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Review: Cencoroll

2009-11-07

CencorollGanz neu ist die Idee ja nicht. Makoto Shinkai etwa hat vor sieben Jahren in Hoshi no Koe bereits eine mit 25′ gar nicht mal so kurze OVA vorgelegt, die er in Eigenregie entworfen und auf seinem Mac animiert hat. Das muss ein irrsinniger Gewaltakt gewesen sein, aber er hat sich gelohnt: Ist Hoshi no Koe für sich genommen schon ein recht spannendes Werk, brachte es ihm darüber hinaus enormen Respekt ein.

Vergleiche zu Atsuya Ukis Cencoroll drängen sich natürlich auf. Der Mangaka Uki beschloss 2006, einen seiner One-Shots zu animieren. Und zwar alleine. Ein Jahr später begann er die Arbeit, und Ende Juli dieses Jahres feierte Cencoroll Weltpremiere. Man wartete gespannt auf den Streifen, denn es nimmt sich auch Jahre nach Shinkai nicht nur immer noch schier unfassbar aus, dass ein einziger Kreativer komplett alleine einen ganzen Anime aus dem Boden stampfen kann – der erste Trailer sah auch noch unverschämt cool aus.

Cencoroll handelt – mehr oder weniger – von Cenco. Cenco ist ein… Ding, ein Blob, vielleicht ein Außerirdischer. Er ist urhässlich und frisst gerne und alles. In jedem Fall lässt er sich von Tetsu kontrollieren und kann verschiedene Gestalten annehmen – ein Fahrrad, ein Auto, auch mal ein Flugzeug oder ein Spielzeugpanda. Woher er er kommt, wissen wir nicht. Nur, dass er nicht der einzige ist, denn es erscheinen immer mal wieder Wesen wie Cenco in der Stadt, buchstäblich aus heiterem Himmel. Also ist es besser, wenn niemand von Cenco erfährt – wenn da nicht Yuki wäre, ein neugieriges Mädchen aus Tetsus Schule, die Cenco bei seiner Verwandlung ertappt. Sie ist fasziniert von ihm und folgt Tetsu und Cenco. Dadurch aber gerät sie massiv in die Bredouille, denn Shuu, der seinerseits gleich zwei dieser Wesen kontrolliert, legt sich mit Tetsu an und will gegen ihn kämpfen.

Im Groben wäre wohl dies die Handlung. Uki lässt vieles offen, spricht es nicht mal an: was etwa Cenco und die anderen Wesen sind, wiese sie sich von Tetsu und Shuu steuern lassen, und worum gekämpft wird. Leerstellen an sich sind zwar ein recht gängiges Mittel im Storytelling, etwa um Aufmerksamkeit und Fokus zu lenken und Interesse zu wecken. Auch wenn sie fehlen, arbeitet man doch mit ihnen. In diesem Fall sind sie aber schlicht nicht von Belang: da fehlt zwar etwas, aber Uki ist das gleich. Und nicht nur das macht die Narrative ungewöhnlich. Cencoroll funktioniert ganz anders als andere Anime. Ein Spannungsbogen im herkömmlichen Sinne lässt sich zwar ausmachen, er unterläuft sich aber durch seine Ausführung selber. So sind die Charaktere zum Beispiel erstaunlich lakonisch und ruhig, nicht etwa, weil sie introvertiert wären, sondern weil sie sich distanziert anfühlen, wie wenn sie nicht richtig involviert wären. Als Shuu Yuki entführt und sie auf einem Hochhaus am Tentakel von Shuus Wesen über dem Abgrund hängt, wirkt sie, wie wenn ihr alles gleichgültig wäre. Ebenso Tetsu, als Cenco seinen Arm verschlingt. Er hat Schmerzen, aber er brüllt nicht, beschwert sich noch nicht mal sonderlich.

Das soll keine negative Kritik sein. Charaktere müssen nicht so simpel angelegt werden, wie sie uns die meisten Anime verkaufen, und wenn sie anders reagieren als erwartet, dann ist das in der Regel natürlich gewollt und hat auch einen Sinn. Ich verstehe ihn nur noch nicht ganz, und ich weiß auch nicht, ob ich das noch schaffen werde. Am technischen Aspekt ist dagegen absolut nichts zu rütteln: es ist schlichtweg phänomenal, was Uki da geschaffen hat. Bisweilen merkt man dem Anime seine eher niedrige frame rate an, aber so einige Sequenzen vor allem gegen Ende sind fantastisch animiert. Und anders als Shinkai, der früher vor allem als background artist aktiv war, stammt Uki aus der Manga-Szene und pflegt einen wenig ausgefallenen, aber trotzdem ausdrucksstarken und attraktiven Stil für seine Charakterdesigns.

Das Warten hat sich sicherlich gelohnt: Cencoroll ist ein spannendes, ungewöhnliches, vor allem aber gelungenes Experiment. Wie schon bei Shinkai ringt einem die Tatsache, hier einen Anime zu haben, der von einem einzigen Mann ganz alleine gestemmt worden ist, gewaltigen Respekt ab – und auch bei ihm sind es auch die inhaltlichen Qualitäten, die überzeugen können. Naturgemäß fühlt sich Cencoroll anders an, läuft anders ab als alle anderen Anime. Allerdings bin ich – in der Hinsicht anders als bei Shinkai – bei aller Faszination mit Cencoroll nie vollends warm geworden. Trotzdem wünsche ich Uki, dass er das selbe Glück wie Shinkai haben wird. Denn dieser erntete nicht nur Respekt und Bewunderung, sondern auch das Vertrauen eines Publishers, der seine nächsten Werke finanziell unterstützte und ihm ein fähiges Animationsteam an die Seite stellte. Genau das würde ich mir für Uki wünschen, denn nichts anderes hat er sich verdient. 7/10

Und da Screenshots seiner Leistung nicht gerecht werden, bitte sehr:

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