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Retrospektive 2011, Die Anime: #10 – #1

2012-12-25

Ach richtig, da war ja was. Frohe Weihnachten, bis 2014 oder so.

***

#10 | Blood-C | 11-Q3 | Production I.G.

Blood-C dürfte einer der kontroversesten Titel 2011 gewesen sein und der Konsens, so es denn einen gibt, tendiert stark zur Ablehnung. Ich teile diese Meinung nicht und halte den Anime, ganz im Gegenteil, für einen der smarteren und vor allem konsequenteren des Jahres.

Durchaus richtig: die extreme Brutalität kann, vor allem gegen Ende, ins Sensationalistische abdriften. Wenn Saya mit ihren verstörend bizarren Widersachern kämpft, sterben in aller Regel Unschuldige, und zwar schlimmstmöglich: sie werden zermalmt, zerteilt, zerfetzt, gefressen. Ist das wirklich notwendig? Und hier würde ich anders als viele sagen, ja, das ist es. Blood-C dreht sich um ein perverses Spiel, eine Wette zwischen Wesen, die mit geläufiger Menschenmoral wenig zu tun haben. Wenn wir angeekelt und abgestoßen sind, dann ist das beabsichtigt und dient dem Effekt der Narrative.

Selbstverständlich ist das Argument ein zweischneidiges, und ein Stück weit nimmt man sich damit das natürliche Recht, auch ein moralisches Urteil auszubilden. Für Blood-C bin ich aber bereit, das zurückzustellen – und zwar nicht nur, um unterhalten zu werden (was etwas billig ist), sondern weil ich dem Anime seine Haltung abkaufe. Die Struktur der Show, die sich erst ganz am Ende als ausgesprochen raffiniert und clever erweist und die gut durcherzählt worden ist, spricht aus meiner Sicht dafür. Es muss so sein, wie es sein muss, auch wenn’s weh tut.

#09 | Kaiji S2 | 11-Q2/Q3 | Madhouse

Kaiji eben. Die zweite Staffel ist eben das, eine direkte Fortsetzung in jeglicher Hinsicht: Geschichte, Erzählstil, Charaktere, Musik, Design. Die einzige Bedingung, um die zweite Staffel zu mögen, ist die erste Staffel gemocht zu haben. Das ist durchaus nicht selbstverständlich: der Manga von Nobuyuki Fukumoto ist extrem eigen, im Zeichenstil wie in den Topoi. Er nudelt seine Klaviatur rauf und runter, rauf und runter, und dekliniert seine Charaktere immer und immer wieder durch ähnliche, nur eben noch krassere Situationen durch: Loser, die in sadistischen Spielen von skrupellosen movers ’n shakers durch die Abgründe der Moral getrieben werden, alles hinter der Fassade von illegalen Glücksspielen.

Das ist natürlich spannend und interessant, für mich zumindest. Madhouse, die eine vorbildhafte Adaption des Stoffes liefern, reizen die Extremsituationen Fukumotos bis ins Letzte aus: Kaijis Leiden wird heftig potentiert. Es ist bemerkenswert, wenn eine Geschichte einen an Orte im Kopf bringt, die man nicht für möglich gehalten hätte. Bisweilen aber kann man als Zuschauer auch überreizt werden, wenn die Auflösung einer Konfliktsituation dann doch zwei oder drei oder vier (oder…) Episoden zu lange hinausgezögert wird. Diese Geduld muss man mitbringen. Aber das ist nur leise Kritik; Kaiji bleibt einer der besseren Anime für Erwachsene der jüngeren Zeit.

#08 | [C] The Money and Soul of Possibility Control | 11-Q2 | Tatsunoko

Man merkt schnell, dass es Kenji Nakamura ein Anliegen war, diesen Anime zu machen. Die globale Banken- und Finanzkrise, die derzeit tobt, ist schwer zu verstehen – man kann sich noch nicht einmal exakt darauf festlegen, wann sie begann, wie sie begann, ob sie noch andauert, wie viele Krisen das eigentlich sind und wer wie was warum gemacht hat oder auch nicht. Wirtschaftslehrbücher neuerer Auflage zucken die Schultern: nach hunderten Seiten theoretischer Erläuterungen wird in einem letzten Kapitel stets nachgeschoben, dann man jetzt mal schauen muss, wie lange das zuvor erläuterte Bestand haben wird.

