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Spring Season 2010: Die Haken dahinter und Striche durch

2010-04-24

Fünf Haken. Bei den Abbrüchen: zwei an der Zahl. Während der eine Titel eigentlich gar nicht auf meinem Zettel stand, sich aber nicht als die ganz, ganz kurz erhoffte Überraschung herausstellen konnte, musste ich beim anderen eine mittelschwere Enttäuschung wegstecken. Mit der hätte ich mit weniger Optimismus mehr Realismus rechnen können müssen, doch ich nehme nun mal leider ebenso gerne wie notorisch nur das Bestmögliche an.

Die ersten drei Episoden sind in der Regel mein Gradmaß für neue Anime. Die erste Episode führt gerne mal in die Irre, sowohl, was die technische wie narrative Qualität angeht, als auch die Geschichte selber; man denke nur an Ga-Rei Zero. Nach den ersten zwei völlig konfusen Folgen von Baccano! war ich wenig angetan, nach der dritten aber bekam ich ein Gefühl für Kontext und Rhythmus und war am Ende nahezu restlos begeistert. Drei Folgen sind meine Regel, und drei Folgen der meisten laufenden Anime habe ich absolviert.

Es sind viele Titel übrig geblieben, wie in der rechten Spalte zu sichten ist. Viel zu viele. Fade ist es, sich über zu wenig Zeit zu beschweren; aber wenn ich so meinen Terminplaner für die nächsten drei Monate durchgehe, die in der vergangenen Woche schon ordentlich zugekritzelt worden sind (mit Ausrufezeichen und Doppelausrufezeichen und Textmarkerausrufezeichen und ausklappbaren Post-Its mit Erläuterungen), würde ich gerne die Augen zumachen und erst zu den übernächsten drei Monaten wieder aufmachen. Und an die zusätzlichen Posten und Sonderaufträge gar nicht erst denken. Brr. Wieso dann Angel Beats!, K-ON!!, Arakawa Under The Bridge, Working!! und Hakuouki immer noch auf meiner Liste stehen? Gute Frage eigentlich.

Angel Beats! ist eine durch und durch konstruierte Angelegenheit – die Abgefahrenheit und Verspultheit, die Charaktere, die Handlung, das alles folgt einer Logik, die leider nur allzu sichtbar und unelegant ist. Ab und an ist es sogar peinlich – immer dann etwa, wenn es um die Waffen und Kampftaktiken geht, Kinderspiele mit echten Waffen gespielt werden. Ziemlich billig. Trotzdem bleibe ich dabei. Am ehesten aus einer milden Neugier heraus; Angel Beats! ist relativ schwer einzuschätzen, was die Sache spannend macht und hält.

K-ON!! ist stellenweise sehr, sehr schwer zu ertragen. Ich will mich nicht wiederholen, das mache ich spätestens in der Rezension, aber K-ON!! krankt wie schon die erste Staffel daran, eigentlich nur beleidigend banalen, überzuckerten Kram liefern zu können. Allerdings eben in einer richtig hübschen Verpackung. Die zweite Staffel hat noch eine Spur feinere Animationen, was den Anime – zumindest technisch gesehen – doch massiv aufwertet. Da das bei mir auch zählt, wird auch die zweite Staffel weiter verfolgt. Hätte es aber gerne, wenn KyoAni mal wieder eine eigene Geschichte erzählen würde…

An Arakawa Under The Bridge gibt es so viel, das ich eigentlich satt habe. Shinbo zum Beispiel. In Bakemonogatari mag sein Stil wie Arsch auf Eimer gepasst haben, aber davor und danach – und da schließe ich auch Zetsubou-sensei mit ein – erschöpfte sich sein Tun eigentlich nur in reichlichen Selbstzitaten, mit wechselndem Erfolg. Hiroshi Kamiya habe ich leider auch schon ein wenig satt – aktuell verfolge ich vier Serien, in denen er eine Rolle spricht. Overkill much? Noch satter habe ich den Ansatz, einfach mal haufenweise Freaks in einen Topf zu schmeißen und kräftig durchzurühren. Arakawa mag da immerhin noch eine übergreifende Allegorie haben, unvermeidlich auf die japanische Gesellschaft und ihren Druck, aber eigentlich ist das nur langweilig. Im Einzelnen kann Arakawa aber immer wieder überzeugen, zum Beispiel mit der Hauptfigur Nino, so dass unter dem Strich ein kleines Bilanzplus bleibt.

