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Retrospektive 2009: Die Anime, #20 – #16

2010-01-01

Ein Wort zu meinen Kriterien. Bei Anime handhabe ich es ähnlich wie bei den meisten anderen Medien, die Geschichten erzählen. Mein erster Anspruch ist ganz basal, unterhalten zu werden und am Ende nicht das Gefühl zu bekommen, dass ich meine Zeit vergeudet habe. Das ist meine Grundvoraussetzung, und wenn ein Anime das schafft, dann ist das soweit schon ganz okay.

Nun gibt es aber auch Anime, die nicht nur unterhaltsam sind, sondern auch gut gemacht. Ich bin jemand, der gut gemachte Arbeit wertschätzt. Das kann etwa ein gelungener Handlungsaufbau sein, ein spannender, frischer Stoff, eine stimmige künstlerische Gestaltung, eine interessante Charakterkonstellation. Stimmt die handwerkliche Umsetzung, dann macht mich das Ganze schon ziemlich glücklich; und annähernde Perfektion in dieser Hinsicht ringt mir sogar höchsten Respekt ab.

Wenn ein Anime dann noch darüber hinaus geht und nicht nur gut, sondern sehr gut oder hervorragend gemacht ist, dann macht das eben nicht mehr nur Spaß. Es gibt mir mehr. Wenn eine Geschichte wirklich gelingt, dann stellt sie was mit mir an. Das passiert zum Beispiel, wenn die Charaktere so gut geschrieben sind, dass ich mit ihnen leide. Oder wenn mich die Botschaft oder Aussage eines Anime, das, was hinter seiner Geschichte steckt, auf völlig neue Gedanken bringt. Oder wenn mich die Ästhetik eines Filmes berauscht. Das macht dann nicht mehr nur Spaß – auch, aber nicht mehr nur -, das gibt mir mehr.

Alle Anime können das beileibe nicht. Müssen und sollen sie aber auch gar nicht. Es ist eindeutig die Ausnahme und nicht die Regel, einen Anime – vor allem in Form von Fernsehserien – zu finden, auf den das alles in Reinform und Perfektion zutrifft. Überhaupt, will man so eine Geschichte wirklich ausschöpfen, dann braucht man Zeit und Konzentration.

Wenn ich aber gerade nach Hause komme, meinen Kram in die Ecke haue, die wieder mal angebrannte Pizza aus dem Ofen fische (verdammt) und’s mir einfach gemütlich machen will, dann ist mir ein vielleicht simpel konstruierter, dafür zugänglicher und schlicht unterhaltsamer Anime in aller Regel viel lieber. Hat eben alles seine Vorzüge, und deswegen verdienen auch Anime, die nicht allen Kriterien genügen, eine Erwähnung. Hier die Plätze 20 bis 16.

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20 | Suzumiya Haruhi-chan no Yûutsu Kyoto Animation, 25 ONA-Eps, Q1/Q2

Das hier ist meine einzige Ausnahme auf dieser Liste, in der sonst nur Fernsehserien vertreten sind. Haruhi-chan ist eine Reihe kurzer (zwei bis acht Minuten) Gag-Stories, die von KyoAni animiert und von Kadokawa, fertig englisch untertitelt, auf YouTube bereitgestellt worden sind.

Alles andere als kanonisch geht es in den Shorties zu. In Haruhi-chan konnten sich die Jungs und Mädchen von KyoAni so richtig austoben, und das taten sie auch. Wild springen die Stories von Genre zu Genre, von Zeichenstil zu Zeichenstil, und keine Wendung ist abstrus genug. Deswegen ist Haruhi-chan auch manchmal albern und verwirrend, aber meistens sind die kleinen Stories clever und gerissen und fast immer verdammt witzig. Eine feine Fingerübung KyoAnis.

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19 | Umineko no Naku Koro ni Deen, 26 Eps, Q3/Q4

Ich kenne die Visual Novels nicht, die dieser Anime adaptiert hat. Ich weiß, worum es geht, aber ich hatte bislang weder Zeit noch Gelegenheit, einen Blick auf Ryukishi07s neuestes Projekt zu werfen. Deswegen kann ich Umineko auch nicht als Adaption bewerten, sondern nur als das, was es ist. Und das ist eigentlich gar nicht mal so übel.

Deen bleibt natürlich Deen, und bisweilen sieht Umineko auch nur noch grausig aus, schlampig animiert und inkonsistent gestaltet. Aber nach so und so vielen Folgen Higurashi hatte ich mich nicht nur daran gewöhnt, irgendwann mochte ich’s sogar, weil diese B-Movie-Optik eigentlich prima zu den bizarren Stories von Ryukishi07 passt. Sicherlich habe ich bei Umineko viel an Hintergrundstory verpasst, weil ich die Vorgänge aus den VN nicht kenne. Aber das wusste ich von vornherein.