Nakamura versucht ausgerechnet über einen Anime, sich einen Reim darauf zu machen. [C] ist eine Reaktion auf die Krise und verdient alleine deswegen schon wenigstens Interesse und Respekt. Die internationale Finanzwelt ist hier eine virtuelle Parallelwelt, in der Spekulanten jeglicher Couleur und Moral ihre Finanzkraft auszuspielen versuchen: Spielgeld, Avatare, Spezialeffekte. Nur, dass die Auswirkungen reell sind: jeder wettet seine eigene Zukunft und mit seiner, in einer globalisierten Welt, auch die Zukunft aller anderen.

Obschon [C] brandaktuell ist, ist der Anime nicht mit der heißen Nadel gestrickt. Die Metaphern und Parallelen sind solide bis clever (und sie funktionieren gut), die Mechanismen der Spielwelt natürlich in ihrer Komplexität reduziert, aber generell nicht verkehrt. [C] ist überraschenderweise ein ziemlich tauglicher Versuch, die immer noch virulenten Verfehlungen der Finanzwelt in diesem Medium aufzubereiten und packend darzustellen. Sujet innovativ, Umsetzung wie von Nakamura zu erwarten ausgezeichnet: [C] hätte möglicherweise ein paar Episoden mehr vertragen können, ist aber auch in dieser Form ein gelungenes Experiment.

#07 | Level E | 11-Q1 | David

Eines meiner überstrapaziertesten und zu oft zitierten Bilder hier ist das des dark horse, des Pferdes, das sich aus dem Niemandsland des Wettscheins an die Spitze setzt. Aber ich mag es so sehr. Weil es nämlich ziemlich akurat ist. Level E war wohl die positivste Überraschung 2011 – weder kannte ich diesen Manga noch kannte ich Togashis Hunter X Hunter. David Productions wiederum kannte ich, die hatten seit Bantorra einen Stein in meiner Tür und haben sich zu einem meiner Lieblingsstudios aus der zweiten Reihe entwickelt, die eventuelle Mängel auf der Produktionsebene mit viel Verve wieder wettmachen. Case in point: der aktuell laufende JoJo-Anime.

Die Chancen mögen also auf den ersten Blick nicht prickelnd gewesen sein, waren aber durchaus da – und Level E war  absolut ein Gewinnlos. Drei Beispiele von vielen, die den Anime so wertvoll und empfehlenswert machen: das komödiantische Timing, die Charaktere und die komplette Erzählstruktur. Level E traute sich rotzfrech die Chuzpe zu, auch mal zwei oder drei Episoden sorgfältig aufzubauen, eine vermeintlich unzusammenhängende Story zu erzählen – nur, um sie dann brutal vom Baka-Prinzen für einen einzigen Gag in den Wind zu schießen. Das ist brillant in seiner Boshaftigkeit.

Der besagte Prinz und Hauptcharakter verkörpert die vollendete Konsequenz und Unerbittlichkeit des Humors in seinem Wesen. Er ist unberechenbar und überraschend, ohne – wie in Anime allzu häufig – gleich beliebig, nervig und lächerlich zu sein; der Vergleich mit Haru aus Tsuritama drängt sich auf. Flankiert wird er von einem Set kongenialer Mitspieler, die – ob Mensch oder Alien – so stark charakterisiert sind, dass sie ihre eigenen Anime tragen und ausfüllen könnten; etwa der krachend sture Tsutsui, bei dem sich der Prinz einquartiert, der chaotische Haufen Schulkinder in den Color Rangers-Episoden oder Captain Kraft, des Prinzen bärbeißiger und vor Wut weißglühender Bodyguard.

