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Review: Kuragehime

2011-03-08

Kuragehime ist ein Feel-Good-Anime, und wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir auch kein anderer ein. Also im Sinne neuerer amerikanischer Feel-Good-Movies und deren Grundrezept: einen leicht verdaubaren Konflikt servieren, in einem RomCom-Kontext auflösen und die Zuschauer satt und selig aus dem Kinosaal in ihre spießigen Leben zurückschicken. Das wollen zwar auch viele andere Anime (sans Kinosaal, vielleicht), aber ihre Zutaten sind andere.

Dieser Anime hier will so sein wie seine Hollywood-Vorbilder. Das sagt schon das Opening an, das locker durch die populäre Filmgeschichte stolpert (von den beiden Hongkong-Streifen abgesehen); noch viel spürbarer ist es allerdings in der Story selber. Dabei ist Kuragehime mit seinen Charakteren und Motiven durch und durch im Anime des 21. Jahrhunderts verwurzelt, und doch ist seine Anlage so ausgeprägt, dass ich mir beim Schauen ständig dachte: fuck, wie amerikanisch. Kuragehime könnte, mit wenigen Abstrichen, auch mit… weiß nicht, Ellen Page und Zac Efron in den Hauptrollen abendfüllend verfilmt werden, als eine dieser so populär gewordenen romantischen Komödien mit Nerd-Anstrich.

Was ja eigentlich kein gutes Indiz wäre, den Film (auf Deutsch sicher Prinzessin wider Willen oder Hilfe, ich liebe einen Tintenfisch!) würde ich mir nicht ansehen wollen, wenn sie mir dafür Geld in alle Körperöffnungen stopften. Aber Kuragehime ist eben kein Feel-Good-Movie, sondern ein Feel-Good-Anime; der Unterschied macht viel aus.

Das Amamizukan ist ein Refugium gepeinigter Großstadtseelen, insofern diese Seelen in Frauen stecken; Männer sind in der schäbigen kleinen Eckpension verboten. Die Bewohnerinnen haben mit der Welt außerhalb ihrer Mauern abgeschlossen und leben nur noch für ihre Hobbies: Chieko pflegt eine familiäre Beziehung zu ihrer Puppensammlung, in Bambas Wuschelkopf schwirren Zugfahrpläne und Baureihen, Mayaya ist besessen von den Drei Reichen, Jiji sammelt Filmklassiker – ihrer Vorliebe für die Ausstrahlung älterer Männer wegen. Und Tsukimi würde gerne in der Welt der Quallen versinken.

Mit ihren modischen Altersgenossen in den Bars Shibuyas haben die Amars nichts zu tun. Der Zufall spült ihnen allerdings geradewegs ein solches Exemplar ins Haus, die exzentrische Kurako, die eigentlich ein Mann ist, Kuranosuke heißt und einer mächtigen Politikerdynastie entstammt. Nur Tsukimi weiß davon, kann ihn aber auch nicht davon abhalten, das Haus umzukrempeln. Denn eine Investitionsfirma, angeführt von der skrupellosen femme fatale  Shouko Inari, will das komplette Gebiet aufkaufen, plattmachen und schicke Bürotürme hochziehen. Um ihr gemütliches Biotop vor dem Zugriff der Heuschreckenkapitalisten zu retten, müssen die fünf weltfremden Jungfern, mit etwas Nachdruck von Kuranosuke, über ihre Schatten springen.

Das Setup ist fast schon klassisch: auf der einen Seite die liebenswert hilflosen Außenseiter, so verspult und so verbuddelt in ihrer eigenen kleinen Welt, dass sie völlig aus der Gesellschaft gefallen. Auf der anderen Das Kapital und Der Zeitgeist im Tag Team. Und dazwischen ein unorthodoxer Katalysator, der den Davidas hilft, gegen Goliath zu gewinnen – wenn sie denn nur aus dem Tran kommen: raus aus der Gemütlichkeit, rein in den Kampf.

Nicht ganz so klassisch ist aber die Ausgestaltung. Der Katalysator in diesem Fall ist ein verwöhnter Bengel aus den oberen Zehntausend, von seinem Erfolg und seiner Beliebtheit derart gelangweilt, dass er sich mit Crossdressing die Zeit vertreiben muss. Die verstockte Tsukimi in ihrem abgewetzten Joogginganzug (den sie im Leben nie zum Joggen anhatte) läuft ihm über den Weg, er folgt ihr ins Amamizukan – und verliebt sich in sie, natürlich, die Ugly Betty ist nämlich selbstverständlich ein unglaublich hübsches Ding, wenn man nur die Kruste von ihr abschabt.

