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Retrospektive 2010: Die Lücken & Die Verzichte

2010-12-22

Richtig schwer manchmal, einen Anime im Vorfeld richtig einzuschätzen. Die guten und sehr guten Titel erkennt man oft genug rasch, das ist im Allgemeinen unproblematisch. Bei völlig miserablen Anime ist es ähnlich. Dazwischen aber liegt die Grauzone, in der es bisweilen knifflig wird. Erst recht, wenn man das Quellmaterial nicht kennt.

Ga-Rei Zero wären da ein nettes Beispiel aus jüngerer Zeit. Angekündigt war der Anime als Prequel zu einem so richtig belanglosen Manga und sah auch auf ersten Infos, Bildern, Previews nach einer faden Monsterhetzerei mit grottiger CG aus. Gut, eine Monsterhetzerei war es am Ende zwar, auch die CG war grenzwertig müllig und die Hintergrundgeschichte stellenweise peinlich; dennoch kam alles anders als gedacht, als der Anime (Spoiler) am Ende der ersten Folge die vorher mustergültig eingeführten Hauptcharaktere brutal abschlachtete und seine Story komplett umschmiss. Netter Coup. Ga-Rei Zero entwickelte übrigens im weiteren Verlauf durchaus ein paar nennenswerte Züge und spielte, gerade angesichts des mauen Ausgangsstoffes, seine Möglichkeiten bestens aus.

Gut, nun macht dieser Schachzug Ga-Rei Zero zu einem eher extremen Fall. Jenseits dessen, noch näher an der Durchschnittlichkeit, wird es allerdings deutlich schwerer. Verschnitt gibt es immer, muss es geben, aber bei einigen Titeln zögert man lange; vor allem, wenn man bei anderen, vergleichbaren Titeln den Daumen nicht gesenkt hat.

Wieso etwa habe ich Baka to Test to Shoukanjuu mit seinem zugegeben nicht unamüsanten anarchischen Humor abgebrochen, dafür aber das grundlegend kaputte Angel Beats! geschaut? Dunno. Ich werde, nicht nur in diesem Jahr, wohl ein paar größere Gurken gefressen haben als sie die Anime gewesen wären, auf die ich verzichtet habe. Auch wenn ich glaube, 2010 einen recht guten Schnitt gemacht zu haben.

(Ein Glück nur, übrigens, dass das Dilemma eigentlich keines ist; dafür ist es zu irrelevant. Heh.)


***

Die Lücken

Hanamaru Kindergarten

Ich habe ja gar kein zweites Kodomo no Jikan erwartet, das nicht. Trotzdem konnte ich im Vorfeld nicht allzu viel mit dem Anime anfangen. Die Rezeption war recht gut, Hanamaru Kindergarten soll eine nette kleine Komödie mit Situationskomik und niedlichen Momenten geworden sein – damit durchaus etwas, womit ich mich hätte anfreunden können.

Andererseits empfinde ich es auch nicht  wirklichals Verlust, diesen Anime nicht geschaut zu haben. Hätte ebenso gut auch bei einem anderen Studio entstehen können, und größere Bedeutung oder Relevanz für die Zukunft dürfte von Hanamaru Kindergarten auch nicht ausgehen. Viel jünger können die Hauptcharaktere auch gar nicht mehr werden…

Densetsu no Yuusha no Densetsu

Da habe ich womöglich zu früh abgewunken. Densetsu no Yuusha no Densetsu klang enorm peinlich und albern, allein schon der englische Titel der Serie: Legend of Legendary Heroes – fruchtbar  krude und doof.

Dabei war’s wohl auf genau die richtige Art und Weise krude und doof, auf diejenige, an der ich so eine Art perverse Freude habe; camp appeal galore, bescheuerte Fantasy-Geschichte, überdrehte Handlung, und dabei guter Unterhaltungswert. Behalte ich mal auf unbestimmt im Hinterkopf, auch wenn es wohl nur Sinn gemacht hätte, ihn auch Live zu schauen. Nachzuholen habe ich nämlich ebenso immer wie viel.