Level E strotzt vor Überfluss an lebendigen Charakteren, bizarr-amüsanten Situationen und viel, viel berechtigtem Selbstvertrauen in die eigenen Qualitäten. Zugegeben, man muss es mögen – manchem ist die trockene Erzählart vielleicht etwas zu schwer verständlich, andere stoßen sich am arbiträr anmutenden Plot, der (wenn auch nur auf den ersten Blick) zusammenhanglose Einzelgeschichten erzählt; ich aber nicht. Es ist erstaunlich, dass es in diesem Jahr gar zwei Komödien gab, die sogar noch besser sein konnten – was aber nichts daran ändert, dass Level E eine dicke Empfehlung und ein großer Spaß ist.

#06 | Yondemasu yo, Azazel-san! | 11-Q2 | Production I.G.

Die eine, noch einen Tacken bessere Komödie, war Azazel-san. Azazel-san war dreckig, bösartig und eklig und sowas von auf meiner Linie. Auf eine andere Art und Weise als Level E war auch dieser Anime eine Ensemblekomödie, die in erster Linie vom Zusammenspiel zwischen den einzelnen Figuren und – wichtig! – ihren Synchronsprechern profitierte. Vor allem die Dämonen sind brillant besetzt mit den alten Haudegen Masaya Onosaka (Azazel), Tesshou Genda (Moloch) und Kazuya Nakai (Salamander), die sich für nix zu schade sind, mit einem wunderbar nöligen Hiroshi Kamiya (Beelzebub) und mit einer gewohnt nervenzerfetzenden Yuu Kobayashi (Undine), flankiert von Daisuke Namikawa (Akutabe) und der reizenden Rina Satou (Sakuma), die außerhalb ihrer comfort zone schön fies in ihren Rollen aufgehen. Diese Show ist ein Spielplatz für seiyuu, die nach Herzenslust brüllen, kreischen, stöhnen und nerven dürfen.

Und so brilliert Azazel-san immer dann, wenn es so richtig turbulent zugeht – was zum Glück jede Episode der Fall ist. Der Anime weiß, dass Humor oft über Kontraste funktioniert; anders als etwa Panty & Stocking, das ähnlich vulgär war, sich allerdings auch durch seine starke Überstilisierung selbst eines ausgleichenden Kontextes beraubte, packt Azazel-san packt seine Obszönitäten und Körperflüssigkeiten in einen Rahmen, in denen die ganzen Auswüchse erst so richtig aufgehen. Er nimmt sich sogar an den richtigen Stellen zurück; eine große Leistung, dass gegen Ende der Staffel einige glaubwürdig traurige und bewegende Szenen untergebracht sind.

Kann sehr gut sein, dass man mit dem Ton nicht klarkommt – völlig okay. Wer aber mit scheißefressenden und chronisch notgeilen Plüschfigurdämonen keine Probleme hat, dürfte in Azazel-san einen kleinen Lieblingsanime finden.

#05 | Mawaru Penguindrum | 11-Q3/Q4 | Brain’s Base

[ReinWeiss] Mawaru Penguindrum - 14 [gg-altered].mkv_snapshot_23.08_[2011.10.16_11.23.23]

Ikuhara war nie leichte Kost, eine höhere Metapherndichte als in seinen Stoffen findet sich in Anime kaum. Dem zu folgen und da durchzusteigen kann schwierig sein, ich selber – gerne zugegeben – habe bisweilen den Faden verloren. Ja, manchmal ist Ikuharas Gespinst einfach zu vielschichtig und zu eklektisch, wenn er in Mawaru Penguindrum eine Geschichte erzählt, die auf verschiedenen Zeitebenen und mit verschiedenen Realitätsebenen spielt, mit einer geschlossenen, aber zunächst undurchdringlichen Bilderwelt und einer Reihe an Figuren mit entfremdeten Vorstellungen von Moral, dafür aber einer großen Tendenz zur Theatralik. Und dann gruppiert sich alles noch, wie sich langsam, aber unerbittlich herausschält, um einen Terroranschlag. Es ist keine Schande, hier konfus zu sein.

