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Retrospektive 2010: Die EDs

2011-01-01

Nicht völlig neu, aber in diesem Jahr auffällig: Anime, die zwar ihren Vorspann behalten, aber ihren Abspann teils von Folge zu Folge austauschen. Zählen mag ich gar nicht, aber es ist eine gute Handvoll – bei Ore no Imouto und High School of the Dead etwa hatte jede Episode ihren eigenen Song. Ersterer untermalte die Abspänne mit pan shots über Artwork, HOTD variierte seine Fotocollage ein wenig. The World God Only Knows hatte zwar nur ein Lied, ließ das aber von den fünf weiblichen Hauptfiguren der ersten Staffel je einzeln und dann noch zusammen einsingen, damit jede ihre eigene Geschichte beendet. Amagami SS handhabte es ganz ähnlich, ein Song pro Charakter, damit ein Song pro vier Episoden (und bekommt an dieser Stelle übrigens den Sonderpreis für das ätzendste Ending, herzlichen Glückwunsch Sae-chan!)

Wieso? Monies. Beim Beispiel TWGOK hatte man wohl alle Seiyuus sowieso beieinander, also kann man sie auch in beliebiger Konfiguration rasch aufnehmen oder backing vocals liefern lassen. Das ist nicht nur kosteneffektiv, sondern generiert auch rasch Umsätze – erst recht, wenn man die anderthalb Minuten Videomaterial für das ED recyceln oder (bei anderen Beispielen) mit aufgepeppten Standbildern füllen kann. Zu TWGOK sind vier Image Song-Singles erschienen, zu den japanüblichen Preisen, deren eine Hälfte eben der Abspann ist. Für den Image Song selber hat jedes Studio genügend Standardsongs in der Schublade und, für den Fall der Fälle, einen billigen Songschreiber im Rollschrank nebenan. Der Rechner übernimmt den Rest.

Ist das gut oder schlecht? Ich enthalte mich einer Meinung. Berauschend ist die Musik in aller Regel nicht, aber notwendig als Querfinanzierung. Ähnlich wie in der allgemeinen Musikindustrie der Post-Napster-Ära, in der Bands und Künstler (oder „Künstler“) über Merchandise und Konzerte ihre chronisch verraubkopierten Alben kompensieren, gleicht die Anime-Branche die oft mauen DVD- und BD-Verkäufe in der Post-Share/PD/Torrent/XDCC-Ära mit Sammlerkram aus. Tut vielleicht auch ganz gut im Kopf zu behalten, dass Anime seit jeher in erster Linie Werbevehikel gewesen sind. Nur sind die Revoltech-Roboter von damals heute Dakis, ausziehbare Figuren und eben alles, was es so von der gerade aktuellen Waifu gibt.

Jedenfalls. Bei den EDs habe ich die vollen fünfzehn Titel dringelassen, weil ich keinen kicken wollte. Beziehungsweise nicht genügend kicken konnte, um eine schöne Zahl zu produzieren.

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15 | Amagami SS ED4 [Yukana – Koi wa Mizuiro]

Einigermaßen mit Bauchschmerzen habe ich dieses Ending auf meine Liste gesetzt. Nicht falsch verstehen: der Text ist so grotesk schlecht wie der komplette Anime, und für den Charakter habe ich auch nichts übrig. Was ich aber mag, ehrlich mag, ist die Instrumentierung; Jazzpiano und Wah-Wah an der Gitarre lassen das alles sehr smooth, locker, sonnig klingen. Ärgerlicherweise hat die Instrumentalversion des Songs noch die backing vocals drin, aber Yukana hat zumindest eine recht angenehme Stimme. Geht also in Ordnung, könnte schlimmer sein.

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14 | The Tatami Galaxy ED1 [Etsuko Yakushimaru – Kami-sama no Iutouri]

Klaus hat schon Recht, visuell ist das Ending brillant und macht auf die Story des Anime bezogen nicht weniger Sinn als das Opening. Ich kann an der Stelle eigentlich nur darauf verweisen, dass ich mir dieser Art des eher unterkühlten Pop nie wirklich klar kam. Das ED ist zweifellos gut, was ich gerne anerkenne, aber es ist nichts für mich. Yakushimaru konnte ich mir im Vorspann zur ersten Arakawa-Staffel noch schönhören, hier klappt es nicht mehr.

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13 | Soredemo Machi wa Mawatteiru ED1 [Chiaki Omigawa, Ryouko Shiraishi, Rieka Yazawa, Aoi Yuuki – Maids Sanjou!]

