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Retrospektive 2009: Die Musik

2009-12-25

Bei den Soundtracks gibt es die Problematik, dass viele der laufenden Season erst im darauf folgenden Jahr veröffentlicht werden. Dann hat man zwar einen Eindruck von der Musik aus der Serie, kann sie aber nicht noch einmal in Ruhe hören. Leider betrifft das so einige Shows.

QFT, leider. Wobei es bei genauerer Betrachtung gerade mal drei Shows sind, deren Soundtracks das betrifft – das reicht aber schon, um meine gesamte Liste ins Wackeln zu bringen.  Nicht, dass ich hier wissenschaftlich korrekt vorginge oder meine gesamte Retrospektive irgendeine Aussagekraft hätte – aber ärgert tut es doch etwas.

Allerdings ist das auch schon der einzige Anlass zum Ärger, denn viele Soundtracks sind in diesem Jahr richtig fein geworden und machen mir ganz unabhängig von der Position viel Spaß. Überhaupt, natürlich ist der erstplatzierte Soundtrack nicht gleich zehnmal so gut wie der zehntplatzierte; alle Einträge sind auf ihre ganz eigene Art und Weise großartig, als Blockbuster, als versteckte oder ungeschliffene Juwelen, als schillernde Panoptika. Manche haben mir nur eben ein Stück weit mehr gefallen oder bedeutet, das ist alles. Einen Hördurchgang sind aber alle wert.

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11 | ko-ko-ya – musica paradiso (Ristorante Paradiso OST)

Über Ristorante Paradiso ist schon geschrieben worden; ein charmanter kleiner Anime, den so einiges ungewöhnlich machte. Etwa die Wahl der handelnden Charaktere, kaum geeignet für die ansonsten panisch bedachte Zielgruppe der Teenager, oder die Wahl des Handlungsortes. Rom sollte es sein, ein Rom der Gegenwart, das aber den Geist und das Gefühl der Stadt, ganz Italiens und  Europas quer durch die Ägiden atmen sollte. Dazu trugen der markante Zeichenstil und die bedachte Erzählweise bei, doch vor allem war es die Musik, die das Lebensgefühl gekonnt heraufbeschwor.

Das japanische Bossa nova-Trio ko-ko-ya steuerte einen entspannten, locker aus dem Handgelenk gespielten Soundtrack bei, der wechselweise raffiniert ist und dann wieder melancholisch, verträumt und wieder ins Leben reißend. Das mag stilistisch vielleicht nicht ganz einwandfrei sein, ist aber reichlich gekonnt gemacht und unglaublich spielfreudig und kreativ. Fiedelnde Geigen, gezupfte Akustikgitarren, angenehm bauchiger, ansonsten aber klassischerweise zurückhaltender Bass spielen sich aneinander hoch, loten bisweilen den Jazz aus, dann den Bossa nova, getragener anmutende Weisen, und bieten dem Anime damit für jede Gemütslage eine stimmige Untermalung. Prima Album.

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10 | Michiru Ôshima – Bounen no Xamdou OST

Bounen no Xamdou war ein Anime der großen Gesten und akzentuierten Zwischentöne. Immer mal wieder trifft einiges zusammen, um so einen Anime zu ermöglichen, der von vornherein als großer Wurf angelegt wird. Aus Hollywood wissen wir, dass dafür grundsätzlich einer der profilierten Filmkomponisten angeheuert werden muss, ein Hans Zimmer, John Williams oder Howard Shore. Drunter geht nix, wenn man viel Pathos braucht, viel Orchester und viel Rumms.

Nun gibt es in der Anime-Branche nicht viele Namen, die sich mit diesen vergleichen lassen können. Michiru Ôshima gehörte ganz sicher nicht dazu, auch wenn sie mit dem Soundtrack zur ersten Fullmetal Alchemist-Serie schon einige Meriten einfahren konnte. Trotzdem gab man ihr ein Orchester an die Hand sowie den Auftrag, einen Soundtrack der großen Gesten zu schreiben und zu vertonen. Ohne ihn würde Bounen no Xamdou nicht funktioniert.

