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Mangarama: Motoi Yoshida – Natsu no Zenjitsu

2010-03-04

Nachdem ich festgestellt habe, dass meine Previews zu Naoki Urasawas Billy Bat und Kaoru Moris Otoyomegatari eigentlich schon die Länge eines properen Reviews hatten und ich im Falle eines Falles gar nichts Großartiges mehr ergänzen könnte, stelle ich mein Format um. Ab sofort kommen Manga, die laufend veröffentlicht werden oder am Anfang ihrer Veröffentlichung stehen, ins Mangarama. Previews wie bei Anime machen ehwieso keinen Sinn. Außerdem will ich unbedingt ein kürzeres Format einführen, weil mir die langen Texte die Nachmittage wegfressen.

Den Auftakt gibt Motoi Yoshidas Natsu no Zenjitsu.

Originell ist Natsu no Zenjitsu sicher nicht. Tetsuo Aoki ist ein verlotterter Kunststudent, vertieft in seine Studien, muss sich aber mit den Nichtigkeiten des Lebens herumschlagen und mit zahlreichen Nebenjobs über Wasser halten. Mit seinen Freunden schrammelt er in einer Band herum, mit seiner eigenen Arbeit ist er unzufrieden, mit den Aussichten aufs Leben sowieso. Er empfindet tiefe Reue seinen Eltern gegenüber, die sich so um ihn sorgen, ohne dass er ihnen etwas zurückgeben könnte. Akira Aizawa ist Kunsthändlerin, eine erfahrene und selbstbewusste Frau, der Aoki irgendwann begegnet. Sie bleibt in seinen Gedanken hängen, sie treffen sich wieder, es folgt eine stürmische Affäre, in der Aoki seine Jungfräulichkeit verliert und eine Beziehung mit Aizawa eingeht, von der niemand so recht weiß, was sie wem wie sehr bedeutet.

Ich habe keinen Beleg dafür, aber ich wage zu behaupten, dass auch Motoi Yoshida diesem Künstlermilieu entstammt, in dem so viele Autorenfilmer und Schriftsteller ihre Geschichten ansiedeln – aus eigenen Erfahrungen heraus, aber auch aus der Weltenschwere, die sie aus der Kunst zu schöpfen glauben. Was leider ab und an arg l’art pour l’art wird, sich selbst zelebriert und sich dadurch seiner eigenen Wirkkraft beraubt. Und eintönig wird es auf die Dauer auch, wenn wieder einmal ein Wiedergänger des jeweiligen Autoren dessen immer gleiche Biografie nachleben muss. Aoki ist ein ganz klassischer Protagonist solcher Geschichten, mit seiner Verlorenheit und Alltagsdepression. Auch das Element der älteren Frau, zugleich als Liebhaberin wie auch in einer Art Mutterrolle, was zu entsprechenden emotionalen Komplikationen führt, ist in diesem Kontext nicht neu.

In der Beziehung ist Yoshidas Manga relativ vorhersehbar. Allerdings macht er seine Sache dennoch gut. Sein Zeichenstil ist interessant, er schraffiert Flächen etwa nur aus, was dem ganzen Bild eine unstete, unruhige Linie verleiht, die mit Aokis Gefühlsleben korrespondiert – aber auch größtenteils für sich angenehm anzuschauen ist. Auch die überraschend präsenten Sexszenen sind geschmackvoll und realistisch, ohne – was bei Manga verdammt nahe liegt – ins Pervertierte abzudriften.

Yoshida vergisst dabei nie, dass Natsu no Zenjitsu ein Manga ist, was man vor allem im lockeren Umgang mit mal mehr, mal weniger realistischen Gesichtszügen sieht. Die aber auch genutzt werden; auf einer Seite lässt er Aizawa etwa von einer typisch mangahaften, spielerisch gezogenen Schnute in eine ausdrucksvolle, detaillierte Mimik graduell übergehen – ein wirklich gelungenes Mittel des Stimmungswechsels, durch das zudem Aizawas Erfahrenheit erfahrbar wird. Ihr gegenüber trägt Aoki, bei aller Vorhersehbarkeit, auch die Grundmuster eines typisch alltäglichen Mangahelden in sich, verarbeitet Schuldkomplexe, Aussichtslosigkeit auf die Zukunft, Erfahrungsmangel im Sexuellen wie Zwischenmenschlichen… eine Projektionsfläche und Identifikationsfigur für den geneigten Leser, der mit ihm in all der Verlorenheit plötzlich einen sicheren Hafen findet.

Insgesamt ist Natsu no Zenjitsu trotz seines wenig originellen, aber umso gefühlvoller und glaubwürdiger umgesetzten Settings ein richtig gelungener Manga. Kann man schon nach fünf Kapiteln sagen. Besonders die Charakterisierung der beiden Hauptfiguren und die vage, in der Schwebe begriffene Beziehung zwischen ihnen, die ja im Kern des Manga steht, hat Yoshida richtig gut hinbekommen, und ich bin gespannt, wie die bald eintretende tiefe Krisis (in Form der hübschen Hanami) die Beziehung zwischen Aizawa und Aoki verändern wird. Erfreulicherweise tut sich bei den Veröffentlichungen wieder etwas – nach bald einem Jahr haben Vagrant Scans und AnimeSigma sich wieder der Geschichte angenommen; Kapitel sechs ist derzeit in Arbeit und dürfte bald über die üblichen Quellen beziehbar sein.

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