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Review: Darker than Black – Ryuusei no Gemini

2010-01-15

Darker than Black war sicherlich keine Offenbarung. Mir als notorischen Zufriedengeber machte das aber nichts aus, zur Nörgelei war aber auch gar kein Anlass. Der Anime, der Mitte 2007 lief, bot einiges, das für dicke Häkchen in meinem Büchlein sorgte. Da waren zum Beispiel die absolut solide, stellenweise sogar klasse ausgefallene Animationsqualität und das ansprechende Design, wie zu erwarten von einer Bones-Produktion; das Team um Tensai Okamura musste dabei keine Adaption leisten, sondern durfte eine originale, eigene Geschichte erzählen.

Angenehm war auch die etwas reifere und ernstere Anlage der Story; Darker than Black war aber trotz seines Namens keine anspruchsvolle Noir-Kiste, auf die ich mir in einem gewissen Alter einen runtergehobelt hätte (so erwachsen!). Comic relief etwa, ironisch bis klamaukig, war in Fülle vorhanden. Aber der Anime verzichtete auf einigen Ballast und blieb stets glaubhaft und stimmig. So entschlackt war Darker than Black ein wirklich gelungener Titel, der viel Coolness verströmte und seinen zugegeben verschwurbelten Plot in Doppelepisoden interessant aufbereiten konnte. Kein Meisterwerk also, keine Offenbarung, aber ein richtig guter Anime.

Ein Sequel stand nicht unbedingt im Raum. Zwar gab es Lücken, Vor- und Nebengeschichten, die nur angerissen wurden, aber im Grunde genommen war Darker than Black auserzählt (auch wenn der ein oder andere die für Bones typische mehrdeutige, offene Auflösung nicht raffen konnte). Trotzdem war ich nicht überrascht, als schon Mitte 2008 in einem geleakten Dokument von einer Fortsetzung die Rede war. Darker than Black war keine sehr streng logische Sci-Fi-Sache, und das kommt Okamura sehr zupass, ist die Story damit doch auch beliebig erweiterbar.

Ryuusei no Gemini heißt denn die zweite Staffel, „Zwillinge des fallenden Sternes“, und Okamura macht mit ihr einiges anders. Hei, der ambivalente Protagonist der ersten Serie, tritt erst am Ende der ersten Folge in Erscheinung. Die Bühne bereitet hingegen Suou, die junge Tochter eines russischen Forschers und einer japanischen Contractor, die ein doch recht beschauliches Leben im hintersten Eckchen Russlands verbringt; Wladiwostok, der Stadt am Japanischen Meer, hart an der Grenze zu China und Nordkorea.

Ihr Leben ändert sich schlagartig, als russische, japanische, amerikanische und britische Geheimdienste ihren – spurlos verschwundenen – Zwillingsbruder entführen wollen, einen sehr machtvollen Contractor. Sie sieht ihren Vater sterben, ihren besten Freund von ihrer besten Freundin brutal ermordet werden. Daran zerbricht sie, wird zum Contractor. Hei nimmt sich ihrer widerwillig an, auf Befehl hin, obwohl er in eine Falle gerät und seiner Kräfte beraubt wird. Denn er hat eigene Ziele. Zusammen mit July, einem britischen Doll, und Mao machen sie sich über Hokkaido und die Tsugaru-Straße auf nach Tokio. Zum Gate.

Schon die Rahmenbedingungen, unter denen die Geschichte zu funktionieren hat, sind ganz andere. Die erste Staffel hatte 25 Episoden, die fast allesamt in Tokio spielten und in jeweils zwei Episoden Subplots behandelten, in denen Hei mehr oder weniger involviert war. Mal trugen sie zum Plot bei, mal illustrierten sie eher die Welt, in der Darker than Black spielte. Um die Hälfte kürzer ist Ryuusei no Gemini und erzählt darin eine einzige, fortlaufende Geschichte – was aber nachvollziehbar ist, weiterer Exposition bedurfte das Setting nun wirklich nicht mehr. Trotzdem ändert so etwas von Grund auf den Charakter einer Narrative.