Shinbo nun wieder. Wie auch immer man zu ihm steht, immerhin lässt er sich wirklich immer etwas einfallen für seine Endings. Diesmal also ein Klamaukstück so krude wie der Anime selber, eine Art Werbevideo für das Meido-Cafe mit Geige, Akkordeon, Schlagzeug und Bass (und Gitarre, reingeschummelt), das seine neunzig Sekunden randvoll packt mit den Manierismen seiner Charaktere. Sehr unterhaltsam.

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12 | Hakuouki: Shinsengumi Kitan ED1 [mao – Kimi no Kioku]

Dürfte ich wohl als guilty pleasure verbuchen. Ich weiß noch, dass mich der Übergang in den Refrain damals irgendwie gepackt hat, und dabei ist es bis heute geblieben – ein wirklich angenehme, positiv unaufregende und nette Nummer. Das Video macht seine Sache auch sehr ordentlich und rückt seine Charaktere ins bestmögliche Licht, vor allem gegen Ende in den Gegenüberstellungen. Man könnte glatt glauben, der Anime sei spannend.

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11 | The World God Only Knows ED2 (w/ Keima) [Oratorio The World God Only Knows & Hiro Shimono – Shuusekikairo no Yume Tabibito]

Eigentlich muss man hier den Kontext kennen, und ich möchte dem Anime und meiner Rezension (tbd…) nichts vorwegnehmen. Nur so viel: am Ende einer ziemlich seltsamen Finalfolge driftet der Hauptcharakter, selbsterklärter Gott der Eroge, in eine deliriöse Fantasiewelt und krächzt sich selber seine eigene Ode. Muss man eigentlich gesehen haben. Für den stattlichen what the fuck-Faktor und dafür, dass das Ending abschließend klar macht, was für ein Anime TWGOK eigentlich war, verdient das Ding sich seine Erwähnung vollkommen.

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10 | Otome Youkai Zakuro ED2 [Aki Toyosaki, Yui Horie & Yuuki Kaji – Junjou Masquerade]

Sowohl schönes Beispiel als auch schönes Gegenbeispiel für die Thesen in der Einführung. Die drei Endings von Otome Youkai Zakuro sind von den drei romantischen Paarungen des Anime in Duetten (oder Terzetten) eingesungen, das Bildmaterial lediglich unterschiedlich durchgemischt mit einigen Artworks und Effekten. Dafür sind alle drei Endings aber unerwarteterweise nur auf einer Single veröffentlich worden. Und ziemlich gut sind sie obendrein auch. Junjou Masquerade ist ein sehr beschwingter, vor allem in der Langfassung musikalisch sehr unterhaltsamer Titel, der mir sogar die eher nicht so liebe Yui Horie anhörbar macht. Durchaus eine Leistung.

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09 | Suzumiya Haruhi no Shoushitsu [Minori Chihara – Yasashii Boukyaku]

Das offizielle Promovideo für Abspann und Single des Shoushitsu-Filmes war superschmalzig und ich hatte nicht viel Lust, es am Ende des Filmes vor den Latz geknallt zu bekommen. Die A capella-Fassung des Songs, die es stattdessen setzte, kam überraschend und war ziemlich großartig. Während die Normalversion in gefälligem Streicherbrei mit Pianoguss untergeht, ist  der Song, zumal nach dem Film und zumal gesungen von der wirklich nicht schlechten Minori Chihara, frei von Zinnober überraschend stark und sogar berührend.

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08 | Kuragehime ED1 [Sambomaster – Kimi no Kirei ni Kozuite Okure]

Größten Anteil an diesem ED hat sicherlich Takashi Yamaguchi, der Sänger der Band Sambomaster. Denn optisch (sorry, bin so frei) würde man ihm gar nicht zutrauen, mit so einer Inbrunst und Leidenschaft zu intonieren. Summa summarum aber passt der feine, etwas schräge Song aber wunderbar zum gleichfalls etwas schrägen aber nicht minder feinen Anime.

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07 | Arakawa Under The Bridge [Suneohair – Sakasama Bridge]

Suneohair ist ein Guter, seine Endings für Honey & Clover waren klasse gespielte und gesungene Popsongs. Auf Albumlänge muss man hin und wieder skippen, aber seine Tracks  für Anime-Abspänne sind bestes Single-Material mit allen Qualitäten – so auch sein Beitrag für die erste Staffel von Arakawa. ’nuff said, weniger lesen, mehr hören.

