Skip to content

Retrospektive 2010: Die Anime, #10 – #6

2011-01-23

Zum nächsten Post muss ich mir aber einen Text einfallen lassen. Wahrscheinlich die obligatorische Eloge für das Jahr 2010.

Anders als im letzten Jahr verpüre ich diesmal nicht den Drang, jeden Retrospektiven-Artikel gleich wieder zu bearbeiten und die Einträge durch die Gegend zu schieben. Mich ärgert zwar immer noch, dass ich mich in Eden of the East im letzten vorletzten Jahr so böse verschätzt und getäuscht habe, aber mit der aktuellen Reihe fühle ich mich eigentlich ganz gut. Ab einem gewissen Rang, ab #10 etwa, überwiegt sowieso der positive Grundeindruck. Das sind alles Titel, mit denen ich rundum Spaß hatte. Details können zwar im Vergleich einen Unterschied ausmachen, aber an der allgemeinen Zufriedenheit ändern sie nichts.

Derweil, Star Driver. Hätte es in dieser Liste auf #4 oder #5 geschafft und könnte auch im nächsten Jahr in der Region zu finden sein.

***

10 | Nodame Cantabile Finale J.C. Staff, 11 Eps, Q1

Würdiger Abgesang auf eine der schönsten Komödien der letzten Jahre, der irgendwie gar nicht so recht Abschiedsstimmung aufkommen lassen will. Finale knüpft nahtlos an Paris-hen an und bringt zwar einige der größeren Handlungsstränge zum Ende. Aber man mag sie nicht enden lassen, dafür sind einem die Charaktere zu sehr ans Herz gewachsen.

Der Anime beweist vor allem bei diesen vielen schrägeren Charakteren beachtliches Fingerspitzengefühl. Ihre Ticks und Spinnereien sind auch nach insgesamt 45 Episoden nicht nervig und dröge geworden, sondern noch so liebenswert wie ganz am Anfang. Nur, dass Nodame im Laufe seiner drei Staffeln deutlich an Tiefe gewinnt und den unangenehmeren, ernsteren Seiten des Lebens Platz einräumt; für jedes Allegro ein Adagio.

Finale ist also wohl so etwas wie Nodame in seiner wohlausgewogensten Auslegung, das ein wenig vom rastlosen Humor der ersten Staffel eintauscht für reifere menschliche Momente – und die Geschichte damit weiter veredelt. Das aber nur tendenziell, grundsätzlich bietet die dritte Staffel more of the same und spielt ebenso virtuos wie gewitzt auf ihrer  eigenen Klaviatur, eingebettet in ein so originelles wie ansprechendes Setting. Feine Sache.

***

09 | Panty & Stocking with Garterbelt Gainax, 13 Eps, Q4

Imaishi ist ein Meister des Exzesses und der Eskalation. Das sind durchaus Qualitäten, in Tengen Toppa Gurren Lagann hat er sie schon gewinnbringend eingesetzt und in Panty & Stocking with Garterbelt wieder. Wer pedal to the metal balls to the wall awesomeness will, kriegt sie bei ihm serviert; und das mit einem neckischen Partyhütchen obendrauf.

Kein Fernseh-Anime in diesem Jahr war origineller, extremer und ungewöhnlicher. P&S war ein wilder Ritt durch die menschliche Anatomie und dreckigen Humor. Das ist zwar nichts Neues, Komödien wie Oruchuban Ebichu haben Sex als Gegenstand von Humor in Anime schon früher durchdekliniert. Bei Imaishi kriegt das alles aber durch seinen Eklektizismus immer noch einmal einen ganz eigenen Anstrich.

Nicht alle Folgen zünden hundertprozentig, der ein oder andere Rohrkrepierer ist dabei. Das kommt vor bei Anime, die die Auslotung von Grenzen zur Methode machen. Wenn eine Folge aber einmal zündet, wie im Finale der sechsten oder in der von Osamu Kobayashi als Gastregisseur inszenierten und animierten fünften oder im Epilog der letzten, das mal dermaßen out of fucking left field kam – dann knallt es so richtig. Ich denke nicht, dass P&S für die Branche Vorbild-Charakter haben wird. Für die Bereicherung und den Beweis, dass es immer noch ein bisschen weiter gehen kann, bin ich aber dankbar.