Kuragehime nimmt seine Außenseiterinnen Ernst, das ist allerdings ein Unterschied zum narrativen Grundgerüst der RomCom. Während in den USA die zahlungskräftige Geek-Kaste als angrabungswürdige Zielgruppe ausgemacht und längst vom Mainstream vereinnahmt worden ist, sind die Bewohnerinnen des Amamizukan knallharte, waschechte Fujoshi. Und während der Kern der Geschichte die romantische Komödie mit ihren humorvollen Verkomplizierungen ist (hier: Liebesdreieck mit zweierlei Tsukimi zwischen Kuranosuke und dessen Halbbruder Shuu), geht Kuragehime mit seinen bizarren Charakteren dermaßen in die Vollen, dass der Anime – genussvoll – an seinem eigenen Stuhl sägt.

Diese Mischung, einen Anime referenzreich nach Machart von Feel-Good-Filmen, aber mit den Mitteln und Inhalten des Anime zu erzählen, ist frisch, amüsant und richtig unterhaltsam. Selbst wenn Kuragehime bisweilen über die Stränge schlägt, die Charaktere sind lebendig und sympathisch, der Humor ist prima getaktet. Man spürt, dass die Mangaka Akiko Higashimura, auf deren Manga dieser Anime basiert, eine Liebhaberin solcher Stoffe ist und sich gekonnt aus ihren Vorlagen bedienen kann. Kuragehime sprudelt manchmal fast schon über vor Charme und Gewitztheit – etwa in Person des Quallenmaskottchens Clara -, auch dank der feinen Arbeit von Takahiro Omoris Team bei Brain’s Base, der einen tadellosen Job abliefert.

Leider schleicht sich bei Kuragehime aber auch eine gewisse Seichtheit ein, wenn Form und Stil Vorrang über den Inhalt bekommen; der Anime unterliegt nun mal dem eher formulhaften Vorgehen einer romantischen Komödie, selbst wenn er ein bisschen verstrahlt durch die Gegend kaspert. Es ist ein Balanceakt, der nicht immer gelingt – aber immerhin doch sehr oft.

Nicht wirklich glücklich war ich teilweise auch mit dem Vollzug der (vorläufigen) Auflösung. Die Amars lassen sich von Kuranosuke zwar auftakeln, sind aber letztlich so grätig und widerspenstig, dass es nicht wirklich fruchtet – Mainstream ist halt doch doof. Überhaupt, so, wie vor allem Tsukimis seltsame Faszination für Quallen aufgearbeitet und dargestellt wird, ist Kuragehime durchaus eine Liebeserklärung an spinnerte Hobbies und all diejenigen, die sich am Rand der Gesellschaft tummeln. Soweit also völlig okay. (Spoiler) Kuranosukes Versuch aber, die Amars dafür einzuspannen, modische Quallenplüschtiere und Quallenkleider zu nähen, hat dann doch wieder wieder etwas von diesem spießig-reaktionären Gschmäckle, Außenseiter in den Mainstream rüberzuretten, indem ihre Vorlieben und Hobbies monetarisiert werden.

Vielleicht stoße ich als Zuschauer auch schlicht an meine Grenzen, der Anime ist schließlich nicht für mich gemacht. Mit derlei Macken im Detail kann ich aber prima leben. Kuragehime bleibt reizend, dank seiner prima Charaktere und deren Interaktionen (Favoriten: das herrlich zynische Biest Shouko Inari und der stocksteife Shuu), dank seinem guten Humor und dank seinem konstanten Sägen an den selbstgesetzten, ungewöhnlichen Konventionen. Subversiv ist der Anime dadurch noch lange nicht, als Feel-Good-Anime liefert er aber locker ein feines Stück Unterhaltung ab. 7/10

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2 Kommentare leave one →
  1. Anonymous permalink
    2012-07-28 15:17

    der absolute hammer ist dieser anime er ist total witzig und echt cool als ich mir die erste folge angeckukt habe wollte ich unbedingt die zwiete sehen und außerdem kommt die kiebe auch nicht zu kurtzt.Ich kann euch nur raten schaut euch den anime an es lohnt sich wirkliuch

  2. Anonymous permalink
    2012-07-28 15:20

    echt ein toller anime die caraktere sind wirklich ausgefahlen außerdem ist die story echt mitriesend . Der anime ist soooooooooooo super witzig und die leibesgeschichte ist bombastisch

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