Der Schritt raus aus Tokio bedeutet gleichzeitig, dass Hei die Hauptrolle abgibt. Sein Charakter erscheint nach einigen  noch ungeklärten Vorfällen vielschichtiger, doch der Fokus liegt nun auf der anfangs unbedarften Suou, die plötzlich in die brutalen Machenschaften der Mächte, die das Gate umkämpfen, gerät und unter diesen harschen Bedingungen zu früh erwachsen werden muss. Diese neue Konstellation treibt Ryuusei no Gemini an, und sie treibt den Anime gnadenlos fatalistisch seinem erneut ebenso übersinnlich verklausulierten wie offenen Ende entgegen.

Generell ist auch Ryuusei no Gemini wieder ein Anime, den ich bedenkenlos gut nennen kann. Bones legt noch ein Schippe auf und liefert einige verdammt gut inszenierte und animierte Kampfsequenzen ab, unter denen vor allem die Clashes von Hei und Hazuki, der japanischen Agentin, herausragen. Durch die zweite Staffel gewinnt die gesamte Welt, in der der Darker than Black stattfindet, noch einmal deutlich an Tiefe. Und auch die Story, wenngleich stellenweise ein wenig vorhersehbar, hat bis auf einige unnötige Schlenker genügend Zug und Schwung, um bis zum Ende spannend zu sein.

Man merkt aber: vollends glücklich bin auch nicht. Ärgerlich ist zum Beispiel, dass es die zweite Staffel trotz ihrer linearen Erzählweise tatsächlich schafft, nicht stringenter als die erste zu sein. Und gerade die Stellen, an denen sie sich etwas verläuft, wie der in die Länge gezogene Subplot in Hokkaido mit dem transvestitischen Barista und seinem Sohn,  sind obendrein nicht einmal sehr interessant. Einige weitere Szenen reizen zudem das, was man gewillt ist zu glauben, arg aus. Natürlich war auch die erste Staffel reich an abstrusem technobabble und abwegigem Kram, den man aber durchaus noch schlucken konnte. Auf geringerem Raum, in höherer Konzentration, wie eben in Ryuusei no Gemini, wird’s bisweilen etwas zu viel.

Das Ganze ist aber, wie gesagt, eher ärgerlich als wirklich schlimm. Manche würden vielleicht noch die zerschossene Story kritisieren, und das wäre sicher auch legitim. Okamura erzählt recht eigentümlich, überspringt viel und lässt im Dunkeln. Ich selber mag das aber. Ich muss keine Erklärung für alles geliefert bekommen, denn schon die erste Staffel lebte auch von ihren zahlreichen Geheimnissen. Auch hinter Ryuusei no Gemini steckt wieder so einiges, das in Okamuras Ellipsen verschwindet oder allenfalls angedeutet, umschrieben wird oder erst noch nachgeliefert wird, wie in den bald erscheinenden OVAs.

Man sieht, ich stopfe einige Löcher sicherlich auch mit viel goodwill meinerseits aus. Ich mochte die erste Staffel, und der Sympathiebonus rettet auch die zweite über einige holprige Stellen hinweg, das gebe ich gerne zu. Aber Ryuusei no Gemini funktioniert auch für sich genommen bestens und ist vielleicht nicht die ideale, aber eine gute Fortsetzung von Darker than Black. Und steht im Vergleich zu vielen anderen Anime mit seinem faszinierenden Alternativweltsetting, kalt und düster, und den nach wie vor richtigen Dosen an Anspruch, Realismus und erzählerischem Mut (wo sonst sterben tragende Charaktere fast schon episodenweise, ohne dass es zum Gimmick verkommt?) ehwieso richtig gut da. 7/10

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