Nun hat Bounen no Xamdou funktioniert, prächtig sogar, und Ôshima darf das auch als ihren Verdienst verbuchen. Ihr Soundtrack nutzt die gesamte Bandbreite, die so ein Orchester bietet, von ganz leise bis ganz ganz laut. Das muss er aber auch, denn die die Welt, in der Bounen no Xamdou spielt, ist eine sehr eigene. Deswegen entwickelt Ôshimas Score auch eine große Dynamik und zeigt damit, dass sie ihr Handwerk wirklich beherrscht, dass sie im Kleinen wie im Großen wunderbare Stücke komponieren kann. Rundum gelungene Angelegenheit, auf ihre nächste Arbeit darf man gespannt sein.

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09 | (Satoru Kousaki – Bakemonogatari OST)

Über Bakemonogatari kann und wird man noch viel schreiben. Das haben Anime, die unter der Regie von Akiyuki Shinbo entstehen, nun mal so an sich. Viel wurde diskutiert, viel wird noch immer diskutiert. Einen Fakt kann man trotzdem schon mal nennen: Bakemonogatari ist modern, ein Anime der Jetztzeit. Während die meisten anderen Anime auf traditionelle oder zumindest nicht mehr originelle Standards rekurrieren, geht Bakemonogatari oft radikal neue Wege. Das macht den Anime per se nicht besser, aber zumindest erstens anders und zweitens angenehm frisch.

Ähnliches kann man auch über den Soundtrack von Satoru Kousaki schreiben, der bislang eher für KyoAni Musik komponierte. Das Rad erfindet er zwar nicht neu, setzt seine Stücke zusammen aus kleinteiligen Piano-Melodien und elektronischen Ambient-Klängen, aber es klingt eben erstens anders und zweitens frisch. Eine willkommene Abwechslung zu vielen anderen Anime-Soundtracks. Schade nur, dass Shaft den Soundtrack (so wie auch die OPs) nur zusammen mit den BluRays veröffentlicht – es wird also noch eine Weile dauern, bis er verfügbar ist.

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08 | Akira Senju – Fullmetal Alchemist: Brotherhood OST1

Wie weiter oben erwähnt: Der Soundtrack zur ersten Fullmetal Alchemist-Serie aus den Jahren 2003/2004 stammte noch aus der Feder von Michiru Ôshima. Wohl auch aus Zeitproblemen – zwei solcher Großprojekte in kurzer Abfolge sind schwer zu schaffen – heuerte Bones für die Neuauflage der populären Shônen-Serie aber einen anderen Komponisten an. Akira Senju sollte das Remake vertonen, und das tat und tut er richtig gut.

Fullmetal Alchemist: Brotherhood ist ein großartig gemachtes Stück Unterhaltung, bei dessen temporeichen Actionszenen das Animationsstudio Bones sein ganzes Können ausspielen kann. Und immer dann sticht auch Senjus Soundtrack, weil seine punktgenau gesetzten Streicherattacken die Dramatik der Szenen wunderbar ausreizen. Mit Pauken und Trompeten und Posaunen und fliegenden Fahnen stürzt sich das Orchester auf die Passagen, die im Zusammenspiel von Animation und Musik alles aus den Kämpfen rausholen. In manch kleineren Stücken mag er womöglich etwas schwächeln, auch wenn sie immer konsistent bleiben; aber dann, wenn es darauf ankommt, ist Senju immer da.

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07 | Makoto Yoshimori – Zoku Natsume Yuujinchou OST

Es steckt viel mehr in Natsume Yuujinchou, als der erste Blick offenbart, und dafür sorgen vor allem die yôkai, die mythischen japanischen Sagengestalten, die Natsume immer wieder beschäftigen. Im episodischen Aufbau sind auch immer Geschichten mit ihnen verbunden, die so zahlreich und vielfältig sind wie das Leben. Manche sind humorvoll und schräg, manche machen Angst, manche traurig; so, wie auch Makoto Yoshimori seinen Soundtrack angelegt hat.

