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Retrospektive 2010: Die OPs

2010-12-27

Meinem Schrieb von letztem Jahr ist eigentlich nichts hinzuzufügen, erst recht nicht noch mehr apologetischer Pathos (blerh).

Die Beschäftigung mit OPs ist und bleibt eine der geekigeren Seiten des Anime-Hobbies, eine, die man nicht relativierend wegdiskutieren kann. Gut, bei weitem nicht jeder Vorspannsong  (und Abspannsong) ist aus den Untiefen des J-Pops an die Oberfläche gezerrt worden, manche sind auch für sich genommen recht feine Musik, selbst wenn ich privatim musikalisch woanders anzutreffen bin. Aber das gilt nur für eine Minderheit.

Mein größtes Glück ist, dass ich kein Japanisch beherrsche (und auch nicht beherrschen will). Lyrics auf Deutsch, Englisch oder meiner Muttersprache stoßen mir oft auf, weil ich sie zu gut verstehe; große Literaten sind leider die wenigsten Sänger und Sängerinnen. Auf Japanisch kann ich’s mir egal sein lassen – huzzah. Auch im Jahr 2010 sind deswegen ein paar OPs hin und wieder auf meinen Playlisten gelandet. Was mich dazu anstiftet, eine Liste anzulegen. Und ich liebe Listen.

Entgegen der Ankündigung nenne ich aber trotzdem nur wieder zehn Stück, rausgefallen sind: Working!! OP1 (J-poppiger Spurenelement-Ska, aber catchy), Seikimatsu Occult Gakuin OP1 (Song eigentlich furchtbar, im OP aber visuell hübsch okkult zugekleistert), Senkou no Night Raid OP1 (einige anständig ikonische Shots machen den mittelmäßigen Song wett),  Soredemo Machi wa Mawatteiru OP1 (Nett choregraphiertes 70er-Cover von Maaya Sakamoto) und Tamayura OP1 (Sympathisches Cover, wieder von Maaya Sakamoto, des Abspannsongs von Hayao Miyazakis Kiki).

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10 | High School of the Dead OP1 [Kishida Kyoudan & The Akeboshi Rockets – High School of the Dead]

Campy as all fuck und exakt deswegen so spaßig. Spätestens ab dem KUZUUUURETAAAAA, kurz nachdem das arme Waisenkind im Regen stehend dem sinnierenden Komuro Blumen schenkt, wenn dann Team Titte im Humvee durch Zombiehorden brettert, Hirano mit seiner SR-25 Kopfschüsse setzt, Rei mit einem eingesprungenen Spreadeagle zwei Untoten einen Dropkick  auf den Fressen platziert… what the dick, dann weiß ich auch nicht weiter. Endlos hohl. Aber das OP will so sein, und Spaß macht es auf seine Weise allemal.

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09 | So Ra No Wo To OP1 [Kalafina – Hikari no Senritsu]

Es ist knifflig mit Kalafina. Die frischeste zusammengecastete Hausband der Komponistin Kajiura Yuki hat die mehrstimmigen Vokalharmonien zum Markenzeichen erkoren, was grundsätzlich erstmal nicht verkehrt ist – weil ich sowas mag. Zu genau sollte man aber nicht hinhören und auch um die Musikvideos einen weiten Bogen machen, die Fassade macht mehr her als die Substanz. Aber das OP zu So Ra No Wo To ist nett und passt gut zu den abermaligen Klimt-Kopien-Impressionen, derer sich Regisseur Mamoru Kanbe schon in Elfen Lied bediente.

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08 | Arakawa Under The Bridge OP1 [Etsuko Yakushimaru – Venus & Jesus]

Der Track ist diesem unausstehlichen flach-nöligen Hipster-Pop, den ich so gar nicht mag, verdammt nahe. Aber mit dem Umweg über das Video habe ich ihn mögen gelernt. Hip ist das Video zwar auch, aber reizend gemacht und kreativ allemal – sinnige Metaphorik, schlaue Choreographie, schöne Farbwahl.