Aber: Mawaru Penguindrum belohnt einen. Dabei geht es nicht einmal um die olle Formel des man-muss-sich-darauf-einlassen, sondern in erster Linie um Geduld und um Offenheit. Mit etwas Sitzfleisch und genug Fantasie kann man nämlich in den letzten Episoden bestaunen, wie all die wild durcheinanderpurzelnden Versatzstücke plötzlich und mit einer bestechenden Logik zusammenkommen, wie der hochdichte und verwobene Plot von Liebe und Gewalt und Trauer und Schicksal wundersam aufgeht. In diesem Medium kann das kaum jemand Ikuhara nachmachen, in dem die Geschichte seit 1995 gegärt haben muss. Schön, dass er sie jetzt in seiner unnachahmlichen Art erzählt hat.

#04 | Steins;Gate | 11-Q2/Q3 | White Fox

[Steins;Sub]_Steins;Gate_22_[720p][59ED7A58].mkv_snapshot_02.32_[2011.09.07_18.10.46]

Steins;Gate ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, wie viele Klippen es umschifft hat. Eine reichlich kommerzielle AAA-Adaption einer reichlich beliebten Visual Novel, mit einer Latte an allzu fanservicefreundlichen und anbiedernden Charakteren und einer potentiell pseudointellektuellen, im Grunde genommen aber nur selbstwichtigen Story. Theoretisch.

Nichts von alledem ist der Steins;Gate-Anime aber. Schon der seltsam weißstichige, überbelichtete visuelle Stil, den das immer noch junge, aber steil aufsteigende Studio White Fox (Katanagatari, Jormungand) der Umsetzung verordnet, zeigt von Anfang an: hier hat jemand was vor. Und tatsächlich kippt die alberne Otaku-Fantasie, die sich der selbsternannte mad scientist Okabe schafft, bald ins bedrohlich Ernste; Verschwörungstheorien stimmen, Menschen sterben, das Weltgeschehen ändert sich. Was tun, wenn die Flucht in den Eskapismus plötzlich zum Himmelfahrtskommando wird?

Nicht, dass Steins;Gate eine philosophisch tief gründende Story wäre, nein. Aber der Anime ist schlicht eine extrem starke Sci-Fi-Geschichte, die den Zuschauer unten abholt und die erstaunlich viel Tiefe aus seinen auf den ersten Blick stereotypen Charakteren rausholt. Selbst der oft störanfällige Plotmechanismus der Zeitreisen arbeitet hier beeindruckend solide. Steins;Gate hat aber in erster Linie sehr viel handwerkliche Qualität in der Narrative – im Aufbau und der Reihung der Episoden, im Layout, in der Musikregie. Das ist etwas, was mich immer zu begeistern vermag.

#03 | Nichijou | 11-Q2/Q3 | KyoAni

[Doki] Nichijou - 16 (1280x720 h264 AAC) [068C4A5E].mkv_snapshot_11.01_[2011.07.19_10.22.48]

Das Schönste an Nichijou war, dass man nie wusste, was als nächstes kommt. Die vielen Vignetten, die eine Episode ausmachen – manche winzig, manche zehn Minuten lang – können von alles und nichts handeln und einen völlig beliebigen Grad von Sinn ergeben. Technisch ist Nichijou eine Komödie, praktisch sind aber beileibe nicht alle kleinen Geschichten witzig – weil sie es nicht sein müssen oder wollen. Die Bandbreite spannt sich auf zwischen verwirrenden dadaistischen Experimenten (Helvetica Standard) und berückend niedlichen kleinen, bescheidenen Liebesgeschichten (Love Life). Und die, die witzig sein wollen, sind meistens verdammt witzig.

Sie alle porträtieren den Alltag mehrerer Dutzend abstruser Figuren in einer abstrusen kleinen Stadt. Vor… damnit, anderthalb Jahren, habe ich schon einmal angedeutet, wie der Regisseur Tatsuya Ishihara das macht: Nichijou ist Guckkasten und Wimmelbild, Sammelsurium und Kuriositätenkabinett. Und eine große große Spielwiese für die Alleskönner vom Ausnahmestudio KyoAni. Zwar ist auch Nichijou eine Adaption, aber ich wage zu behaupten, dass das Studio niemals zuvor solche Freiheiten hatte. Ein entfesseltes KyoAni, das alle Genre aus dem Effeff beherrscht, träumerisch mit Tempo und Stimmungen und Designs spielen kann… ah. Ein Genuss.