Sora no Otoshimono Forte

Hier wiederum bin ich mir alles andere als sicher, ob ich tatsächlich etwas „verpasst“ habe. Die Anlage der Story macht mich überhaupt nicht an, ganz im Gegenteil. Aber ich komme nicht umhin festzustellen, dass so einige Fetzen und Kleinigkeiten, die ich am Rande mitbekommen habe, eigentlich ziemlich witzig oder sehr gut gemacht aussahen. Was dazu führt, dass eben doch eine Restunsicherheit bleibt und nagt, vielleicht steckt mehr in dem Anime als auf den ersten Blick offensichtlich wird. Vielleicht.

***

Die Verzichte

Baka to Test to Shoukanjuu

Drei Episoden gegeben, lange überlegt, dann verworfen. Ich mochte die sehr sauberen Designs, die nett gemachten Charaktere, und dass der Humor auch mal etwas aggressiver wurde. Die Darstellung der Klassen-Gesellschaft im doppelten Wortsinn war ganz cool. Aber das Story-Gimmick der virtualisierten Klassenkämpfe wurde bald schon… nunja, gimmicky. Bei keinem anderen Anime ist mir die Entscheidungsfindung aber schwerer gefallen.

Kaichou wa Maid-sama

Einer dieser Fälle von Anime, die ich mögen wollte. Die beiden Hauptcharaktere waren auch richtig prima und vielleicht eine der besten romantischen Paarungen in diesem Jahr. Die Gestaltung war gleichermaßen fein, die Designvariante, die J.C. Staff für diese Story gefunden hat, sah reizend aus. Aber das einzige echte Alleinstellungsmerkmal war nun mal diese leidige meido-Kiste, die schlicht nicht genug hergab. Hätte gerne gehabt, dass die Charakterwelt anderweitig gefüllt worden wäre. Ein wenig schade, aber mit Otome Youkai Zakuro habe ich mich etwas später ja adäquat getröstet.

Heroman

Bones ist eines der Studios, für die ich eine Schwäche habe; trotz der markigen Defizite etwa im Pacing, die manchmal auftauchen. Dennoch landet jeder neue Titel automatisch auf meinem Radar. Heroman musste ich trotzdem bald streichen. Sah zwar noch recht ordentlich aus, wenn auch weniger gut als erhofft/gedacht, aber der schnöde Plot war sowohl schwach konzipiert als auch massiv uninteressant und völlig gehaltlos. Nicht die erste verunglückte US-Japan-Kooperation.

Ookami-san to Shichinin no Nakamatachi

Totaler Bullshit. Das ist alles.

 

 

 

 

 

 

 

 

Seitokai Yakuindomo

Prüde bin ich ja nicht. Aber schnell gelangweilt von grenzwertigem Humor. Seitokai Yakuindomo hatte seine guten Seiten, der Anime wirkte frisch und war visuell durchaus kreativ. Schon nach der zweiten Episode wurde jedoch klar, dass er nur und ausschließlich von seinem perversen Humor lebt, mehr noch: alles krampfhaft in die selbe Richtung schubst. Musste also nicht sein.

Iron Man

Ein von den Hintergründen her mit Heroman vergleichbarer Fall. Die Story war quälend einfallslos und durchschnittlich, wie eine beliebige, austauschbare Arc eines beliebigen, austauschbaren US-Superheldencartoons. Beim Design hat Madhouse immerhin seinen Markenstil konsequent auf amerikanisch durchdekliniert und getrimmt, was zwar irre steril aussieht, aber dadurch auch eine gewisse Faszination hat. Was aber schlicht nicht genug war, trotz generellem Interesse an diesem Marvel-Madhouse-Projekt, mehr als drei Episoden schauen zu wollen.

