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Retrospektive 2009: Die Anime, #25 – #21

2009-12-31

Nicht, dass es nicht noch mehr Kategorien gäbe neben der Musik, den OPs und EDs (und nicht, dass die mehr Sinn ergäben). Aber bevor ich mir selber zu viel vorwegnehme, liste ich zunächst die Anime auf, die aus dem ein oder anderen Grund im Jahr 2009 bemerkenswert waren. Das macht die Liste entsprechend lange, und tatsächlich liegen diesmal zwischen den weiter hinten und ganz vorne platzierten Anime Welten. Nur, ausschließlich fantastische Shows gibt es nun mal nicht, und auch die Hinterbänkler haben irgendwo ihre Daseinsberechtigung.

Es folgen also die Plätze 25 bis 21. Keep in mind: ich habe erstens furchtbar viel verpasst, und zweitens wie jeder auch nur einen reichlich subjektiven Geschmack. Die Kriterien und Maßstäbe, die ich anlege, müssen nicht die aller anderen sein. Können sie auch gar nicht, und sollen sie erst recht nicht. Letztlich ist das meine Liste, und ich erhebe ganz sicher weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf eine irgendwie geartete Korrektheit. Keine Panik also, ist ja nur Anime.

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25 | Nyan Koi! AIC, 12 Eps, Q4

Am Anfang war die positive Überraschung. Nyan Koi sah nach einem der üblichen Harem-Anime aus, entpuppte sich in den ersten Episoden aber als angenehm überdrehter Spaß, der das Com in RomCom groß schrieb. Immerhin steckten hinter der Adaption Leute, die schon bei Hayate no Gotoku einen prima Job abgeliefert hatten, und auch das Studio hatte mit Seto no Hanayome bewiesen, amüsante manisch-irrsinnige Komödien produzieren zu können.

Doch die anfänglich hohe Schlagzahl, die dem Zuschauer alle naslang bizarre Einfälle um die Ohren haute und auf einen Spaß ähnlichen Kalibers hoffen ließ, verflachte mit zunehmender Dauer und zunehmender Zahl der Mädchen, die sich in Junpeis Harem reihten. Aus einer witzigen Show mit romantischem Anstrich wurde doch noch ein Fanservice-geladener Harem-Anime mit mehr bis weniger abgedrehtem Anstrich, der zudem gegen Ende immer fahriger und ausgefranster wurde.

Daran ist wohl in erster Linie die maue Manga-Vorlage Schuld, denn dass die Macher des Anime mehr können, das hatten sie schon hinlänglich bewiesen. Einen dezent chaotischen Impetus bewahrten sie sich denn auch, was mir den Anime zusammen mit seinem durchgängig hübschen Design sicherlich noch anschaubar machte. Trotzdem schade, ich hätte aus Nyan Koi gerne mehr mitgenommen als ein paar Lacher.

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24 | Phantom ~Requiem for the Phantom~ Bee Train, 26 Eps, Q2/Q3

Zumindest weiß man bei Kôichi Mashimo, was man bekommt. Man kann das mögen oder auch nicht, aber es hat schon was für sich. Phantom tritt den Beweis an, dass Mashimo zweifellos sein ganz eigenes Handwerk beherrscht – der Anime ist eine gekonnt durchstilisierte, unterhaltsame Mörderballade mit vielen Schauwerten. Doch er schießt sich mit vermeidbaren konzeptionellen Fehlern selber ins Knie.

Die Welt, in der Phantom spielt, ist visuell wirklich schick aufbereitet und hätte prima den Schauplatz abgeben können für ein gutes Gangsterdrama. Und grundsätzlich hätte der Plot das auch durchaus hergegeben. Mashimo aber verwässert seine Geschichte mit zu viel dick aufgetragenem Pathos, zumal die Waffen seiner Wahl sich als stumpf erweisen. Das intrigante Dickicht des Überbaus von Inferno ist nicht bedrohlich, der als graue Eminenz positionierte Scythe Master eher nölig-nervig, und den an sich nachvollziehbaren Beweggründe der Charaktere wird der Nachdruck beraubt. Unterm Strich bleibt ein Anime, der zwar unterhalten kann, aber eben weder fesseln noch bewegen.

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23 | Chrome Shelled Regios Zexcs, 24 Eps, Q1/Q2

Anders als Phantom und Nyan Koi, die aus dem ein oder anderen Grund in meinen Augen ein Stück weit scheiterten, ist Chrome Shelled Regios ein Anime, der sich bei mir aus dem ein oder anderen Grund aus der völligen Beliebigkeit nach oben kämpfen konnte. Ich mag’s, wenn mir ein eigentlich mittelmäßiger Anime Respekt abringen kann, was ich auch gerne honoriere.

Nun ist Chrome Shelled Regios ein Anime wie so viele, die sich eher wahllos aus Versatzstücken von Steampunk, Cyberpunk, Science Fiction und Fantasy zusammensetzen. CSR baut daraus eine nicht sehr glaubwürdige Welt, in der gigantische, mobile Biosphären – Regios – Städte und ihre Versorgungssysteme beherbergen und sie vor der giftigen Außenwelt bewahren. Jede Regios hat darüber hinaus Kampfkünstler mit psychisch verstärkten Kräften, die sie vor Monster und im Konkurrenzkampf mit den anderen Städten um kostbare Ressourcen beschützen sollen.