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06 | Otome Youkai Zakuro ED1 [Mai Nakahara & Takahiro Sakurai – Hatsukoi wa Zakuro-Iro]

Für Mai Nakahara habe ich richtig viel übrig, weswegen ich mich auch freute, sie in Zakuro wieder in einer Hauptrolle zu hören. Der Vergleich mit den grande dames der Synchronisation, die eher in Ghibli-Produktionen mitmachen denn im hyperkommerziellen Fernsehzirkus, ist sicher etwas zu gewagt – aber unter den populären Seiyuus ist sie eine der besten, weil sie tatsächlich jenseits von Gefälligkeit und Moe-Mustern mit ihrer Stimme umgehen und richtig arbeiten kann, wie etwa in Higurashi, wo sie die Rena schlichtweg perfekt sprach und für massive Gänsehaut sorgen konnte. So ähnlich konnte man sie in diesem Jahr auch als Nanami in Katanagatari hören. Singen kann sie dann selbstverständlich auch, bestens sogar; in ihrem Zakuro-ED stören einzig die unmotivierten Samples ihres (wohl sangesunbegabten) Duettpartners Takahiro Sakurai, der Song selber ist aber stark.

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05 | Tentai Senshi Sunred S2 ED1 [Kumahachi Morino – Mizonokuchi Forever]

Ein Jammer: das einzige ED, zu dem ich kein Video auftreiben konnte. Muss ich beizeiten mal selber aus einer Folge schneiden und online stellen. Auch das Ending der zweiten Staffel gefällt mir, wie beim Opening, noch einen Tick mehr als dasjenige der ersten. Vor allem, wenn in diesem leicht angeschmalzten, aber herrlich pathetischen Liebeslied an die Gegend beim Mizonokuchi-Bahnhof in Kawasaki Bekannte und Freunde des Produktionsteams, teils sogar im Cosplay, mitsingen. Überhaupt, habe nicht die geringste Ahnung von Kawasaki, klingt aber bei Sunred so aufregend wie das Paderborn Japans; Mizonokuchi ist dann sowas wie Paderborn-Kasseler Tor?

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04 | Shiki ED1 [nangi – Walk no Yakusoku]

Das erste Abspann-Video zu Shiki ist, wenn schon nicht originell, dann zumindest wunderbar geschnitten und vor allem herrlich anzuschauen. Vielleicht ist das etwas lahm von mir, aber der wahrscheinlich beste diesjährige Moment im ED-Bereich ist die eine Sequenz, wenn der Himmel ins Rote überschlägt, tausende Blüten in den Himmel steigen und vor der violetten, überblendeten Silhouette Sunakos tanzen. Sahnehäubchen, dass mir auch das Lied sehr gefällt.

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03 | Otome Youkai Zakuro ED3 [Kana Hanazawa & Satoshi Hino – Futari Sei]

Von drei guten Endings das schönste; vielleicht, weil es als einziges auch wirklich ein Duett ist, selbst wenn Satoshi Hino kein allzu begabter Sänger zu sein scheint. Vor allem ist es aber Kana Hanazawa, die mich das Ding so mögen lässt. Die Synchronsprecherin hat mich in diesem Jahr sehr überrascht mit ihrer Entwicklung – erstaunlich, was sie aus ihrer eigentlich für süßliche Jungmädchenrollen (vgl. Nadeko, Bakemonogatari) prädestinierten Stimme herausholt. Ihr Futari Sei, so kitschig und dick aufgetragen der Song auch sein mag, ist dafür ein schönes Symbol, und ein nicht minder schönes (wenn auch etwas kitschiges) Lied obendrein.

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02 | Nodame Cantabile Finale ED1 [Real Paradis – Kaze to Oka no Ballad]

Nodame und die Vor- und Abspannmusik, das ist eine Geschichte von Licht und Schatten. Die erste Staffel hatte einen dammich fantastischen Song, die zweite immerhin ein sehr anständiges Ending. Der Rest, hm, knicken. Die Tradition führte die dritte Staffel fort – maues Opening, dafür abermals ein großartiges Ending. Dann macht es auch nichts, wenn am Visuellen etwas gespart wurde; der starke Song macht das mehr als nur wett.

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01 | Arakawa Under The Bridge x Bridge ED1 [Suneohair – Akai Coat]

Weiter oben schrieb ich schon, dass Suneohair ein Guter ist. Ist er auch. Ein sehr Guter sogar. Und Akai Coat ist sein bislang bester für einen Anime-Abspann bereitgestellter Song. Die Musik ist großartig, eine lebhafte, bestens instrumentierte Popnummer, das Video (beziehungsweise seine erste Version, eine gezeichnete gibt es auch noch) macht das ED aber noch faszinierender. In der ersten Staffel irritierten mich die kostümierten Schauspieler noch, seit der zweiten mag ich sie aber sehr – seit ich sie beim Streifzug durch die Natur und im Abendrot unter der Brücke gesehen habe. Immer noch ziemlich Banane, aber eben so, wie Arakawa gerne immer wäre und so, wie Arakawa auch am besten ist.

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