Working!! hat sich dankenswerterweise tatsächlich als eine sachte positive Überraschung herausgestellt, und die Rolle, die ich der Show designiert habe, bislang gut ausgefüllt: als unanstrengende, unterhaltsame Komödie. Der Anime ist sicherlich limitiert und wird im Leben nicht mehr Bäume ausreißen. Aber ich mag die Reminiszenzen an Azumanga Daioh, die er in mir weckt, und mir gefällt der Adaptionsansatz; K-ON!! etwa gelingt es spürbar schlechter, einen yonkoma auf den Bildschirm zu bringen. Working!! hingegen sieht zwar ebenfalls überraschend gut, wenngleich deutlich flacher und schmuckloser aus, ist aber in all seiner Harmlosigkeit und Berechenbarkeit auch ziemlich sympathisch. Passt.

Schließlich füllt auch noch Hakuouki gewissermaßen eher eine Rolle, als dass der Anime aus sich selbst heraus  überzeugt. Kein Anime auf meiner Liste ist konventioneller, selbst wenn der vorliegende Titel auf einem otome-Spiel basiert. Hakuouki hat null Ausreißer, weder nach oben noch nach unten, und unterlässt auch eigentlich erwartbare Ausflüge in homoerotische Gefilde. Stattdessen wird solide Hausmannskost serviert, was völlig okay ist und eine Grundzutat in meinem Animekonsum, um meinen Geschmackssinn auszutarieren. Tut gut, auch mal einen Anime in Programm zu haben, über den man sich keine großen Gedanken machen muss.

***

Überraschenderweise muss sich auch Heroman das Etikett „konventionell“ ans Rever haften lassen. Was ja noch, siehe oben, kein Ausschlussgrund bei mir gewesen wäre. Bei Heroman hat das aber einen sehr unappetitlichen Beigeschmack, weil die Fallhöhe so groß war und dem Anime – das kann man jetzt schon sagen – auch das Genick gebrochen hat. Bones kann verdammt viel, aber auch nur, wenn die Vorlage stimmt – und die Geschichte aus der Feder von Stan Lee ist so unfassbar schnöde und inspirationslos, dass es weh tut. Null, aber auch null Wertigkeit. Kram wie diesen habe ich mir schon als Kind samstagmorgens nicht geben wollen, da fange ich heute sicher nicht damit an.

Allein von der Prämisse her war Kaichou wa Maid-sama nichts, was es bei mir im Vorfeld zu einem Kandidatenplatz geschafft hätte. Weil ich die Art von Zielgruppenanime nicht mag, und nichts anderes ist eine RomCom, bei der die Hauptfigur in einem der unvermeidlichen Maid Cafes arbeitet. Aber ich kann mich auch täuschen, weswegen ich dem Anime doch mal einen Probelauf einräumte. Tatsächlich gab es auch wirklich unterhaltsame Stellen, in der Regel die, in denen die hübsche Misaki und der smarte Usui im Mittelpunkt stehen; das stets recht attraktive Design von J.C. Staff tat sein Übriges. Doof nur, dass alles drumherum – die anderen Charaktere, die Handlung, die Fetischandienung – irgendwo zwischen irrelevant und ätzend ist. Spätestens mit Folge drei, in der Misaki erst als Imouto, dann als Tokusatsu-Maid cosplayte arbeitete, war die Sache dann für mich erledigt. Ein wenig schade ist das, aber nicht arg.

***

Ach, und was die Zeit angeht: wahrscheinlich schaue ich nicht trotz, sondern wegen der wenigen Freizeit immer noch so viele Anime. Die Dosierung etwa fällt leicht, eine Folge ringt mir gerade mal 20 bis 25 Minuten ab – Zeitkonserven, die ich gut in meinen Tag pressen kann. Zwischendrin zwanzig Minuten Abwechslung zu haben ist eine gute Sache; je stressiger der Alltag ist, desto nötiger habe ich die Abwechslung. Und Spaß machen mir Anime, nebenbei, ja auch noch. Insofern werde ich immer, wenn ich dann allmählich die nächsten Tage und Wochen und Monate abarbeite, auch Zeit für die ein oder andere Folge irgendwas finden.

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