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Retrospektive 2010: Die Anime, #25 – #21

2011-01-12

Ich habe keine Gewissensbisse, wenn ich mich eine Weile nicht um den Blog kümmere. Meine Agenda ist leider lang und voll und wenn ich mir Zeit nehme, dann eher, um Anime zu schauen und Manga zu lesen als darüber zu schreiben. Zumal ich es in meiner verschlafenen Ecke des Netzes ohne Aufmerksamkeit ganz gemütlich finde; wird schon keiner auf mich warten. Das Projekt hier dürfte sich bis in den Februar ziehen, auch weil ich noch ein paar Sachen nachholen oder beenden musste.

Listen haben eine schöne Ordnungsfunktion. Wenn ich zuletzt schrieb, wieso ich neben Texten auch gerne numerische Wertungen vergebe, dann haben Listen die Funktion, zu einer noch genaueren Positionierung zu bewegen und Begründungen einzufordern. Wieso ist der eine Anime vor dem anderen? Weil soundso und soundso. Das ist ganz hilfreich und am Jahresende eine schöne Reflexionsübung, kann aber auch gehörig auf den Sack gehen. Denn fertig ist so eine Liste nie, ständig wird weiter rumgefuhrwerkt und umgestellt. Aber irgendwann hat man die Schnauze voll von den eigenen Widersprüchen, wirft den Krempel hin und lässt es so halbwegs gut sein.

Natürlich ging es auch dieses Jahr nicht ohne Schummelei, diesmal musste ich den 25. Platz teilen. Und so eine lange Liste – allzu viele Anime mehr habe ich nicht geschaut – kann natürlich auch kein Best-Of sein, da müsste ich mich auf zehn oder allenfalls fünfzehn Titel beschränken. Aber ich verstehe die Retrospektive eher wie eine Art kritische Würdigung des abgelaufenen Jahres, weswegen sie auch ruhig recht komplett sein darf (wenn ich schon zum Rezensieren nicht komme); zum Abfeiern ist sie nicht da.

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25b | Rainbow Madhouse, 26 Eps, Q3/Q4

Rainbow ist in erster Linie eine Enttäuschung. Vielleicht waren die Erwartungen zu hoch, sicher war ich auch zu uninformiert. Aber eigentlich passte ja alles, die Geschichte klang ernsthaft und düster, sollte die brutalen Verhältnisse für auf die schiefe Bahn geratene Jugendliche Nachkriegsjapans porträtieren. Und wenn es für so einen Stoff ein richtiges Studio gibt, dann Madhouse.

Das Resultat aber war ernüchternd. Rainbow ist zwar immer noch knapp überdurchschnittlich, der Anime sieht weitestgehend gut aus mit seiner realistischen, verwaschenen Farbgebung und das Setting ist immer noch – wir reden hier über Fernsehanime! – originell und wirklich nicht uninteressant; ich bin dankbar für jeden Anime, der nicht an einer Oberschule spielt. Das alleine verdient schon viel Vertrauensvorschuss und Sympathien, die Rainbow aber leider zu einem großen Teil, wenn auch nicht ganz, wieder verspielt.

In erster Linie ist es der eigene Pathos, der Rainbow so zurückhält. Die große Gefängnisgeschichte am Anfang und die späteren, kürzeren Stories zu den einzelnen Charakteren triefen geradezu vor Pathos, den ganz großen Gesten und überpointiertem Melodrama, das sich zwar durchaus am Repertoire seiner Handlungszeit bedient, aber eben nie ausspielt. Da hat ein Anime schon einmal eine solche Ausgangslage, verhaut sie dann aber… ärgerlich. Aus Prinzip aber verdient Rainbow trotzdem einen Platz in dieser Liste; alles, was sich am heutigen Markt etwas Abseitiges traut, wird mir immer zumindest Respekt abringen.

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25a | Working!! A1, 13 Eps, Q1

Natürlich ist das ein krummer Deal: Tausche Hirn gegen Unterhaltung. Und gefährlich ist die Denkweise auch, weil sie jeder Kritik und Auseinandersetzung den Boden entzieht; ist doch nur zum Spaß, nur zur Unterhaltung, wo ist schon das Problem… dabei hat Working!! reichlich Probleme.

In den nur 13 Episoden wird reichlich Zeit entweder für unlustige Sequenzen verbraten oder mit dieser furchtbar nervigen Trap-Geschichte verschleudert, und weit kommt der Anime mit seiner dünnen Geschichte auch nicht. Die Charaktere haben alle ihre Macken, die durchaus für Belustigung sorgen – aber irgendwann ist jeder Witz gerissen und jedes Fitzelchen an amüsanten Manierismen ausgekundschaftet.

Trotzdem habe ich den Anime nicht ungerne geschaut. Wegen besagtem krummen Deal. Working!! stellt null Ansprüche und hat nichts im Sinn als leichtfüßige Unterhaltung, und als simple Komödie macht es seine Sache ordentlich und erfüllt damit seinen Zweck – nichts mehr, nichts weniger. Das Tempo ist gut, unter den vielen abgeschossenen Gags zünden durchaus einige, und Inszenierung und Präsentation sind sehr gefällig. Working!! war supersolide und als Rundum-Paket zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

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24 | High School of the Dead Madhouse, 12 Eps, Q3

High School of the Dead ist kackendreister Trash, Punkt. Softcorepornographie, Waffenpornographie, Gewaltpornographie; Ärsche, Titten, Gewehre, tote Zombies noch und nöcher. Und das alles ohne subversives Momentum und nur selten mit parodistischen Zügen, wenn ab und an etwas Ironie durchschimmert. Aber Trash ist ein Genre für sich und nicht einfach nur Müll.

Das Setting hat durchaus großen Reiz und ruft sein Potential bisweilen auch ab, die Zombie- und Weltuntergangsthematik ist nicht umsonst so beliebt. Und dank Madhouse sieht der Anime überwiegend auch recht schick aus. Aber die Geschichte ist so amateurhaft konstruiert und inhärent kaputt, der Fanservice so völlig überdreht, dass man auch mit gutem Willen keine echte Qualität attestieren kann.

Es ist die Art von Spaß, die nicht der Anime macht, sondern die man sich selber mit dem Anime macht. High School of the Dead ist eben nicht einfach schlecht, sondern Trash, und an dem kann man seine Freude haben haben. Selbst wenn es eine debile Freude ist. Dafür jedenfalls war HOTD mit seinem Camp Appeal und seiner absoluten, völligen und totalen Bescheuertheit aber wie gemacht. Eine Granate des schlechten Geschmacks.

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23 | Hakuouki: Shinsengumi Kitan & Hekketsu-roku Deen, 12+10 Eps, Q2 & Q4

Es erfordert durchaus Mühe, Geduld und Wohlwollen, um bei Hakuouki bei der Stange zu bleiben. Die Geschichte ist ja schon bekannt, weil gründlich in Literatur, Filmen, auch Anime und Manga durchgearbeitet. Und Hakuouki ist überdies die Adaption eines Otome-Spiels, eines Spiels mit romantischen Motiven für junge Frauen – und somit proppenvoll mit ätherisch schönen jungen Männern.

Das kann man aber nicht ankritteln; in neun von zehn Fällen sind es statt den schönen jungen Männern eben schöne junge Frauen, oder Mädchen, oder irritierend junge Mädchen, die Aufmerksamkeit generieren; dem womenfolk kann man also nichts vorwerfen. Und es ist ja auch durchaus eine ganz angenehme Abwechslung, die Rollen vertauscht zu sehen.

Nur, Hakuouki ist etwas arg bieder. Sowohl die erste Staffel, die noch in Kyoto spielt, als auch die etwas kürzere zweite, die sich mitten in den Boshin-Krieg stürzt, sind verhältnismäßig langatmig und wenig dynamisch. Auch die eher sinnlose Überformung mit mystischen und übernatürlichen Elementen, die den Shinsengumi Dämonen gegenüber stellt und sie selber zu einer Art Vampir macht (das kennen wir doch irgendwoher…), hilft dem nicht wirklich ab. Aber es überwiegt das Gefühl, dass das Ganze insgesamt schon in Ordnung geht. Hakuouki tut keinem weh im schlechten wie im guten Sinne.

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22 | Kimi ni Todoke Production I.G., 25 Eps, 09-Q4/10-Q1

Einen Anime dafür zu kritisieren, dass er nicht ist, wie er gar nicht sein will, ist natürlich Unfug. (Sonst müsste ich alles dafür kritisieren, weil es nicht Cowboy Bebop ist.) Kimi ni Todoke wollte und will – zweite Staffel ist just angelaufen – nun mal nichts mehr sein als eine sehr langsame, sehr betuliche, sehr introspektive romantische Geschichte, und das kann man mögen und auch nicht.

Kimi ni Todoke machte sehr vieles richtig, der Anime ist zum Beispiel schön anzuschauen mit seinen pastellenen Farbtönen, impressionistischen Hintergründen und schönen Charakter-Designs. Für meine Begriffe gereicht es ihm aber nicht zum Vorteil, wirklich so langsam und so betutlich und so introspektiv zu sein – denn viel ist aus der Geschichte nicht rauszuholen, auch wenn man es wieder und wieder versucht.

Eine große Ausnahme bildet aber der Charakter Kurumi und alles, was mit ihr zu tun hat. Ume-chan ist der Kontrapunkt, der das lauwarm-ungefähre Einerlei gehörig durcheinanderbringt; sie ist vielschichtig, anfangs eine boshaft wirkende, gemeine, fiese Intrigantin und Saboteurin, später ein seltsam befangenes, verletzliches und eigentlich einsames Mädchen, noch viel später alles dazwischen und noch einiges mehr. Das alleine verleiht Kimi ni Todoke schon ausreichend Gewicht, so dass die positiven Seiten die negativen letztlich überwiegen.

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21 | Arakawa Under The Bridge & Bridge x Bridge Shaft, 13+13 Eps, Q2 & Q4

Es ist nicht leicht, Arakawa zu erfassen. Der Anime hat zwei Seiten. Die eine ist das alberne und blödsinnige Arakawa, das lediglich seine Freakshow an Charakteren zur Schau stellt. Der Drang des Regisseurs zum Selbst- und Popkulturreferentialismus hilft da nicht, oft genug kommt einem der Nonsense-Humor des Anime als ein Akt stumpfsinniger Masturbation vor.

Das andere Arakawa aber ist charmant, clever, eloquent und bedeutsam, vor allem, wenn es zusammenhängende Geschichten erzählt und die Hintergründe seiner Charaktere anreißt oder ausleuchtet. Denn Shinbo hat ein unterschätztes, da leider zu selten benötigtes, feinsinniges Gespür für Dramatik. Die Konzeption von Arakawa gibt das durchaus her: eine Gruppe von Außenseitern, die aus der Gesellschaft gefallen sind, bauen sich ihre ganz eigene Gemeinschaft. Was oft genug einfach für Witze herangezogen wird, hat aber immer auch einen ernsteren Hintergrund.

Letztlich gewinnt der Anime dadurch, dass die meisten seiner Charaktere mit zunehmender Dauer runder und interessanter werden, eben nicht mehr nur Freaks sind. Sie wachsen einem tatsächlich ein wenig ans Herz, und das alleine lässt einen versöhnlicher werden. Auch wenn die Tempowechsel und das arg schwankende Niveau beim Humor dem Anime wehtun, eigentlich will er ja nur Gutes.

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