Der Score zur zweiten Staffel ist wie auch schon sein Beitrag zur ersten enorm wandlungsfähig. Zwischen unfassbar schönen Piano-Melodien wie dem Main Theme oder Kimi ga Yobu Namae, bei denen er sich bisweilen von Streichern unterstützen lässt, findet sich alles Erdenkliche: zerfurchte Jazzklamotten, bizarre Lautexperimente,  sogar Versatzstücke aus Classic Rock und Kraut. Und viele, sehr viele Stücke mit zuerst typisch anmutender Untermalung, denen er aber mit dem Klavier, dem Akkordeon, dem Xylophon und der Geige immer wieder einen ganz besonderen Dreh verleiht. Stücke, die ihren eigenen Weg gehen.

Das spricht einerseits für die kompositorische Klasse Yoshimoris, denn das alles will beherrscht werden. Das kann er, und das ringt Respekt ab. Er kann das Verlangen nach klassische Ästhetik bestens bedienen, wie die vielen – ich kann’s nur wiederholen – unfassbar schönen Melodien zeigen, doch er muss und kann sich damit nicht zufrieden geben. In Natsume Yuujinchou steckt eben mehr drin, und er ist es, der das Mehr rausholt. Ohne seinen stellenweise mutigen Soundtrack wäre der Anime sicher nur halb so gelungen.

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06 | Shinji Orito, Magome Togoshi, Jun Maeda – Clannad OST

Natürlich unterscheidet Soundtracks von gewöhnlichen Alben etwas ganz Entscheidendes. Soundtracks stehen selten für sich alleine, sondern transportieren immer auch das, was man mit dem Film, dem Anime, dem Spiel verbindet. Das macht es, wie in diesem Falle, oft nicht gerade einfacher, darüber zu schreiben. Rein kompositorisch sind die drei CDs vielleicht nicht sonderlich berauschend – gerade, wenn wieder die alten Synthies vom Dachboden runtergeholt werden, die man in den Achtzigern aus verdammt vielen guten Gründen eingemottet hat. Urgs.

Und natürlich sind Clannad und die zweite zweite Staffel, After Story, einzig und allein darauf aus, das Maximum an Gefühl rauszuholen, und natürlich kann man vollkommen berechtigt darauf verweisen, dass das bei Telenovelas und samstagabendlichen öffentlich-rechtlichen Melodrama nicht anders ist. Nur, was nützt es, wenn man sich trotzdem die Tränen verdrücken muss? Auch wenn man weiß, wie der Hase läuft, wenn man schon ganz andere, größere, erhabenere Dramen gesehen und gelesen hat – wenn’s weh tut, dann tut’s eben weh. Und Clannad tut manchmal verdammt weh.

Clannad funktioniert über Gefühle, und Gefühle funktionieren über Musik. Das ist die einfache Gleichung, die die Macher verinnerlicht haben und furchteinflößend gut umsetzten. Es ist eine Handvoll Melodien, die einem in den stärksten und größten Szenen vor allem der zweiten Staffel im Zusammenspiel mit dem, was man sieht und dabei empfindet, die Tränen in die Augen trieben. Dann sind vielleicht ein paar Stücke auf dem Soundtrack mittelmäßig, aber das ist nur unvermeidlicher Füllstoff. Wenn er es aber schafft, mich an Ushio und Tomoya in der gütigen Abendsonne denken zu lassen, an Ushio und Tomoya im Schneefeld, dann verdient er alle Anerkennung.

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05 | (Hitoshi Fujima, Junpei Fujita – White Album OST)

Da gibt es also einen Anime, der in der Idol-Szene der Achtziger Jahre spielt, und kein Soundtrack weit und breit. Tse. Dabei ist der Score der beiden langjährigen Kollaborateure Fujima und Fujita ein richtig feiner. Beim zeitlichen Setting kann man ja das Schlimmste befürchten – ich mag dieses Jahrzehnt einfach nicht -, tatsächlich jedoch hört man das kaum heraus. Vieles ist entspannt jazzige Lounge-Musik, die angenehm zurückhaltend in den Hintergrund gemischt wird. Oft genug kommt White Album aber gänzlich ohne nervige Dauerbeschallung aus.