Ich habe einen zünftigen brainfuck erwartet, und einen zünftigen brainfuck bekommen. Da kann Ryukishi07 sich noch so wahllos aus der Clavicula Salomonis bedienen und rotzfrech alles immer wieder umwerfen und durcheinander schmeißen, da kann die Story auch noch so brüchig und sprunghaft sein, da kann sich eine ernst gemeinte Lächerlichkeit auf die nächste stapeln – genau dieses heillose Chaos wollte ich ja haben. Wirklich herrlich kaputter Anime.

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18 | Umi Monogatari Zexcs, 12 Eps, Q3

Eines bringt Umi Monogatari überhaupt erst auf die Liste. Die Musik von Ken Muramatsu. Ohne die Musik wäre Umi Monogatari eine übermäßig zuckrige Angelegenheit, die obendrein auf einen der ältesten erzählerischen Standards der Welt zurückgreift: Licht gegen Dunkelheit. Natürlich macht das Geschichten nicht automatisch schlechter, aus diesem Konzept ließ sich immer schon viel machen, aber es macht sie eben auch nicht automatisch besser. Dass Umi Monogatari dabei recht streng komponiert ist, spricht sogar für den Anime, aber bemerkenswert wird er erst mit der Musik.

Mit der Musik leuchtet Muramatsu nämlich auch noch alles zwischen Tag und Nacht aus. Er macht aus der Tropeninsel, auf der Umi Monogatari spielt, erst ein Idyll, und er macht auch erst das dräuende Unheil spürbar, das dieses Idyll bedroht. Muramatsu gewinnt der eigentlich sehr simplen Angelegenheit noch so einige Dimensionen ab, so dass Umi Monogatari letztlich – auch dank der wirklich gelungenen, farbenfrohen Gestaltung – doch noch ziemlich ansehlich ausfällt.

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17 | Seitokai no Ichizon Deen, 13 Eps, Q4

Deen? Harem-Anime? Popkultur-referentieller Humor? Zettai Ryouiki und Fanservice allüberall? Kann doch eigentlich nicht gehen. Dementsprechend bass erstaunt war ich, als es dann doch ging. Und wie sogar. Das Setting ließ das nicht gerade erwarten, und unvermeidliche Standards des Genre werden auch reihenweise bedient. Die vier, fünf Mädchen sind fein säuberlich entlang gängiger Fetisch-Linien angelegt, und Ken, der Protagonist, versteht sich sogar als der Hauptdarsteller eines galge. Das alles ist überwiegend kompetent umgesetzt, wenn schon nicht per se interessant, aber nichts, was Seitokai no Ichizon in irgendeiner Weise bemerkenswert gemacht hätte.

Dass ich den Anime doch so mag, das liegt an dem, was er über diese Standards hinaus leistet. Immer wieder, teils sogar halbe Episoden lang, wechselt er den Tonfall und driftet ins Ernstere, Dramatischere ab. Ganz subtil und teils fast schon elegant macht er das, und verleiht der Story damit überhaupt erst einen Wert. Bei aller technischen Unterdurchschnittlichkeit, bei Deen arbeiten wohl auch einige sehr routinierte und talentierte Erzähler. Es gehört schon was dazu, einem Anime wie diesem genuine Tiefe zu geben und die Charaktere, mit denen die Story steht und fällt, sympathisch zu machen. Ein Anime, bei dem ich gerne einknicke.

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16 | Taishou Yakyuu Musume J.C. Staff, 12 Eps, Q3

An sich ist meinem Review nichts mehr hinzuzufügen. Taishou Yakyuu Musume ist nun mal eine hübsch altmodisch aufgezogene Komödie, die sich damit dem ungewöhnlichen Setting der 1920er Jahre anpasst, aber auch ein schöner Verschnaufer im üblichen Programm ist. Denn der Tempowechsel tut dem Anime gut.

Es ist ganz angenehm, mal einen Anime zu sehen, der auf vieles verzichtet, was an sich als gängig oder sogar unvermeidlich gilt – keine panchira etwa weit und breit. Und allen Anscheins geht’s ja auch ganz gut ohne, ziemlich gut sogar. Manchen wird das vielleicht etwas zu betulich sein, und sehr weit entfernt sich der Anime trotz seiner durchdachten historisch-feministischen Folie von den Regeln des Sport-Anime auch nicht, aber gelungen ist Taishou Yakyuu Musume allemal. Manchmal kann ein Schritt zurück eben auch einer nach vorne sein.

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