Heilige Scheiße
Regie: Shinichiro Watanabe.
Musik: Yoko Kanno.
noitaminA, April 2012.
http://www.noitamina-apollon.com/
Weihnachten fällt aus.
Und mit Weihnachten meine ich mein Preview für die Winter Season 2012.
Gut, nicht ganz; wird eher so ein Weihnachten wie wenn die Werft dichtmachen muss und der Vater den Job verliert und die Kinder dann keine Playstation 3 kriegen, sondern eine von diesen brasilianischen Konsolen, die wie eine Playstation 3 aussieht, aber eigentlich ein Sega Genesis ist. Dann erhängt sich der Vater auf dem Dachboden, weil er die Hypothek nicht mehr bedienen kann. Also Weihnachten ja, aber kein tolles.
Jedenfalls: ich habe keine Zeit. Lahmste Begründung aller Zeiten, aber deswegen leider nicht weniger wahr. Mein Studienabschluss steht an, und den darf ich nicht verbocken, wenn ich weiter in der Wissenschaft arbeiten will.
Meinen Animekonsum musste ich wegen akuter Zeitnot der letzten Wochen drastisch reduzieren, auch wenn ich guter Dinge bin, irgendwann wieder aufzuholen. Wenn ich einst wieder in Tritt komme, schreibe ich auch mehr; dann aber kürzer und schneller, mein bisheriges Langformat kann ich nicht mehr stemmen.
Ob auch Ostern ausfällt, also mein Jahresrückblick, weiß ich noch nicht.
Was ich von der anstehenden Season irgendwann anschauen werde: Natsume Yuujinchou Shi, Nisemonogatari, Black Rock Shooter, Another. Was ich testen werde: Ano Natsu de Matteru, Area no Kishi, Kill Me, Baby, Amagami SS plus. Sehr schwache Aussichten; die Spring Season sieht dann aber schon wieder deutlich besser aus.
Schöne Feiertage, frohes neues Jahr, etc. Hatte die Ehre.
Fall Season 2011 Preview
Die zurückliegende Sommersaison und die anstehende Herbstsaison scheinen tatsächlich die Rollen getauscht zu haben, wenn man sich die Zahl der Shows anschaut. Wieso? Kein Plan. Aber die Ausklingphase hat sich das wirklich gute Animejahr verdient.
Mir kommt das ganz gelegen; im kommenden halben Jahr sind meine Termine, Jobs, Aufgaben weniger regelmäßig, aber dafür vorbereitungs- und zeitintensiver. Paar Serien passen da gut in die Garbage Time der nächsten Monate. Und: an meinem Backlog zu arbeiten wird mir deutlich leichter fallen als im vergangenen Sommer, als ich irgendwie noch Last Exile reinquetschen wollte (was sich aber gelohnt hat). Wer weiß, vielleicht fällt auch mehr Zeit für den Blog ab…
Für eine Rückschau ist es noch zu früh, aber drei Trends zeichnen sich schon ab. Erstens, dass wir 2011 wesentlich mehr Originalanime als in den letzten Jahren zu sehen bekommen haben, was erfreulich ist. Adaptionen können auch prima sein, in der Masse würde diese risikoarme Strategie aber fade. Zweitens, dass plötzlich viel mehr Anime über 2 cours laufen. Und drittens, dass – aber da müsste ich für stichfeste Aussagen nochmal Zahlen wälzen – die Verkäufe in Japan angezogen haben. Kann man daraus schließen, dass es wieder bergauf geht? Who knows. Wir werden’s sehen.
Review: Hourou Musuko

Im Gender-Diskurs kann man sich kaum bewegen, ohne zwischen Altfeministinnen (bäh, Schwarzer), Neo-Emanzen (bäh, Roche), Chauvis mit ihren lahmen Lila-Latzhosen-Lesben-Sprüchen (und panischen Daseinsängsten), und ätzenden Hipstern und New-Age-Spinnern (huhu, ich bin gender fluid!) aufgerieben zu werden. Was schade ist, weil es einem das Interesse an wichtigen Sachen wie dem Bewusstsein von Geschlechterrollen vergällt. Deren Probleme sind eben nicht nur marginale Randerscheinungen, sondern allgegenwärtige Dinge – zum Beispiel, im ehemals kleinen Rot jetzt das unerträglich kitschige Girlierosa zu sehen; fick dich, Hello Kitty und fick dich, Disney Company.
Hourou Musuko befasst sich fast ausschließlich mit Themen, derer ich also schon lange überdrüssig geworden bin. Geschlechterrollen, Homosexualität und Transsexualität als Gegenstand von Geschichten sind ja an sich perfectly fine; der Kladderadatsch, der ihnen übergestülpt wird, dagegen eben nicht. Ganz und gar nicht. Zumal in bestimmten Ecken des Internets; es gibt wenig, das mich derart nervt wie der Beißreflex der Reiz-Reaktion-Maschinen – hihi, Trap. Selbst wenn ich zugeben muss, dass die sexuelle Eskalation in den Anime und Manga der letzten Jahre Beißspielzeug en masse geliefert hat.
