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Anime & Anime; ein Vorgeschmack.

2010-10-26

Weil ich immer dann, wenn ich so gar keine Zeit habe, am liebsten eine längere Artikelseite aufsetzen würde: ein paar kurze Worte außerhalb meiner normalen Formate. Um daraus vielleicht ein neues Format zu entwickeln. Hmpf. (Lage der Nation kommt auch mal wieder, zwei Artikel sind angelegt und angedacht.) Also, Auftaktzeilen.

Ich mag „Anime“ als Sammelbegriff nicht. Ist zwar auf seine Weise interessant, was sich alles darunter subsumieren lässt, aber in der Anwendung nervt die Ambiguität. Erst recht, wenn sie mit Generalaussagen verbunden ist: Ich liebe Anime, weil. Ich hasse Anime, weil. In ersterem Fall ist oft genug eine Art Identifizierung damit verbunden, klassisches Fallbeispiel für die Selbstdefinition durch Medienkonsum in Unseren Modernen Zeiten. Ich Lese Russische Lyrik. Ich Schaue Französische Filme. Ich Spiele Westliche Rollenspiele. Ich Schaue Japanische Zeichentrickfilme.

Nun hat das der Anime (ab sofort wieder als Sammelbegriff, weil es anders nicht geht) nicht exklusiv, sicherlich, wie eben gezeigt. Wenn er nicht blöderweise im Schnitt so gehaltlos wäre, das Thema wäre nicht von Belang. Statistisch aber hat der durchschnittliche Anime die Tiefe einer Petrischale und unefähr auch deren Gehalt. Historisch hat er keine Wandlung zum Besseren erfahren (nicht, dass er von einem allzu hohen Sockel hätte stürzen können). Soziologisch hat er eine, sorry, abstoßende Subkultur geschaffen, um etwas weiter auszugreifen. Und inhaltlich leistete er in den seltensten Fällen einen greifbaren Beitrag zur Film- und Fernsehkultur.

Weil der Anime im Jahr 2010 auf Jahrzehnte einer sehr spezifischen Entwicklung zurückschaut, in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren stark geprägt von seinem (iilegalen) digitalen Vertrieb, hat er sich aber zu einer Sache für sich entwickelt. Ein legitimes, genuines, eigenes Phänomen mit eigenen Spielregeln. Es gibt Verhaltensregeln innerhalb der Animekonsumenten, Normen und Werte, erstaunlicherweise weltweit verbreitet und sehr vergleichbar. Man kann sich ihm von außen nähern, aber eben auch von innen. Beides zu vereinen endet in kognitiver Dissonanz. Trotzdem geht es nicht anders, zumindest bei mir; verdammte Axt mit der ständigen Differenzierung…

Amagami SS läuft über zwei Cours mit je dreizehn Episoden. Macht 26 Episoden zu je, eh, 25 Minuten. Weniger 90 Sekunden für das Opening und 90 Sekunden für das Ending bleiben noch 22 Minuten. 22 Minuten mal 26 Episoden ergibt 572 Minuten, ergibt runde neuneinhalb Stunden. Das ist exakt die Zeit, die ich bräuchte, um The Human Condition zu schauen. Oder, hey, Cowboy Bebop noch einmal zu schauen, um bei meinen Leisten zu bleiben. Nur, dass die meisten Anime sich von ihrer Wertigkeit her eher bei Amagami SS ansiedeln denn bei Cowboy Bebop. Anime ist eine sensationelle Zeitvernichtsmaschine.

Wie soll ich nun also an so etwas herangehen?

Ultrasubjektiv, reinste Befindlichkeitsreaktionen? Einige Anime, die ich hoch bewerte, lassen mich emotional eher kalt. Das ist zum Beispiel bei Serial Experiments: Lain so, hands down – den ich aber aus anderen Gründe sehr schätze, und die anzuerkennen ich erwachsen genug bin. Dann also rein analytisch? Andere Anime, die an rationalen Maßstäben gemessen mau sind, habe ich aus dem reinsten Bauchgefühl heraus in meiner Beliebtheitsskala weit oben angesiedelt. Weil ich sie mag, ganz einfach.

Absolut? Straffe Kriterien, nüchterne Analyse, exakter Wertungsmaßstab? Dann dürften die wenigsten Anime Bestand haben, noch viel weniger mein kompletter Animekonsum und meine Beschäftigung mit dem Thema. Also relativ? Schließlich ist das Medium ein eingespieltes, Erwartungshalten werden herangetragen und beantwortet, entweder enttäuscht oder erfüllt, und jeder Anime ist schließlich Reflexion – seiner Vorgänger im Geiste, seines Genres, seines Publikums, seiner Zeit, seiner Macher. Dann wären wir aber wieder in diesem relativistischen Quark angekommen, jaja passt schon, und würden in der gemütlichen Suppe unseres eigenen Konsums dämmrig vor uns hinsieden.

