Oder Cummings mit seinem lusterfüllten Masochismus, mehr Ausdruck einer hündischen, pervertierten Loyalität.

Oder natürlich Alphard, deren Motivationen und Aktionen die Geschichte vorantreiben. Alphard ist das Gravitationszentrum von CANAAN: sie ist diejenige, die alle Charaktere auf die ein oder andere Weise zusammenführt. Sei es, weil sie verantwortlich ist für Yun-Yuns und Hakkos Schicksal. Sei es, weil sie ihre Ziehschwester mit Ignoranz straft und in den Wahn treibt. Sei es, weil sie postuliert, dass nicht Canaan Canaan ist, sondern sie selber. Letztlich geht alles auf die Dreiecksgeschichte zwischen ihr, Siam und Canaan zurück, auf den lebensanschaulichen Konflikt zwischen ihr und Canaan. Und am Ende ist erst sie es, die die Geschichte (in einer großartigen Szene!) auflösen kann – nicht die nominelle und eponyme Protagonistin Canaan, sondern sie, die Antiheldin. Während fast alle anderen Charaktere nur reagieren, ist sie die Einzige, die agiert – und schlussendlich aus eigener Kraft dem zerstörerischen Sog ihrer Vergangenheit entkommt.

onee-sama.

Das alleine wiegt für mich vieles auf – aber wie gesagt, CANAAN macht auch so schon viel mehr richtig, als es falsch macht. Sicherlich, kein unmittelbarer Anwärter auf den Anime des Jahres. Dafür gibt es schlicht noch zu viele Anime, die noch besser sind. Aber der wollte er wohl auch gar nicht sein. CANAAN ist bestens unterhaltend, ein blendend aussehender und prima gemachter Popcorn-Anime. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Die Vorfreude seit Ende vergangenen Jahres, als ich nach dem nächsten Projekt von P.A. Works gefahndet habe, hat sich vollauf gelohnt. Ob das auch mit dem nächsten Projekt, der Key-Adaption zu Angel Beats! im nächsten Jahr, klappen wird, kann erst die Zukunft zeigen. Aber mit CANAAN hat P.A. Works neben True Tears schon einen zweiten eindrucksvollen Titel ins Portfolio aufnehmen können. Gut gemacht. 7/10

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