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Review: Tamayura OVA

2011-03-11

Tamayura ist das unaufgeregte neue Projekt eines Spezialisten seines Fachs: Junichi Satou. Seine Anime, neben Kaleido Star und Umi Monogatari vor allem Aria, haben vor allem Trost im Sinn; das kann manchmal bisschen arg kitschig oder schnulzig werden, ist aber – gerade bei Aria – immer ehrlich und aufrichtig gemeint. Dann kann man schon mal alle Waffen strecken und ihm seine Geschichten, einfach weil’s so schön angenehm sein kann, auch gerne abnehmen.

Wohl als eine Art Testballon produzierte er mit seinem Stamm-Studio HAL diese sehr kurze OVA, gerade mal vier Halbfolgen lang. Sie fühlte sich an wie eine nette kleine, vielleicht etwas dick auftragende Einführung (weswegen es auch nur ein nettes kleines, vielleicht etwas dick auftragendes Kurzreview gibt) – und tatsächlich, Tamayura wird noch in diesem Jahr mit  einer kompletten Fernsehserie belohnt werden

Aus einem Grund will ich aber trotzdem ein paar Zeilen zu Tamayura schreiben: die OVA schüttelt in gerade einmal 70 Minuten Laufzeit mehr lebendige Charaktere und liebevoll geschriebene Situationen aus dem Handgelenk als K-ON! in satten zwei Staffeln mit insgesamt 40 Folgen rauswürgen kann.

Ein bisschen relegitimiert Tamayura für mich damit das Subgenre des Slice of Life mit exklusiver Mädchenbesetzung; es geht also doch. Der Vergleich liegt ja nahe: Fuu, Norie, Maon und Kaoru machen im Grunde genommen das, was auch Yui, Mio, Mugi, Azusa und Ritsu tun – gar nichts. Außerdem Kuchen essen und Tee trinken. Im Gegensatz zu K-ON! allerdings, das stumpf um sich selbst kreist, ist das in Tamayura aber kein Problem.

Satou ist ziemlich elegant darin, in Kleinigkeiten und Details Charaktere entstehen zulassen. Maon etwa pfeift. Reden kann sie natürlich auch, tut sie bisweilen, aber in aller Regel antwortet sie pfeifend – und man versteht sie wunderbar. Charmant. Zugegeben, auch KyoAni, das Studio hinter K-ON!, achtet nicht minder genau auf die Ausgestaltung im Detail; aber K-ON! fehlt, was dem Vorlagenmaterial geschuldet ist, das bindende Element, das alles zusammenbringt. In Tamayura ist die Konsistenz da.

In der Motivik findet man ein weiteres schönes Beispiel. K-ON! hat die Musik zum Leitmotiv deklariert, woran man aber allenfalls alle paar Folgen sachte erinnert wird; letztlich ist sie nicht mehr als ein aufgepfropftes Gimmick? Wozu Musik? Was wird über das Motiv vermittelt, was ausgesagt? Wieso ausgerechnet Musik und nicht etwa Kalligraphie oder Mahjong? Dieser Nullwert der Musik ist irritierend und störend.

Das Motiv in Tamayura – die Fotografie – ist ausgelutscht, sicher. Satou stellt nichts Weltbewegendes mit ihm an, nutzt nur einige seiner offensichtlicheren Symboliken: Festhalten von Momenten, Wert und Zauber von Momenten, die Verbindung zur Vergangenheit. Aber sie sind allesamt mit der Geschichte verwoben, dienen der Welt- und Selbsterkundung der Protagonistin Fuu. Es ergibt Sinn.

Tamayura steht aber auch jenseits des Vergleichs, für sich genommen, ziemlich gut dar. In der knappen Zeit kann keine große Tiefe ausgelotet werden, Satou bewegt sich zudem in sicheren Gefilden. Seine Charaktere sind zwischen nett und sympathisch, Animationen und Design grundsolide (mit schön gedämpfter, warmer Fargebung), seine visuellen Einälle so zurückhaltend wie hübsch. Er hat, und das ist der Erkenntnisgewinn bei dieser OVA, alles beisammen, um alsbald eine feine Fernsehserie anzurühren; ziemlich schönes Versprechen. 7/10

 

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