Die Musik wird punktuell und gezielt eingesetzt, und entfaltet dementsprechend ihre Wirkung. Die Szenen etwa, die in das verfilzte Musikbusiness eintauchen, untermalen die beiden Musiker leicht elektronisch verzerrt, ohne sich nach vorne zu drängen und den Zuschauer mit ihrem Eindruck zu überwältigen. Sie stützen nur. Der Lackmustest sind aber die melodramatischen Szenen, von denen es so einige gibt – und auch hier glänzt der Soundtrack mit fein ausgespielten, aber alles andere als aufdringlichen Streicherquartetten. Ein runder, sehr stilvoller Soundtrack, auf dessen Release ich mich schon freue.

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04 | Takefumi Haketa – Aoi Hana OST

Aoi Hana, einem meiner (un-)heimlichen Lieblinge diesen Jahres, muss man ganz genau zuhören. Die musikalische Untermalung nimmt sich dem Anime sehr ähnlich aus, ist bescheiden, sympathisch zurückhaltend. Elegant changiert der Soundtrack zwischen vorsichtigem Optimismus und leisem Pessimismus – so wie auch der Anime geht es Haketa um die Zwischentöne, die leisen, deswegen aber nicht weniger innigen Gefühle.

Deswegen greift er vor allem auf eine geringe Zahl von Melodien zurück, die im Kern des Soundtracks stehen. Aus ihnen zieht er in motivisch-thematischer Arbeit seinen Score auf, variiert sie in Tempo und Instrumentierung, spielt sie mal alleine an seinem Piano, lässt sie auf Akustikgitarren erklingen oder von Streicherquartetten, bisweilen an Cembali, Glocken, Kirchenorgeln, Spieluhren umsetzen. Die selbe Melodie kann in Komorebi wo Kakeorite liebenswert schüchtern und optimistisch klingen, in -passive- hingegen melancholisch, in Date beschwingt.

Das alles lässt einen die graduellen Unterschiede hören, die Stimmungswandel und Sinneswandel der Charaktere in Aoi Hana nachzeichnen. Und es passt perfekt. Natürlich bedeutet das, dass man ganz genau zuhören muss; doch es lohnt sich. Haketas Soundtrack zu Aoi Hana ist einer der stimmigsten des Jahres, ohne die ganz großen Highlights, aber mit viel Sorgfalt und Liebe in den Zwischentönen.

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03 | (Hideki Taniuchi, Shusei Murai – Aoi Bungaku OST)

Das Aoi Bungaku-Projekt würde jedes Animationsstudio vor die größten Herausforderungen stellen. Zum Glück war es aber an Madhouse, es umzusetzen – mir fallen nur sehr wenige andere Studios ein, die in der Lage gewesen wäre, ein adäquates Maß an Kreativität und Können aufzubringen. Jeder Anime benötigt seine ganz eigene Formsprache, Gestaltung, Farbwahl, Animationstechnik, die in akribischer Arbeit vorbereitet werden müssen – Aoi Bungaku beinhaltet aber nicht nur ein Halbdutzend gänzlicher verschiedener Geschichten, obendrein sind sie auch noch Adaptionen einiger großer japanischer Literaturklassiker.

Hideko Taniuchi und Shusei Murai oblag es, jeder der Episoden musikalisch zu interpretieren und mitzugestalten. Und das haben sie großartig gemacht. Es sind nicht viele Stücke, und sie kommen oft nur einmal zum Einsatz, eben da jede einzelne Adaption ganz anders klingen muss. Aber diese Stücke sind sorgsam ausgesucht und punktgenau komponiert; No Longer Human durchzieht eine stetige, leise Vorahnung, die in einem herzzerreißenden Streicherstück kulminiert, In The Woods Beneath The Cherry Blossoms In Full Bloom kokettiert mit der Varieté-Musik, Kokoro gewinnt den Pop für sich. Das alles klingt so unfassbar gut und souverän und ergänzt eine jede Geschichte und ihre individuelle Interpretation, die Madhouse bei der Umsetzung leisten musste, so perfekt, dass ich derzeit auf kein anderes Album gespannter bin denn auf dieses. Großartig gemacht, wirklich.