***

08 | Armed Librarians: Book of Bantorra david, 27 Eps, 09-Q4/10-Q1

Die wenigstens dürften diesen Anime auf der Rechnung gehabt haben: eine obskure Fantasy-Romanreihe als Vorlage, deren Umsetzung das verhältnismäßig unbekannte Studio david besorgen sollte (auch wenn es eigentlich aus den qualmenden Trümmern Gonzos hervorging, gewissermaßen). Und Armed Librarians nimmt sich, trotz seines dezent seltsamen Setups, auch noch so ernst!  Keine ironische Brechung, kein Anschluss an gängige Standards im Anime der 2000er Jahre.

Aber genau das sind die großen Vorzüge dieses Anime. Armed Librarians scheint ein bisschen wie aus der Zeit gefallen zu sein, oder wie aus einem Universum, das immer einen Tick anders funktioniert als unser eigenes. Eine seltsame Mischung, mit kämpfenden Bibliothekaren, übernatürlichen Versatzstücken und einer reichhaltigen Auswahl aus Fantasy und Steampunk – doch sie funktioniert, knirscht und ächzt manchmal, aber sie funktioniert.

Da ist es zu verzeihen, dass der Anime sich zwischendrin ein wenig verhaspelt, dass er nicht immer so gut aussieht und läuft wie in seinen besten Momenten und dass er am Ende etwas arg schmalzig wird. Trotzdem kann man dann nämlich auf eine wunderbar komplexe, spannende Geschichte mit selbstbewusstem Storytelling und einer der interessantesten Handlungswelten des Jahres zurückblicken.

***

07 | Durarara!! Brain’s Base, 24 Eps, Q1/Q2

Am Anfang und eigentlich bis in die zweite Hälfte hinein kann man in Durarara!! den frischesten und heißesten Scheiß, den Anime in Jahr 2010 zu bieten hatte, genießen. Modern, smooth, raffiniert, clever: Ein Großstadtmärchen mit einem riesigen Cast, mit mehr originellen Ideen als die meisten anderen Anime des Jahres zusammen und mit einer so herrlich verwickelten und angemessen klug erzählten Story, dass man einfach seine helle Freude haben musste.

Es stimmt, die zweite Hälfte lässt nach. Was dem Anime insgesamt ziemlich weh tut. Die Zutaten sind immer noch da, bis auf das gewisse Etwas, das die Sache am Anfang noch so richtig abzuschmecken wusste. Das schiere Chaos vom Anfang, das nur mit gleichermaßen verspultem Wahnwitz irgendwie gebändigt werden kann und das den großen Reiz von Durarara!! ausmacht, scheint hier kanalisiert und befriedet.

Das ändert aber nichts daran, dass Durarara!! in der Summe immer noch ein richtig, richtig guter Anime ist. Naritas Stories sind bei Brain’s Base und in Hände von Takahiro Omori und seinem kreativen Team bestens aufgehoben. Das war schon bei Baccano! so, das ist hier so, und das wird es in den nächsten Jahren (toi toi toi) auch bleiben.

***

06 | Sarai-ya Goyou manglobe, 12 Eps, Q2

Auf den ersten Blick scheint Sarai-ya Goyou eine geruhsame Angelegenheit zu sein. Aber es brodelt unter der Oberfläche. Subtil geht der Anime vor, wenn er seine Charaktere ihrer Wege gehen lässt: Matsu, der Dieb, den Schuldgefühle umtreiben; Umezou, der wegen seiner Tochter von der Entführerei die Finger lassen sollte; Yaichi, der aufreizende Charismatiker und Lebemensch; Masa, der verstockte und gescheiterte Leibwächter; Otake, die verständige, melancholische Prostituierte.

Sarai-ya Goyou ist wie kein anderer Anime in diesem Jahr und wie nur wenige in den Jahren zuvor. Eigentlich kann man es sich auch kaum leisten, derart desinteressiert am Markt eine Animeproduktion zu stemmen. Aber ich bin dankbar dafür, dass man es dennoch tut.

Dabei ist es, gebe ich gerne zu, manchmal auch nicht ganz leicht diesem Anime auf all seinen Wegen zu folgen. Ist es aber trotzdem wert. Belohnt wird man mit einem stillen, faszinierend anzuschauenden Charakterdrama, das auf Spektakel und reine Schauwerte verzichtet. Sicherlich eine Ausnahmeerscheinung, aber zum Glück nicht die erste und aller Voraussicht nach auch nicht die letzte.

***

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: