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Retrospektive 2010: Die Anime, #15 – #11

2011-01-21

Mir ist aufgefallen, dass ich an dieser Stelle nichts mehr zu schreiben habe, nachdem vor ein paar Wochen die Anime & Anime-Kategorie hier lanciert worden ist (und ja, die weitergeführt wird, sobald es die Zeit zulässt; sechs Artikel schon in Planung). Verdammte Axt.

Stattdessen ein Stitch von Nino aus Arakawa Under The Bridge; sonst wäre die Startseite auch arg textlastig.

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15 | Senkou no Night Raid A1, 13+3 Eps, Q2

Senkou no Night Raid ist wie gemacht für mich. Spielt nicht an einer japanischen Schule, handelt nicht von japanischen Schülern; es geht noch nicht mal um die Liebe (oder kaum, nur ganz am Rande). Stattdessen Kolonialismus, Hegemonialstreben, Weltpolitik in der Zwischenkriegszeit, in und um Shanghai, einem der Gravitationszentren in der faszinierenden Geschichte des kurzen zwanzigsten Jahrhunderts. Woah.

Wenn der Anime seinen Ansprüchen gerecht geworden wäre, hätte ich ihn auf meiner persönlichen Liste ganz, ganz weit vorne ansiedeln müssen. Leider kann er aber sein eigenes Tempo nicht ganz gehen. Das Setting bleibt spannend, die Konzeption und sogar die intellektuelle Ebene sind für einen Fernseh-Anime erstaunlich.

Schade nur, dass seine erzählerischen Mängel und seine Unentschlossenheit irgendwo zwischen Indie und Mainstream den Anime wieder etwas herunterziehen. Vor allem Charaktere und Pacing sind schlicht unterentwickelt. Das sind ernstzunehmende, gravierende Mängel, und man muss schon einen gewissen Interessenszuschnitt mitbringen (und vielleicht auch etwas leidensfähig sein), um Senkou no Night Raid doch noch so viel abzugewinnen. Zum Glück trifft das bei mir aber zu. Meinen Spaß hatte ich, garantieren kann ich ihn aber nicht.

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14 | Otome Youkai Zakuro J.C. Staff, 13 Eps, Q4

Ich will auch nicht übertreiben: Zakuro ist reichlich charmant, ja, und eine der positiven Überraschungen des Jahres. Aber der Anime ist in keiner Weise ein sensationeller Titel, dazu klammert er sich noch zu sehr an Genre-Konventionen und vor allem im Rückblick fragt man sich, worum genau es in Zakuro eigentlich ging.

Der große Pluspunkt dieses Anime ist, dass er so irrsinnig sympathisch ist. Der zentrale Cast, vor allem die Youkai und Halbwesen sowie deren Beziehungen zu den Menschen sind so gut und, wie gesagt, charmant, dass der Anime allein dadurch bestens läuft. Vor allem Mai Nakahara spricht die biestig-niedliche Zakuro wunderbar, Kana Hanazawa gibt ihrer Susukihotaru eine zarte Verletzlichkeit, ohne süßlich und kindisch zu klingen.

Das trägt viel dazu bei, um die leichtfüßige Geschichte erstaunlich souverän – auch das ein bemerkenswerter Pluspunkt – zwischen Komödie und Drama wechseln zu lassen. Wo Zakuro amüsant und locker sein will, macht der Anime Spaß; wo er Mord und Missbrauch andeutet, wenn die zuckersüßen Zwillinge Bonbori und Hozuki plötzlich garstig werden, kommt ein so genuines wie diffuses Unwohlgefühl auf. Ein gut gemachter Anime.

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13 | Giant Killing Deen, 26 Eps, Q2/Q3

Ich mag Fußball, mochte ich schon immer, auch wenn ich meine eigene Karriere als Torwart nach der D-Jugend beendet habe. Weil ich zum Wohle aller nicht mehr selber auf dem Platz stehe, müssen Ersatzbefriedigungen her; samstags in die Oberliga in die Kurve, abends Sportschau, unter der Woche Transfergerüchte und Lektüre (nicht übel: Biermanns Fußball-Matrix). Früher aber waren es natürlich die Kickers, eine der besten Serien meiner Kindheit.

Ich will Giant Killing nicht als Nachfolger im Geiste der Kickers hochsterilisieren. Inhalt und Ansatz sind völlig verschieden; statt einem zielgruppennahem Cast spielt hier eine Profimannschaft der J.League, statt dem Mittelstürmer ist der Trainer der Star. Viele Qualitäten aber teilen sich die Serien. Genau wie die Kickers ist Giant Killing gut, weil der Anime recht nah am Sport selber bleibt – und Fußball hat nun wahrlich genug Drama zu bieten.

East Tokyo United kann man sich durchaus als richtigen Verein vorstellen. Klar, die Übertreibungen sind da, müssen sie auch sein. Aber der Grundstock ist dem Fußball selber entnommen; es werden keine Drämchen in ein Sportsetting verpflanzt, sondern die Konflikte da abgeholt, wo sie entstehen: knapp über der Grasnarbe. Der Nachwuchsspieler mit den weichen Knien, der frustrierte Leitwolf, der zimperliche Regisseur, der glücklose Stürmer und sein lauernder Backup, dem selber schon das Alter zu schaffen macht, der so genialische wie kontroverse Trainer; und all ihre Gegner, ihre Fans, ihre Presse. Giant Killing fängt das alles prima ein.

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12 | Kuragehime Brain’s Base 11 Eps, Q4

Kuragehime ist gewisserweise nicht sehr japanisch. Sicher, ein scheiternder Ministerpräsident in Schulmädchenuniform kann wohl nur einem japanischen Kopf entfleuchen, aber schon das Opening zitiert munter westliche Filmlegenden – und die Geschichte des Anime könnte eins zu eins auch in einer bekömmlichen amerikanischen Kinokomödie mitsamt deren pädagogisch wertvollen Familenwerten funktionieren.

Da haben wir also einen Haufen versponnener junger Frauen mit schrägen Hobbies und Vorlieben, die sich im aggressiven Mainstream der Gesellschaft nicht aufgehoben fühlen – und ihr gemütliches Häuschen soll einem kolossalen Bauprojekt, betrieben von einer skrupellosen Karrieristen, weichen. Eins zu eins, Triumph der Nerds und Außenseiter über Technokraten und Flachgeister, und nebenbei lernen alle noch voneinander, was es heißt, anders zu sein…

Es ist dennoch erfrischend, einen Anime auch mal so laufen zu sehen. Selbst wenn auch noch manche Motive, vor allem die Obsessionen der fünf Amamizukan-Bewohnerinnen ein wenig arg überdreht und überspielt werden, ist der Anime immer noch gewitzt genug und handwerklich so überzeugend gemacht, dass er einen ganzen Haufen anderen Titel mühelos überstrahlt. Indes Kuragehime in diesem Jahr vielleicht auch die schwächste noitaminA-Show gewesen sein mag, reicht es im Vergleich zu weiten Teilen des Rests immer noch dicke.

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11 | Darker than Black: Gaiden Bones, 4 Eps (OVA), Q1/Q2/Q3

Theoretisch ist Gaiden ein Bonus zur letztjährigen zweiten Staffel Ryuusei no Gemini, doch weil die vier OVA-Episoden eine starke eigenständige Geschichte erzählen, verdienen sie auch eine eigene Erwähnung. Gaiden tut mehr, als lediglich die Lücke zwischen den Staffeln zu füllen die vier Episoden schlagen nicht nur eine Brücke, sondern erzählen die kurze, aber schmerzhafte Geschichte eines Niedergangs.

Hei und Yin fliehen vor Polizei und Geheimdiensten, über eine japanische Tropeninsel und Kowloon ins chinesische Hinterland. Sie finden Unterschlupf bei einer Reihe von versprengten, ehemaligen EPR-Renegaden, die noch in der ersten Staffel das große Finale heraufbeschwörte. Zugleich aber verändert sich Yin. Sie wird nicht nur aktiver und redet öfter, gewinnt neue Kräfte – eine gewisse Laszivität, sogar ein Sadismus schleicht sich in ihr Handeln ein. Sie ist nicht mehr sie selbst.

Die OVAs helfen durchaus, die etwas konfuse und zerfahrene zweite Staffel von Darker than Black zu verstehen. Die eigenen Qualitäten sind aber bedeutender, die tragische Note steht der Reihe gut. Die gehetzte Geschichte porträtiert, wie Hei und Yin nirgendwo anders hin fliehen können als in den Untergang; auch wenn Hei nach Kraft dagegen und gegen gewohnt merkwürdige Gegner ankämpft, sehr unterhaltsam aufbereitet in coolen Action-Sequenzen. Wer Darker than Black an sich und seine sehr eigene Welt und deren Mechanismen bereits mag, wird an Gaiden aus den selben Gründen Gefallen zu finden.

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