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07 | Kuragehime OP1 [chatmonchy – Koko Dake no Hanashi]

Das OP von Kuragehime hat nicht allzu viel mit dem Anime zu tun, außer, dass es (ziemlich clever) alle Charaktere passend einführt. Aber es ist buchstäblich vor allem eine skurrile und einfallsreiche Nerd-Träumerei, zehn Filmreferenzen am Stück, umgedichtet auf das Personal des Anime (und ich hoffe, dass alle die Filme nennen können?). Der Song von chatmonchy gefällt, weil er von gängigen Popstrukturen Abstand nimmt; die Tempowechsel sind etwas zu ruppig, die Gitarren etwas zu überdreht, der Gesang etwas zu laienhaft. Was summa summarum aber eine sehr willkommene Abwechslung ist.

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06 | Tentai Senshi Sunred S2 OP1 [manzo – Zoku: Mizonokuchi Taiyou Zoku]

Als propere Super Sentai-Parodie darf ein zünftiger Vorspann nicht fehlen. Das OP zur zweiten Staffel gefällt mir dabei wegen seiner verdammt smooth eingesetzen Typographie und den coolen title cards  noch besser als das zur ersten. Länger im Ohr bleibt der Song allemal, und ausnahmsweise darf man auch einen Blick auf die Lyrics werfen – herrlich, mit welcher Passion da getextet wurde. Könnte fast auch unironisch durchgehen.

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05 | The World God Only Knows [Elisa & Oratorio The World God Only Knows – God Only Knows][argh]

Prog-J-Pop. Hätte nie gedacht, dass das überhaupt möglich ist. Im Anime klang der Track nett, gut gemacht, hatte im Video eine herrliche ikonische Einstellung (die im YouTube-Previewbild), aber die Langfassung ist… überraschend. Über acht Minuten dauert sie, an Strophe-Refrain denkt sie nicht einmal im Traum, und alle anderthalb Minuten changiert das Ding in eine andere Musikart. Fängt an mit gezupfter Gitarre und flirrenden Streichern, dann Schlagzeug und Synthie-Gefitzel, Elektro-Stampferei mit Cembalo und Autotune, Break, bestes Yoko Kanno-Drumming, sakraler Choralgesang und schlussendlich, tatsächlich, so halbwegs veritabler Progrock. Und das alles in herrlichstem Engrish. So gaga wie faszinierend.

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04 | Star Driver [Aqua Timez – Gravity Ø]

Eigentlich liste ich Anime unter dem Folgejahr, wenn sie im laufenden Jahr nicht enden. Für die OPs und EDs mache ich eine Ausnahme, habe ich im letzten Jahr auch beim Abspann von Kimi ni Todoke so gehandhabt; oft werden die Songs zwischen den cours ja ausgetauscht. Jedenfalls: bis auf die stellenweise arg fabulösen Moves von Takuto ist das OP zu Star Driver sehr sehr fein, der Song ist amtlich treibend und kein Geringerer als the esteemed and revered Shinichiro Watanabe zaubert ein wunderbar farbenfrohes und richtig cooles Video hin – der Sprung von den Stufen ist ein grandioser Moment. Trotzdem dürfte Watanabe auch mal wieder einen ganzen Anime produzieren…

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03 | Durarara!! OP1 [Theatre Brook – Uragiri no Yuuyake]

Baccano! hatte ein sehr cooles Opening, das sein Heer an Charakteren ziemlich clever einführte. Durarara!!, vom selben Autoren, selben Regisseur, selben Team, mit der selben narrativen Anlage macht es genauso – nur noch besser. Wieder werden die Charaktere auf anderthalb Minuten durcheinandergewirbelt, diesmal vielleicht etwas stringenter. Aber der Song von Theatre Brook ist schlichtweg catchier, und das Ganze bringt zumindest die (sehr starke) erste Hälfte des Anime perfekt auf den Punkt.