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02 | Kassin+2 & Shinichiro Watanabe – Michiko to Hatchin OST1 + OST2

Shinichiro Watanabes track record ist ebenso kurz wie eindrucksvoll: Macross Frontier, Cowboy Bebop, Samurai Champloo sind seine drei einzigen großen Regiewerke. Und der mittlere Titel ist nicht weniger als einer der besten Anime aller Zeiten, für den er sich zusammen mit der Drehbuchautorin Keiko Nobumoto verantwortlich zeichnet. Alas, es sollte nicht sein. Nach Samurai Champloo verschwand er von der Bildfläche, tauchte nur hin und wieder auf, inszenierte die beiden brillanten Animatrix-Kurzfilme Detective Story und Kid’s Story und einen Beitrag zur Genius Party-Reihe, Baby Blue. Doch die Art des Erzählens, in der er groß war, die war kaum noch gefragt.

Dann trauten sich seine Schüler, die das Studio Manglobe begründeten, einige Jahre nach Samurai Champloo doch wieder an einen originellen, kreativen, gewagten Stoff – Michiko to Hatchin. Und Watanabe trat wieder an, nicht etwa als Regisseur, sondern als Musikproduzent, und heuerte die brasilianische Kombo Kassin+2 an, mit der er einen wilden Parforceritt durch die lateinamerikanische Musiktradition und -szene wagte.

Klassischer Bossa nova und Samba, wüste Rocksongs, Dub-Orgien, Buena Vista Social Club, guitarra portuguesa, Mariachi, portugiesischer Fado, Tango, Latin Jazz, Tropicalismo, Bolero, Salsa, Reggaeton. Deckel drauf, Kassin+2 drüber, und raus kommt ein buntes Potpourri, ein wildes Sammelsurium an Stimmungen und Eindrücken – so bunt und wild, wie die Geschichte und das Leben Lateinamerikas in bester literarischer Verfremdung sind. Ein wirklich fantastischer Soundtrack, der dem nicht minder fantastischen Anime erst sein Leben einhaucht. Hat Watanabe großartig gemacht – aber einen Anime dürfte er meinetwillen auch wieder mal drehen…

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01 | Ken Muramatsu – Umi Monogatari OST

Nun klingt es vielleicht so, als ob ich mich in der Musik gut auskenne. Das tue ich nicht. Wenn ich jetzt also behaupte, dass Muramatsu Ken ein fantastischer Pianist ist, dann steht das auf tönernen Füßen. Und trotzdem: Ken Muramatsu ist ein fantastischer Pianist, und ein begnadeter Soundtrack-Komponist obendrein. Dabei ist sein Œuvre in Sachen Anime nur allzu überschaubar. Gerade mal auf drei Soundtracks hat er es bislang gebracht, doch schon 2008 legte er mit dem Score zu Kure-nai einen der besten des Jahres vor.

Seinem Stil bleibt er auch beim Soundtrack zu Umi Monogatari treu. Muramatsu ist Pianist, dementsprechend pianolastig fällt auch dieses Album aus. Und sein Pianospiel ist nun mal wunderschön; variantenreich und fantasievoll rückt er es immer wieder in ein anderes Licht. Jouki Hikari zeigt sich getrieben und rastlos, Choro Kaze Renshuu Kyoku mengt dem noch einen Anteil Gravitas bei, Maigo no Kokoro tastet in der Finsternis umher – Taisetsu na Omoi dagegen gefällt sich in seinem sonnigen Optimismus, und Itsumo no Minamikaze begrüßt den neuen Morgen. Und das alles mit einer beeindruckenden Souveränität und Sicherheit gespielt.