Das klingt nicht nur holzschnittartig und krude, das ist es auch. Bisweilen zeigt sich der Anime leicht ironisch, aber überwiegend verfolgt er seine wild zusammengeschnitte mit großem Ernst. Das macht ihn für mich aber auch reizvoll, denn er pfeffert einem mit erstaunlicher Frechheit und Nonchalance eine Abstrusität nach der anderen vor den Latz und verlangt, dass man sie halt hinnimmt. Chrome Shelled Regios ist ein heillos überbautes Patchwork-Gebilde und nimmt keine Rücksicht auf logische Handlungsbögen oder plausible Erklärungen; genau dafür könnte man den Anime auch vollkommen zurecht mies finden, ich aber habe mich gerade deswegen ziemlich amüsiert. Ich wusste nie, wo der Anime jetzt hin will, worum es eigentlich geht, aber der Weg wohinauchimmer war dafür umso unterhaltsamer.

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22 | RideBack Madhouse, 12 Eps, Q1

Es hat schon seine Gründe, dass Madhouse als eines der fähigsten Animationsstudios Japans gilt. Ganz gleich ob Fernseh- oder Kinoproduktionen: Madhouse-Anime haben oft genug das Glück, über großartige production values zu verfügen. Das garantiert zwar nicht, dass dann auch der Anime an sich gut ist, aber die halbe Miete ist das schon mal. RideBack etwa sieht recht gut aus, und das heißt dementsprechend auch schon was. Über den Einsatz der CG kann man geteilter Meinung sein, mir machte sie in diesem Fall aber nichts aus.

Etwas kritischer wird es, wenn man sich die Geschichte anschaut. Da haben wir eine sehr propere Sci-Fi-Story aus der nahen Zukunft, die einige gar nicht mal so unspannende ethische und politische Probleme anreißt. In der Welt von RideBack genießt eine paramilitärische politische Organisation schier uneingeschränkte Macht, weil sie sich neben demokratisch gewählten Institutionen installieren kann. Sie ist keinem Rechenschaft schuldig, doch natürlich sind damit nicht alle einverstanden. Die junge Rin Ogata gerät durch ihr Talent, RideBacks zu reiten, neuartige motorisierte Kampffahrzeuge, unversehens in die Widerstandsbewegung.

RideBack spielt unter durchaus spannenden Bedingungen, denn mächtige militärisch-industrielle Komplexe sind alles andere als Zukunftsmusik. Leider bleibt der Anime ziemlich im Ungefähren, weil er in erster Linie die Geschichte der Hauptfigur erzählen will. Das bietet zwar eine gewagt-interessante Verknüpfung von Balletttanz und RideBacks, reduziert die Komplexität des Ganzen aber auch auf die doch etwas holzschnittartige Geschichte Rins. Die Metapher reicht einfach nicht weit genug. Deswegen bleibt RideBack zwar ein gutaussehender kurzer Anime mit einigen interessanten Verweisen (und einem fürchterlichen OP…), mehr aber leider nicht.

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21 | K-ON! Kyoto Animation, 13 Eps, Q2

K-ON! sollte schon immer Frequenzbringer sein. Ein Anime, der Buzz generiert, Fanart, Einschaltquoten und natürlich Verkaufszahlen. Daran gibt’s nichts zu rütteln. Wenn man das alles erreichen will, dann muss man den Finger an den Puls der Zeit legen und in den Markt horchen – und der Markt will eines: moé. Deswegen war K-ON! auch moé bis zu Anschlag, mit durchschlagendem Erfolg übrigens, aber eben nur fast bis zum bitteren Ende.

An sich ist das nicht meine Art von Anime. Wegen KyoAni habe ich dem Ganzen doch noch eine Chance gegeben, und wegen KyoAni blieb ich auch hängen. Die Story des Anime ist so banal, wie die Adaption eines 4koma nun mal nur sein kann. Die Kreativen bei KyoAni waren damit unterfordert, das sah man in jeder Folge. Trotzdem haben sie ihre Arbeit natürlich so gut wie möglich abliefern wollen, und deswegen konnte ich auch mit K-ON! etwas Spaß haben.

In der Animationsabteilung etwa haben sie ganze Arbeit geleistet und sich für einen sehr flüssigen Stil entschieden, der ständig in Bewegung ist und haufenweise kleiner und kleinster Details einstreut – was richtig toll aussah. Und immer dann, wenn man über den Stoff des Manga hinausgehen konnte, konnte das Studio mit seinen Muskeln spielen. Bestes Beispiel war die dreizehnte Episode, eine Originalstory, die die Stimmung völlig auf links drehte und der Geschichte im Vergleich zum Manga eine unglaubliche Tiefe und Qualität verlieh. Schade, dass es wohl auch in der zweiten Staffeln nur bei vereinzelt gesetzten Highlights bleiben wird – aber die alleine machten K-ON! ja auch schon in der ersten genießbar.

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