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02 | Shiki [Buck-Tick – Kuchizuke]

Vielleicht nicht die wahrscheinlichste Wahl, aber ich mag dieses sehr klassische Opener-Feeling des ersten Shiki-Vorspanns, selbst wenn Buck-Tick wahrlich nicht meine Band ist. Trotzdem, diese hübsche Symbolik und Metaphorik, mit der die Prinzipalcharaktere überzogen werden, ihre Posen und Gegenüberstellungen sind sehr nett und, naja, klassisch eben. Entfaltet seinen eigenen Reiz. Und bringt auf einer anderen Ebene die etwas vertrackte Geschichte interessant zusammen.

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01 | The Tatami Galaxy [Asian Kung-Fu Generation – Maigoinu to Ame no Beat]

Diese endlose Reise durch die Flure und Zimmer zugesteller japanischer Wohnheim, schön monochromatisch und mit den Credits und Charakteren ins Bild montiert, untermalt von der guten Asian Kung-Fu Generation, ist schlichtweg faszinierend. Und macht am Ende mehr Sinn auf viel mehr Ebenen als man zuvor gedacht hätte – viel geschickter und raffinierter geht’s nicht. Chapeau.

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2 Kommentare leave one →
  1. 2010-12-27 20:32

    Deine Wahl ist in der Tat etwas… speziell geraten. Da merkt man umso mehr, wie J-Pop-lastig der Mainstream der Musik doch ist. Mit dem Großteil kann ich nicht sonderlich etwas anfangen, Kuzureta hat jedenfalls etwas, was TWGOK betrifft, finde ich die Full Version einfach nur grässlich, So-Ra-No-Wo-To hat visuell wesentlich Bewegteres verdient, da war’s ein Fall zum Skippen, die Arakawa-Openings haben mir nie wirklich zugesagt, da bin ich mit dem Abspann schon wesentlich besser bedient, in Sachen Durarara!! gefiel mir das zweite Opening wesentlich besser, aber nun gut, letzten Endes bin ich wohl auch zu abhängig vom J-Pop, auch wenn ich das Night Raid-Opening allemal zu schätzen weiß. Angel Beats! hat mich diesbezüglich zutiefst beeindruckt: Energisch gespieltes Klavier(oder war’s ein Piano? Sei es drum) fliegt durch den Himmel, Herz, was willst du mehr?

    Japanische Lyrics sind de facto grottig. Sowas will ich gar nicht verstehen. Ich achte auch meist nicht auf die Lyrics und wenn doch, kann ich nur brutal aneinander geklatschten Nonsense ausmachen.

    Ach…
    „oft werden die Songs zwischen den cours ja ausgetauscht“
    Das ist sowieso irrelevant, Anime kann man erst nach vollständiger Länge rezensionieren, Openings sind von Anfang an, was sie bleiben werden.

    Ach, ich würde nur zu gerne das ein oder andere Review zu kontroverseren Angelegenheiten dieses Jahres lesen, Angel Beats! und so, das sei mal am Rande erwähnt.

  2. escapistolero permalink*
    2010-12-28 19:11

    Hm, ich habe eine relativ lange musikalische, sagen wir, „Entwicklung“ hinter mir. Auf dem Weg habe ich ziemlich viel aufgelesen und höre mittlerweile am selben Tag auch mal Rachel’s und Converge und Saul Williams. Heißt aber auch, dass ich wählerischer geworden bin und nicht mehr alles hinnehme.

    Und darunter fällt fast jeder populäre Auswuchs des J-Pop, da rollen mir eben die Fußnägel hoch. Kann’s aber auch wertschätzen, wenn Songs von der Norm abweichen; das TWGOK-Opening ist ja eigentlich nothing to write home about, aber die Chuzpe der Langfassung imponiert mir. Vor allem, weil TWGOK so schön ironisch ist.

    Ich skippe grundsätzlich auch nach der ersten Folge. Immerhin drei Minuten netto Zeitersparnis pro Folge, in der Zeit mach‘ ich dann ein paar Screenshots oder Notizen, falls mir was aufgefallen ist. Ich steh‘ auf kompakte Arbeitsweisen :-O. Aber die besseren Songs ziehe ich mir auf den mp3-Player.

    Angel Beats! habe ich übrigens als nächste Anime-Rezension im Programm; weiß nur noch nicht, ob ich vorher die Rückschau durchziehen soll.

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