Shinrei Tantei Yakumo

Eine generelle Sympathie für das immer ein bisschen schäbig und unvermögend wirkende Studio Bee Train reichte immerhin, den Anime anzufangen. Nicht aber, um ihn zu beenden. Yakumo hatte schlicht keinen Hook, nichts, was den Anime irgendwie besonders oder anders oder interessant gemacht hätte. Wenn dann auch die Charaktere nicht viel reißen, die Gestaltung bestenfalls durchschnittlich ist, der Plot langweilig, dann ist’s das eben gewesen.

Togainu no Chi

Schönes Beispiel, wie ein Trailer trügen kann. Die ersten bewegten Bilder konnten glauben machen, dass da eine hübsch garstige Messerstecherei zu erwarten ist; der Anime selber war dann jede Menge Gepose und peinliche Homoerotik. Zumindest die erste Episode, mehr konnte ich mir nicht antun; spätestens, als beim Episodenfinale ein in Leder gewandeter Gaylord mysteriöser Schwertkämpfer auftaucht, im Gegenlicht des Mondenscheins.

Unironisch.

Geht gar nicht.

 

Toaru Majutsu no Index II

Ein Wort vielleicht noch zu Index und dem Klimbim drumherum. Ich habe durchaus versucht, es zu schauen, ein zwei Episoden der ersten Staffel und zwei von Railgun. Der Anime sieht zweifellos schick aus, J.C. Staff sendet vermutlich das beste dem Studio verfügbare Menschenmaterial an die Zeichentische. Aber die Geschichte… irritiert mich. Wäre der Anime insgesamt krasser, kruder, überdrehter, ich könnte mich eher damit anfreunden. So aber… steht die Serie mittenmang im Mainstream der aktuellsten Anime-Ästhetik, was mich in der geballten Form eben irritiert. Oh, und schrecklich amateurhaft und unsinnig wirkt sie auch. Danke, aber nein danke.

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2 Kommentare leave one →
  1. 2010-12-23 15:52

    Densetsu darf man nebst Saraiya Goyou guten Gewissens als die beste Serie des Jahres qualifizieren, wenn’s an mir ist.

    „Dabei war’s wohl auf genau die richtige Art und Weise krude und doof, auf diejenige, an der ich so eine Art perverse Freude habe; camp appeal galore, bescheuerte Fantasy-Geschichte, überdrehte Handlung, und dabei guter Unterhaltungswert.“
    Ich weiß nicht, wonach du dich gerichtet hast, aber letztendlich gibt das Drama den Ton an und manch Blutregen kommt auch nicht von ungefähr.

    Forte ist ganz nett, mehr aber nicht, Ookami-san war eben das, was ich mir von J.C.STAFF erwartet habe, das Beste an Yakuindomo waren immer noch Suzu und vereinzelte Ausnahmen im Schema F, Iron Man ist so ziemlich meh, wenn auch nicht unbedingt das Schlechteste, was derzeit läuft, Yakumo hat mir erst nach 6 Folgen wirklich Spaß bereitet und was Togainu no Chi betrifft, nun, das hätte auch wesentlich mehr werden können, bei Gelegenheit kloppt aber die BGM nette Atmosphäre raus.

    Index ist und bleibt ganz nett, Action hier, Action da, unterhalten kann das gute Ding auf jeden Fall, nur eben Railgun, das ist eine Katastrophe.

    Ga-Rei fand ich übrigens nur die ersten beiden Episoden über gut. Da habe ich mir nun eine packende Monsterhatz mit vielen Charaktertoden versprochen und was bekam ich? Shice of Life und ganz lames Drama.

  2. escapistolero permalink*
    2010-12-28 19:55

    Ist natürlich etwas unglücklich, über eine Serie zu schreiben, die man nicht gesehen hat; ob ich selber Densetsu gar so weit oben ansiedeln würde, bezweifle ich. aber für die Listen alleine schaue ich ja auch nicht Anime, heh.

    Zwischendrin war GRZ schon läppisch, gebe ich zu. Aber ich mochte die Entwicklung, die nach knapp zwei Dritteln einsetzte, war eine schöne Volte und ein ungewöhnlich dramatischer Ausgang, den ich eigentlich auch gut geschrieben fand.

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