Seinen Kompositionen stellt allerdings auch immer mal wieder Streicher oder eine Jazzbesetzung zur Seite, oder greift stattdessen ganz zur shamisen, seinem zweiten Lieblingsinstrument, oder anderen klassischen japanischen Instrumenten. Das verwurzelt ihn nicht nur wieder in der Geschichte, es zeigt auch, dass er seinen Piano-Sound gekonnt auskleiden kann, wenn er etwa wie in Kagayaku Egao entspannt vor sich hinjazzt. Die Spielfreude, die Souveränität, der Einfallsreichtum, das alles macht Muramatsus Album in meinen Ohren zum primus inter pares der diesjährigen Anime-Soundtracks.

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6 Kommentare leave one →
  1. 2009-12-26 12:11

    Hm, dieser Screenshot von Natsume Yuujinchou sieht mir ganz schön ghibli-haft aus. Was hat es mit der Serie denn auf sich? Ich hab nur gelesen, dass der Manga 2008 zum besten Manga des Jahres gewählt wurde.

  2. escapistolero permalink*
    2009-12-26 12:38

    Natsume Yuujinchou ist eine recht ungewöhnliche Serie. Man kann sie in der Hinsicht vielleicht ein wenig mit Ghibli vergleichen, aber auch nur bedingt.

    Der Anime ist stark episodisch und erzählt in der Regel die Geschichte eines yôkai, dem Natsume begegnet und helfen will, auch auf eigene Gefahr. Oft sind das sehr melancholische Geschichten, es geht um Verlust und Abschied, was zusammen mit der harmonischen Grundstimmung in einem bittersüßen Gefühl beim Anschauen resultiert.

    Ist ein wirklich feiner Anime, hat mir im letzten wie in diesem Jahr viel Freude gemacht. Allerdings ist er doch auch wieder eine reguläre TV-Produktion, da funktionieren Ghibli-Produktionen schon etwas anders. Gemein haben sie vielleicht die Aussagen und einige Inhalte, aber Natsume Yuujinchou ist für’s Fernsehen geschrieben und hat auch schon mal konventionellere Plot-Versatzstückchen und Narrativen. Kann mir aber trotzdem vorstellen, dass der Anime dir gefallen könnte.

  3. 2009-12-29 21:16

    Danke, das klingt interessant, nur der episodenhafte Charakter schreckt mich etwas ab. Bei Filmen liebe ich es, wenn sie aus vage miteinander verwobenen Episoden zusammengebastelt sind (ich sag nur Short Cuts!), aber bei den paar Serien die ich bisher gesehen habe war ich immer dann richtig begeistert, wenn es eine durchgehende, mitreißende Story gab, in die man richtig unwiderstehlich reingesogen wurde. Das scheint bei Natsume eher nicht so der Fall zu sein, ne?

  4. escapistolero permalink*
    2009-12-30 23:29

    Jo, genau richtig erkannt. Hat ja beides sein Für und Wieder, durchgehende Storylines ebenso wie losere Erzählepisoden, die halt Schlaglichter werfen. Zu Natsume passt zwoteres ganz gut, aber letztlich ist das auch eine Geschmacksfrage.

    Bin auch ein großer Fan herrlich verschachtelter Stories. Die Altman-Filme gefielen mir allerdings nie so sonderlich; wobei ich sicher zu jung war, als ich Nashville und Short Cuts gesehen habe, um die auch wirklich zu verstehen. Toll wird’s besonders dann, wenn die Subplots nicht nur parallel laufen, sondern zeitlich verschränkt werden. Genial konstruiert ist und bleibt da z.B. Memento, einer meiner Lieblingsfilme. Bin richtig froh, dass Nolan diesen Stil in The Prestige fortgeführt hat, und es sieht so aus, als ob er in Inception nochmal die Latte höher legen wird. Yay.

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  1. Retrospektive 2009: Die Anime, #25 – #20 « escapistolero
  2. Retrospektive 2009: Die Anime, #05 – #01 « escapistolero

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