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Review: Working!!

2010-09-17

Wie immer und immer und immer wieder geschrieben: manchmal muss es auch ein Cheeseburger sein. Würde ich mich nur auf die Anime beschränken, von denen ich von vornherein wüsste, dass sie gut oder sehr gut oder herausragend sind, würde mir etwas fehlen; so eine Art Grundversorgung, das Gefühl zu wissen, wie der Hase läuft, wie die Dinge in der Branche gerade stehen, worüber gesprochen wird. Aber es ist nicht nur die schnöde Chronistenpflicht. Manchmal packt auch einfach der Hunger nach einem fetten, ungesunden, aber sattmachenden Cheeseburger.

Für solche Momente habe ich Anime wie Working!! auf der Liste. Simple Komödien, im schlimmsten Fall nichts, dessen Abbruch man bereuen würde; im besten Fall überraschend amüsante, manchmal sogar clevere Stories, die man nur ungern verpasst hätte. In allen Fällen dazwischen ein Sattmacher, zwanzig Minuten die Woche für die Zeiten, wenn man sich eh schon stundenlang Texte aus den Rippen geschnitten oder ins Hirn gepresst hat und keinen Meter weit mehr denken. An Working!! bin ich also wie üblich ohne Erwartungen rangegangen. Einzig vielleicht, dass es doch bitte eine unkomplizierte Angelegenheit werden möchte; spricht also schon mal durchaus für sich, dass ich sie bis zum Ende verfolgt habe.

Takanashi wird auf der Straße angerempelt, von einem kleinen Ding, das nach Grundschülerin aussieht, tatsächlich aber älter ist als er. Und nicht nur das, stehenden Fußes wird er von dem Ding gefragt, ob er in einem Familien-Restaurant jobben will. Und prompt sagt er zu. Schluckt man erstmal diese Kröte von selten holprig zusammenkonstruiertem Einstieg, wird man mit Takanashi in die Welt der Arubaito-Jobber eingeführt; nur, dass einem an gewöhnlichen Arbeitsplätzen wohl weniger Freaks unterkommen. (Wobei, ich hab anno dunnemals auch in Großküchen gejobbt, was da so alles…)

Eine faule und gefräßige Schichtleiterin, eine mit einem Katana bewaffnete Oberkellnerin, zwei Köche, der eine düster, der andere dubios, die zu kurz geratene und tolpatschige Poplar und die reichlich komplexbehaftete Mahiru machen am Anfang den Rest des Casts aus. Letztere, Mahiru, entpuppt sich bald als Takanashis Widerpart wider Willen. Da ihr Vater ihr als Kind eingeimpft hat, wie grauenerregend Männer sind, und zwar alle, kann sie nicht anders, als sie durch die Mangel zu nehmen. Weswegen sich Takanashi in der Folge öfter an die Wand geklatscht sieht, als ihm lieb ist.

Das klingt nicht nach viel, und das ist es auch nicht. Working!! ist eine 4koma-Adaption, dementsprechend hochfrequentig sind die (kurzen bis mittellangen) Vignetten, die die einzelnen Episoden ausmachen. Und auch die übergreifende Geschichte ist schwach ausgeprägt, in der Takanashi mit reichlich Schweiß und Blut versucht, Mahirus allzu handfeste Misandrie auszuheilen. Was reichlich schmal ist und nicht sehr gehaltvoll oder originell, aber taugt, um die Serie zusammenzuhalten und den Gags Freiraum zu schaufeln, die denn auch den größten Raum im Anime einnehmen – klassische Anime-Situationskomik in einer Arbeitsumgebung, garniert mit ein paar halbwegs schrägen Charakteren.

Der Humor bewegt sich im erwartbar-überschaubaren Rahmen für diese Art von Komödie, die sich vor allem auf ihre Charaktere und deren Schrägheiten konzentriert. Diese werden dann ausgereizt und geben eine Weile auch was her, aber irgendwann sind sie denn auch überreizt. Zumal sie so~ schräg auch gar nicht sind. Jenseits ihrer Gimmicks entwickeln sich die Charaktere nicht weiter, und so ist deren Potential und das sich daraus ergebende Reservoir an Situationskomik auch irgendwann erschöpft. Allenfalls Mahiru und Takanashi als designierte Protagonisten entwickeln sich ein bisschen, zwangsläufig, aber am Ende ist man auch nicht so viel weiter als am Anfang.

Womit die harten Fakten abgehandelt wären. Working!! ist einfach nicht sonderlich gut. Sonderlich schlecht aber auch nicht, da gibt es auch ganz andere Kaliber. Weit kommt der Anime nicht, aber das, was er macht, macht er zumindest ordentlich. Designs und Hintergründe sind nicht sonderlich spektakulär, aber durch die relativ gute Animationsqualität mit ihren nur seltenen Hängern und des öfteren durchaus beeindruckenden Ausreißern nach oben ist Working!! visuell absolut passsabel; das ganz große Budget hat die Show nicht, ihre Abkunft vom Studio A1 ist ihr aber trotzdem durchaus anzusehen.

Ebenso Verdienst des Teams bei A1 ist die saubere Inszenierung, die meisten Episoden reißen nicht nur ihr Programm runter, sondern haben öfters das ein oder andere Kabinettstückchen zu bieten. Sind zwar nicht alle Gags immer gut genug, stimmt wenigstens zumeist Tempo und Rhythmus, so dass man auch beim zwölfhundertsten Mal, wenn Mahiru Takanashi einen runterlangt, tatsächlich noch manchmal schmunzeln kann. (Nur die elend öden und viel zu langen Transvestiten pardon, Trap-Humorstrecken sind schon thematisch so lahm, dass es einen aktiv anätzt).

So oder so, es reut mich nicht, Working!! gesehen zu haben. Seinen Zweck hat es erfüllt, ganz anständig sogar, auch wenn da noch vieles  da noch einiges zu den Genregrößen fehlt. Working!! ist weder so absurd noch lebendig wie etwa Azumanga Daioh, hat nicht die anarchische Note eines Seto no Hanayome, nicht die fesselnde und motivierende Hintergrundgeschichte eines Slam Dunk! und auch nicht den subversiven Witz eines Sayonara, Zetsubou-sensei. Was aber nicht heißt, dass man sich nicht auch von einem Working!! unterhalten lassen kann, wenn der Anime eben so schön parat liegt. Gibt eine ganze Latte an Dingen, die mir besser schmecken als Cheeseburger. Oft genug hab aber trotzdem einen in der Hand. 6/10

 

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