Es ist kompliziert. Sogar eine so simple Angelegenheit wie Anime ist kompliziert. Und macht es mir nicht einfach, darüber zu schreiben; weil jede Haltung eine andere ausschließt, ohne sie aber devalidieren zu können. Und wenn ich zwischen den Positionen laviere, habe ich am Ende ein Profil so verwaschen und brüchig wie das einer Volkspartei (Gott hab sie selig übrigens, und das sage ich als Sozialdemokrat).

Ein paar Fragen treiben mich um, ungeordnet noch. Darunter die, die ich weiter oben genannt habe. Andere betreffen meine Wertungen, meine Art zu schreiben, meine Auswahl an Anime; inkonsistent und inkonsequent, so viel kann ich schon sagen. Was ich, nicht zuletzt und ganz zufällig ist mein Name auch nicht gewählt, dem Eskapismus zuschreibe, den ich außerhalb seiner medienpädagogischen Begrifflichkeit und literarisch abwertenden Konnotationen etwas anders verstehe.

Weil ich aber nicht gerne um meinen eigenen Bauchnabel tanze, will ich versuchen, dass Phänomen ein Stück weit aufzudröseln. Etwa die Frage, wie man in Anime mit der Zeit gehen soll; auch wenn ich die apokalyptische Naherwartung andernorts nicht teile, die Anime-Branche und ihr Diskurs (der über ein paar Ecken entscheidet, welche Stoffe letztlich überhaupt auf den Bildschirm kommen) hat sich in den letzten Jahren in eine sehr bestimmte Richtung entwickelt, über die zu reden sich lohnt. Ich werde die jüngere Flut an Otaku-Meta-Anime ansprechen, die (küchen-) psychologischen Hintergründe ein paar erfolgreicherer Konzepte, die Rezeptionskultur, die Reflexionskultur; und und und.

Das zum Auftakt. Dürfte ein wenig dauern, bis ich meine Gedanken etwas geordnet habe, aber so, wie ich derzeit zu tun habe, wird das wohl früher passieren als mir lieb ist…

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5 Kommentare leave one →
  1. 2010-11-02 22:35

    Uuhhh, das klingt ja vielversprechend – fast ein bisschen mysteriös! 🙂

    Dass du dich mit dem Begriff „Anime“ schwer tust, kann ich gut nachvollziehen, weil er inzwischen mit so vielen verschiedenen Erwartungshaltungen, Stereotypen und Klischees befrachtet ist. Viele Leute hören den Begriff und haben sofort ein bestimmten Bild im Kopf, sei es positiv oder negativ geprägt. Dabei besagt der Name eigentlich nichts anderes, als dass es sich um japanische Animationsfilme handelt, also eine Aussage über die Herstellungstechnik und das Produktionsland. So kanns gehen, wenn sich ein Begriff einfach verselbständigt und noch dazu von einer Millionen-Industrie nach Kräften vermarktet und ausgeschlachtet wird…

  2. escapistolero permalink*
    2010-11-03 18:12

    Ah, nicht zu viel erwarten. Im wahrscheinlichsten Fall kommt nur eine mehr oder weniger geordnete Reihe mit vielen vielen Allgemeinplätzen raus… mein Problem ist eher, dass ich wenn, dann gerne fundiert etwas dazu machen würde. Literatur ist ja auch da, aber in der nächsten und allernächsten Zeit habe ich eine Leseprogramm, das so ziemlich einem Regalmeter entspricht.

    Der zweite Teil ist ziemlich spannend, wie irgendwo mal erwähnt – aber, vielleicht auch, weil ich noch etwas näher an dem Thema bin, auch nervig. Nicht wegen den negativen Konnotationen zu diesen perversen chinesischen Cartoons oder was das sein soll (das ist egal), sondern weil die Fankultur (Fan eines Mediums? Hm…) ziemlich kaputt ist. Und zwar nicht kaputt im Sinne von Hunter S. Thompson oder Charlies Bukowski, dass es noch Spaß machen würde, denen beim Untergang zuzusehen. Sondern kaputt im Sinne von örks. Die Eigendynamik ist eine seltsame, und mittlerweile schwingt sie ja auch auf die Industrie zurück, die sich fast völlig daran ausrichtet. Unterhaltungsindustrien sind schon seltsam…

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