Nun ist Hourou Musuko aber zugleich die Adaption eines Manga von Takako Shimura. Und Shimura hat sich nicht nur mit ihren konsequent sensiblen Behandlungen dieser Probleme einen Namen gemacht, sondern kann dabei sogar völlig auf die in Japan so beliebte Fetischisierung der Androgynie verzichten – was im superdiversen Medium Manga auch durchaus geht. Finanzielle Risiken und Aufwand halten sich in Grenzen, und genügend Liebhaber bestimmter Stilrichtungen und Gattungen finden sich ebenfalls oft genug, um eine Produktion abseits der rein gewinnorientierten Magazine zu tragen.
Bei Anime wird es kniffliger, weil mehr an ihnen hängt, nicht zuletzt Arbeitsplätze. Trotzdem kann man Mittel und Wege finden, komplexere und gewagtere Settings unterzubringen, ohne seine Integrität zu verlieren. Aoi Hana demonstriert das prima. Dabei ist diese Geschichte im Vergleich zu Hourou Musuko noch verhältnismäßig zahm: junge Lesben im Oberschulalter sind ein Stück weit massenkompatibler als Grundschulkinder, die an ihren Geschlechterrollen (ver-)zweifeln. Aoi Hana stand die eher konservative Adaption von J. C. Staff dementsprechend gut zu Gesicht – aber wie zum Henker sollte in so einem verseuchten Klima eine Geschichte wie diejenige von Hourou Musuko funktionieren? AIC Classic wagt sich für noitaminA an eine experimentellere Lösung.
Vor ein paar Monaten machte das Industriegerücht die Runde, dass Ryousuke Nakamura, meinerseits ein ziemlich gut gelittener Regisseur, an einem neuen Anime arbeiten würde. Nun wird auf der AniDB-Seite des vor kurzem angekündigten Madhouse-Anime Another – und nur dort – eben jener Ryousuke Nakamura mitsamt seinem kompletten Kreativteam aufgeführt. Huch.
Ist mit Vorsicht zu genießen: auf der Homepage heißt es noch, dass die Besetzung (neben der bereits feststehenden Illustratorin Noizi Itou of Haruhi fame) und die genauen Termine erst später bekanntgegeben werden; im japanischen Wikipedia-Eintrag ist nichts dazu vermerkt, und meine Twitterhunde haben in der letzten Woche auch nicht angeschlagen. Wie nun die Information auf AniDB gelangt ist, ob jemand sie zum Beispiel aus 2ch aufgeschnappt hat, kann ich nicht sagen.
Zeitlich würde es ja durchaus passen, es ist vorstellbar. Nicht unbedingt das, was ich mir als Projekt für Nakamura erträumt hatte, aber noch ist es natürlich viel zu früh für ein Urteil. Sollte es sich als wahr herausstellen, dann ist mit Nakamura, Murai und den anderen mit Sicherheit genug Qualität da, um einen zumindest kompetenten, vielleicht ja auch richtig guten Anime zu produzieren, Stoff hin oder her.
Ein wenig muss ich mir angesichts der jüngeren Ereignisse bei Madhouse aber doch den Kopf kratzen. Mit dem tragischen Ableben von Satoshi Kon und Osamu Dezaki hat das Studio in kürzester Zeit zwei treibende kreative Köpfe verloren, mit Masao Maruyama verließ ([1], [2], [via] – ist das überhaupt vernünftig publiziert worden?) vor kurzem gar der Mitbegründer und wichtigste Produzent seinen Arbeitsplatz, um mit einem neuen Studio das Vermächtnis von Kon weiter voranzutreiben. Er nannte die finanzielle Situation als Grund, was die Gerüchte von vor einiger Zeit bestätigen würde. Zusammen mit den kommerziell wie künstlerisch wenig erfolgreichen Marvel- und US-Kooperationen ergibt das ein eher düsteres Bild.
Madhouse hat immer noch genügend kolossales Potential in seinen Reihen, darum mache ich mir keine Sorgen. Ob das Studio jetzt aber vermehrt auf besser vermarktbare Anime wie eben Another setzen wird und die Fähigkeiten seiner Kreativen damit brachliegen lässt – was macht eigentlich Hosoda gerade? -, wird sich zeigen. Ist ein wenig attraktives, aber wohl nicht mehr ausgeschlossenes Zukunftsszenario.
(Ein ähnlicher kleiner Erosionsprozess findet wohl gerade bei Gainax statt – mit Sushio, You Yoshinori und sogar Hiroyuki Imaishi (!),Regisseur von Gurren Lagann und Panty & Stocking, sollen drei der wichtigsten Männer von Gainax zu anderen Studios gewechselt sein. Aufregende Zeiten.)
Trailer: Momo e no Tegami
Oh, zwei Posts an einem Tag. Bloß nicht daran gewöhnen.
Seit heute ist der Teaser für Momo e no Tegami draußen, der Film, an dem Hiroyuki Okiura (Jin-Roh) seit satten sieben Jahren bei Production I.G. arbeitet. Sieht mir nach einem Bewerbungsschreiben für die Takahata-Nachfolge bei Ghibli aus…