#02 | Puella Magi Madoka Magica | 11-Q1 | Shaft

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Madoka ist vermutlich ein bisschen zu heiß diskutiert worden. Das ist schade, weil man anscheinend kaum noch über den Anime reden kann, ohne sich den Rucksack mit dem ätzenden Diskurs aufschnallen zu müssen. Und es ist schade, weil Madoka ein wirklich sehr guter und richtiger und kluger Anime war. Dass die einen Überambitionierte die Geschichte als Dekonstruktion feiern, als ob Dekonstruktion eine Leistung an sich wäre, geschenkt; dass den anderen kein besseres Argument als Prätentiosität einfällt, als ob Anspruch eine Schande wäre, auch geschenkt. Lieber auf den Anime konzentrieren.

Der Weltuntergang als Motiv wird in leichten Erzählmedien nur allzu oft allzu inflationär und leichtfüßig gehandhabt; die unbedarfte Rasselbande wird es schon richten. Puella Magi Madoka Magica spielt mit der Unschuld, aber auch mit der Schuld und der Verantwortung und der Überforderung, die diese Aufgabe mit sich bringt. Die zuckrigen, unschuldigen Shoujo-Heldinnen zerbrechen regelmäßig an der Unabwendbarkeit des Leidens und an sich selbst, visuell brillant begleitet von Akiyuki Shinbo. Madoka hat – und das ist die Leistung dieses Anime – einen Punch, den die meisten anderen Anime vermissen lassen; damit gilt er völlig zurecht als einer der wichtigsten Anime der letzten Jahre.

#01 | Hourou Musuko | 11-Q1 | AIC Classic

[ReinWeiss] Hourou Musuko - Wandering Son - 11.mkv_snapshot_12.05_[2011.04.06_01.56.14]

Parallel zum Juggernaut Madoka wurde auch Hourou Musuko ausgestrahlt – am selben Tag, fast exakt zur selben Zeit (nur zehn Minuten früher). In der allgemeinen Wahrnehmung spielte aber nur einer von beiden Titeln eine Rolle. Ich habe beide gleich bewertet und finde beide grandios; Hourou Musuko auf die 1 zu setzen ist eine reine Bauchentscheidung. Vielleicht, weil ich diesen Anime so wertvoll finde.

Was mich nachhaltig beeindruckt sind die Souveränität und die Sensibilität, mit der hier Themen besprochen werden, deren Behandlung im Medium des Anime denkbar miserabel ausfällt. Hourou Musuko handelt vom Begreifen der eigenen Sexualität am Anfang der Pubertät und erzählt die Geschichten von Kindern, die für sich einen Weg finden müssen zwischen intimen Wünschen, gesellschaftlichen Normen und den Gefühlen ihrer Freunde. Das ist ein schwieriges Thema, für pubertierende Jugendliche gleichermaßen wie für den Zuschauer. Denn überhaupt: Wie soll man an so einer Geschichte überhaupt Gefallen finden können?

Damit komme ich zum Wert zurück, den ich in Hourou Musuko sehe. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: auch Unterhaltung ist ein Wert, und Anime ist in erster Linie kein didaktisches und kein Informationsmedium, sondern ein Unterhaltungsmedium. Völlig legitim, nur unterhalten werden zu wollen – man schaue, woran ich 2011 sonst so Spaß hatte. Und auch Hourou Musuko unterhält prima, wenn auch mit etwas Anspruch: mit seiner sachte elegischen Art, seinen vielschichtigen Charakterkonflikten und seinem reizvollen visuellen Stil.

Aber da ist noch ein Mehrwert in Hourou Musuko, etwas, das einen noch tiefer und inniger berührt. Möglicherweise erinnert der Anime einen an die eigenen Ängste und Sorgen, die diese Lebensphase in das eigene Wesen einschreibt. Auch als stockheterosexueller, haariger Kerl mit Bart und den ersten grauen Haaren auf dem langsam kahler werdenden Schädel konnte ich mich den Charakteren nahe fühlen. Das ist eine große narrative Leistung. Wenn mir ein Anime so viel gibt, dann würdige ich das gerne.

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