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Review: Valkyria Chronicles

2009-10-16

Kochen, Putzen, Wäsche waschen, Sapphismus. Für das Vaterland.

Ach je. Valkyria Chronicles. So viel falsch gemacht. Noch in den Previews sah die ganze Chose eigentlich ganz reizend aus – so etwa der hübsche Kniff beim Design, das die wasserfarbenartige Gestaltung der PS3-Vorlage emulierte. Von Kannagi und Birdy konnte man halten, was man will – aber dass das Studio A-1 animieren kann, stellen die beiden Titel allemal unter Beweis. Und dann noch ein Soundtrack von Sakimoto Hitoshi, der schon die großartigen Spiele von Matsuno Yasumi (Final Fantasy Tactics, Vagrant Story, Final Fantasy XII) musikalisch veredelte – klang nach einem eigentlich ganz anständigen Gesamtpaket. Nach einem ordentlichen Lückenbüßer, wenn mal wieder die Subs für die richtig guten Anime auf sich warten lassen sollten.

Die Rolle füllte Valkyria Chronicles zwar bei mir. Aber nur leidlich. Das fängt schon bei den Offensichtlichkeiten an; die Soldatinnen etwa haben wohl vor Dienstantritt eine zettai ryouiki-Verpflichtung einzugehen. Vermutlich aus Gründen der besseren Vergewaltbarkeit. Und es geht bei der Tatsache weiter, dass für einen Anime, der in kriegerischen Zeiten angesiedelt ist, über sehr, sehr lange Zeit herzlich wenig Krieg herrscht. Und es hört nicht erst auf bei geflügelten Schweinchen oder unsagbar penetrant (hihi) angelegten Schwuchteln oder nach hitlerscher Peniskompensation modellierten, gigantomanischen Panzern. Wobei, Hitlers Probleme waren anatomisch vielleicht doch etwas anders gelagert… naja, wie dem auch sei. Valkyria Chronicles krankte an allen Ecken und Enden. Bin nur froh, dass die letzte Episode schon etwas her ist und ich meine Notizen nicht mehr finde.

Das alles ließe sich ja noch alles verschmerzen. Anime leben von ihren Hyperbeln, vom frechen/vorbehaltlosen Zusammenschmeißen komplett konträrer Elemente. Anime ist eben Anime, wer da allzu realistische Maßstäbe anlegt, hat ehwieso verloren. Das alles nehme ich oft genug klaglos hin. Wenn nur die Story funktioniert – und genau das ist ist der Knackpunkt bei Valkyria Chronicles. Ist lange her, dass ich so einen mies gescripteten Anime gesehen habe. Darunter fallen zum Beispiel die Charaktere und ihre Motivationen, für die ich mir wünsche, dass es im Deutschen einen äquivalenten Begriff für generic gäbe. Oder run-of-the-mill. Wobei, versuchen wir’s näherungsweise: stinkgewöhnlich; einfallslos; sich bei Genrestandards bedienend; blutarm; ideenarm. Joa. Gar nicht mal so daneben.

Bester Plan aller Zeiten.

Und selbst da könnte ich noch einige Augen zudrücken. Tue ich aber nicht, und daran ist Valkyria Chronicles selbst schuld. Das liegt vor allem an der Verwendung des Krieges als Setting. Dagegen habe ich nichts, im Gegenteil: das Thema hat sich in der Literatur als eines der ergiebigsten und eindrücklichsten überhaupt ergeben. Nirgendwo sonst kommen derart starke Sujets wie Tod, Leid, Gewalt, Angst zusammen und werden durch die Wucht des Krieges derart multipliziert, dass sie einem das Herz auffressen können. Nur, dass das diesem Anime herzlich latte ist. Der Krieg als Setting ist austauschbar – die grundlegende Handlung von Valkyria Chronicles könnte mit einigen geringen Modifikationen auch vor jedem anderen Hintergrund spielen können. Und das sehe ich nicht nur als verpasste Gelegenheit; ich nehme das übel.

Die obligatorische Todesszene – denn einer der Helden muss immer sterben – berührte mich nicht im Geringsten. Mich, der ich bei diesen Szenen immer wahnsinnig mitgenommen bin, der ich überhaupt jedem Anime wohlwollend gegenüber stehe, der den Mut aufbringt, eine wichtige Figur sterben zu lassen. Nur – Isara starb, und das war’s. Bisschen cookie-cutter-Trauer, dann weiter im Programm. Wir müssen ja noch die Klischees abklappern, die jedem anständigen Autoren schon vor dreißig Jahren zu peinlich geworden wären. Gemeinschaft? Gemeinschaft, klar. Muss rein. Eingeschworene Truppe und so. Megalomanischer last boss? Klar, die Kids stehen doch auf Kefka, ne? Rein damit.

Mit großartigen Erwartungen bin ich wirklich nicht rangegangen. Ich habe lediglich einen durchschnittlichen Anime erwartet – aber einen unterdurchschnittlichen bekommen. Wahrscheinlich klinge ich eine Spur gemeiner, als ich es mit Valkyria Chronicles meine – immerhin habe ich auch freiwillig alle 26 Episoden geschaut. Und so viel Fairness muss natürlich sein: Valkyria Chronicles ist eine Adaption, und wenn die Story im Spiel schon ähnlich doof angelegt war, kann der Anime auch nicht viel mehr rausreißen. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass Valkyria Chronicles so oder so einfach kein richtig guter Anime ist. Den Absturz in tiefere Wertungsregion verhindert an sich vor allem die Tatsache, dass er von der sensationellen Beschissenheit etwa eines School Days doch noch reichlich weit entfernt ist. Wie wenn’s ein Trost wäre. 4/10

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